Kind sein – Vom loslassen

Wie oft stoppen wir unsere Kinder, wenn sie voller Begeisterung auf eine Pfütze zurennen, sich auf einen Blumentopf mit Wasser gefüllt stürzen oder wild mit Farben malen? Es steckt so tief in vielen von uns drinnen erst einmal „Halt!“ oder „Stopp!“ zu rufen. Wir sehen den Dreck, den es verursacht und die Arbeit, die wir hinterher haben. Oft sehen wir aber nicht mehr den Spaß, den die Kinder dabei haben. Dabei kann es für die Kinder so wertvoll sein, wenn sie einfach diese Erfahrung machen dürfen. Und auch, wenn sie hinterher sehen, dass sie nun nass sind, dreckig oder, dass es viel Arbeit ist alles wieder sauber zu bekommen.

Die Wanne mit Wasser

Wir haben im Garten eine Wanne, in welcher wir die Kinder auch jetzt noch im Sommer immer mal wieder baden lassen, wenn es uns zu aufwändig ist das Planschbecken zu füllen. Auch nutzen wir diese, um einfach Wasser hinein zu füllen und sie planschen zu lassen bzw mit Eimern und Gießkannen Schüttspiele zu spielen. Das alles aber meist nur im Sommer, wenn sie sowieso nackig durch den Garten springen.

Die Wanne steht oft bis in den Spätherbst draußen und ab und an vergessen wir sie herumzudrehen. So sammelt sich bei Regen einiges an Wasser darin, einladend schwimmen die Becher, Eimer und Gießkannen darin herum. Das lockt die Kinder und so sind sie, schneller als ich schauen kann, an der Wanne und mit den Armen im Wasser.

Die ersten Male habe ich sie weggeholt, habe nur die nassen Klamotten gesehen. Doch irgendwann dachte ich mir: „Was ist das schlimmste, dass passieren kann?“. Und dann stellte ich mir zwei klatschnasse Kinder vor. Schlimm? Gar nicht mal so sehr, wir sind daheim, Wechselklamotten sind ausreichend vorhanden, Handtücher auch und im Zweifel sogar eine warme Dusche oder Badewanne. Viel Spaß also.

Loslassen

Eltern fällt es oft schwer ihre Kinder loszulassen, sie ausprobieren zu lassen und ihnen zu vertrauen. Ich nehme mich da nicht aus und weiß auch, dass es ein Prozess ist, den wir mit den Kindern gehen. Für den einen oder die andere wird dieser Weg leichter sein, für andere eben schwieriger. Doch es ist wichtig für die Kinder ihn zu gehen. Ihnen Freiräume einzuräumen, sie loszulassen und sie in diese Welt zu entlassen.

Der Mann ist sehr ängstlich und tut sich mit dem loslassen sehr schwer. Doch er hat sehr früh einen Satz angebracht, der nicht nur mir bei neuen Sitautionen hilft, sondern den ich auch sehr hilfreich im Umgang mit unseren Kindern finde: Was ist das Schlimmste, das passieren kann?

Und dann überlege ich, wie oben beschrieben, was als schlimmstes passieren kann. Komme ich zu dem Entschluss, dass es nicht tragbar ist, versuche ich eine Alternative zu finden. Sind wir ohne Wechselklamotten unterwegs und es ist Wasser zum planschen da, ziehe ich die Kinder aus. Oder ich suche eine ganz andere Möglichkeit, wie sie Spaß haben können.

Ja statt Nein

Es fällt uns erwachsenen schwer, ja zu sagen. Einfach machen zu lassen, locker zu lassen, zu sein. Und das ist auch verständlich, denn oft sind wir als Kinder in einer Nein-Umgebung aufgewachsen und kennen es kaum anders. Doch ist nicht eine Ja-Umgebung viel schöner für alle?

Wir versuchen so gut es geht in den gemeinschaftlich genutzten Räumen eine Ja-Umgebung zu schaffen. Das bedeutet für uns Erwachsene, dass wir unsere Dinge, Bücher zum Beispiel, an einen Ort ablegen, an den die Kinder nicht heran kommen. Das ist nicht immer einfach zu finden, doch mit der Zeit finden sich gute Lösungen, die für alle passen.

Auch die großen Kinder erfahren so schnell, dass manches nicht einfach liegen gelassen werden kann, weil kleine Babyhände es auseinander pflücken. Für uns war hier eine gute Lösung der Tochter ein eigenes Zimmer zu schaffen, in welches sie sich zurückziehen kann und in welchem sie sagen kann, was der kleine Bruder anfassen darf und was nicht. Also keine absolute Ja-Umgebung, aber ein großes Ja zu ihr und zu ihrem sein.

Vertrauen

Um loslassen zu können, müssen wir vertrauen. Das ist gar nicht so einfach, wollen wir doch sicher gehen, dass es dem Kind gut geht. Wir können nicht loslassen, wenn es alleine Über einen Ast balancieren mag. Es fällt uns schwer es alleine die Straße hinunter zum Freund gehen zu lassen. Oder alleine Fahrrad fahren zu lassen.

Das ist gut so, denn es zeigt, dass wir unsere Kinder lieben und beschützen wollen. Wir wollen mit aller Macht verhindern, dass ihnen etwas zustößt. Doch wir wollen auch, dass sie Freiheit erfahren und sein dürfen. Und hier gilt es Vertrauen in sie zu haben. Sie ziehen zu lassen und aus einer gewissen Entfernung zu beobachten.

So kann es uns gelingen, dass unsere Kinder ihre Welt entdecken können. Dass sie sein dürfen. Dass sie auch mal Fehler machen dürfen. Aber sie erfahren auch, wie toll es sich anfühlt alleine etwas geschafft zu haben. Wie großartig es ist etwas zu erschaffen, komplett ohne Hilfe. Sie erfahren ebenso, dass man auch manchmal versagt oder Fehler macht und dass die Welt dann trotzdem nicht unter geht.

Lassen wir unsere Kinder also los, immer wieder und in immer kleinen Stücken. Und nehmen wir sie dann wieder in die Arme, wenn sie es brauchen.

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