Stress und Hektik – Wir brauchen mehr Achtsamkeit und Gelassenheit

Es ist 16:15 Uhr und meine S-Bahn fährt nicht ein. Ich schaue immer wieder auf die Uhr, kommt sie in den nächsten fünf Minuten nicht, verpasse ich wahrscheinlich meinen Anschlusszug und somit auch den Bus nach Hause. Im Besten Fall komme ich dann nur eine Viertelstunde später heim, im schlimmsten Fall mindestens eine halbe Stunde. Und im ganz dummen Fall muss mich der Mann irgendwann am Bahnhof einsammeln, weil kein passender Bus mehr fährt.

Was passiert in diesem Moment? Ich bekomme unglaublichen Stress, denn ich will pünktlich daheim sein, um überhaupt noch etwas von meiner Familie zu haben. Doch kann ich es ändern und hilft es etwas, wenn ich mich so verrückt mache und immer wieder auf die Uhr schaue? Natürlich nicht. Und genau das versuche ich mir jetzt immer wieder zu sagen. Was der Mann schon lange weiß, sickert bei mir langsam durch: Ich kann es nicht ändern, es kommt wie es kommt.

Ich bin absoluter Kontrollfreak und hasse es, wenn ich Dinge nicht beeinflussen kann. Die S-Bahn kann ich nicht beeinflussen und ich musste lange lernen, wie ich gelassener auf Ausfälle und Verspätungen reagieren kann. Der RMV gibt mir da genug Übungsstunden. Erst vor kurzem wieder, es fuhr erstmal gar keine Bahn mehr. Ich hatte länger gearbeitet und wusste, der letzte Bus ist weg bevor ich ankomme. Wann ich ankommen würde, stand in den Sternen. Und anstatt mich aufzuregen (gut ein bisschen aufgeregt hab ich mich, weil wirklich keine Infos zu bekommen waren), habe ich mir mein Buch genommen und gelesen und mich an zusätzlicher Lesezeit erfreut.

Als Eltern stecken wir viel zu häufig in einem Hamsterrad aus Terminen und Zeitdruck. Immer haben wir das Gefühl nicht gut genug zu sein und noch mehr machen zu müssen. Nach der Arbeit wird noch schnell ein Kuchen für den Kindergarten gebacken, das Haus geputzt, tonnenweise Wäsche gewaschen und die Kinder von A nach B transportiert.

Ich sage (und da bin ich nicht allein, Julia Dibbern und Nicola Schmidt sagen das nämlich auch sehr deutlich in ihrem Buch Slow Family), wir brauchen mehr Ruhe und Langsamkeit in unserem Alltag. Mehr Achtsamkeit und Gelassenheit. Einfach mal nichts machen und auch mal nein zu etwas sagen.

Doch wie kann das gelingen, wenn jeder von uns erwartet, dass wir die perfekte Mutter oder der perfekte Vater sind? Und wir dazu noch die Bedürfnisse unseres Kindes achten möchten und diesem nicht ständig nein sagen wollen? Und wie steht es denn genau um unsere Bedürfnisse und unser Wohlbefinden?

Ich versuche deswegen immer wieder in mich hineinzuhorchen, ob ich nun wirklich noch diesen oder jenen Termin am Wochenende brauche, oder ob die Freunde nicht auch noch Freunde sind, wenn wir uns einfach nächsten Monat treffen, weil da weniger los ist. Und ich frage mich, bei welchen Veranstaltungen will ich wirklich dabei sein. Was tut mir und uns als Familie gut? Melanies offene artgerecht Treffen zum Beispiel. Und dann frage ich mich auch, was tut mir denn nicht gut? Und sage dann auch mal, in Absprache mit dem Mann, einen Termin ab.

Und ich übe mich weiter in Gelassenheit und versuche mich nicht von allem stressen zu lassen. Der Zug kommt nicht, dann lese ich eben mein Buch in Ruhe weiter und rufe im Zweifelsfall den Mann an, dass er mich einsammelt. Die Kollegen auf der Arbeit überlegen sich zum hundertsten Mal etwas neues, macht nix, ich mach mir erstmal einen leckeren Milchkaffee.

Und ich nehme mir Zeit, ganz bewusst. Erst letztens habe ich eine Stunde eingeplant, um mit der Tochter in den Baumarkt zu fahren und eine Lichterkette zu kaufen. Die Stunde haben wir fast gebraucht, denn wir sind durch die Weihnachtsabteilung gebummelt, sie mit Einkaufskorb. Wir haben uns die Lichter angeschaut, die Deko und was es noch so alles gab. Nach einem Umweg über die Farbabteilung haben wir uns dann an der längsten Kassenschlange angestellt, einfach weil wir Zeit hatten. Ein total entspannter Einkauf, der ein glückliches Kind hervorgebracht hat, denn sie durfte sich eine Lichterkette für ihr Fenster aussuchen und zur Kasse tragen.

Es wird Zeit für mehr Zeit. Für mehr Gelassenheit und Ruhe. Für ein einfaches und echtes Leben. Artgerechte Haltung auch für uns Erwachsene.

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