Windelfrei in schwierigen Zeiten

Von Zeit zu Zeit mögen auch die glücklichsten Windelfrei-Kinder plötzlich nicht mehr abgehalten werden. Oder der Start mit Windelfrei will einfach nicht gelingen. Klassische Anzeichen sind ein sich windendes Kind, das meckert oder sogar weint.

Die Gründe sind vielfältig, wir können sie aber in 3 Kategorien einteilen.

1. Entwicklungssprünge

Wenn unsere Kinder eine motorische Entwicklung vollziehen, sind sie damit enorm beschäftigt und mögen nicht gestört werden. Drehen, Krabbeln und Laufen zu lernen erfordert für einige Tage oder Wochen ihre volle Aufmerksamkeit. Gleichzeitig ändert sich die Körperwahrnehmung. In diesen Zeiten möchten sie evtl. nur nach dem Aufstehen oder für das große Geschäft abgehalten werden, manchmal möchten sie eine vollständige Pause von Windelfrei.
Durch Entwicklungssprünge kann sich auch eine gewohnte Uhrzeit oder Häufigkeit verschieben.

2. Unwohlsein und Krankheit

Durch Wachstum, Zahnen oder Krankheit haben alle Kinder mal einen schlechten Tag oder sogar einige schlechte Wochen. Manchmal klappt Abhalten bei kranken Kindern besser, oft aber schlechter.

3. Veränderungen der Umgebung

Ein Urlaub, ein Umzug, die Geburt eines Geschwisterchens oder die Eingewöhnung in den Kindergarten ändert für Kinder ihre ganze Welt. In Zeiten des Umbruchs sinkt die Trefferquote meist erheblich, Kinder hören auf zu Signalisieren oder Verweigern das Abgehalten werden.

Diese 3 Aspekte haben eine große Wirkung auf den Alltag von Kindern und die Auswirkungen sind sowohl beim Ess- oder Schlafverhalten aber eben auch bei Windelfrei zu bemerken.

Was hilft uns in dieser Zeit?

Vor allem brauchen wir eines: Geduld, Geduld, Geduld. Ebenfalls hilfreich ist eine entspannte Einstellung. Windelfrei ist ein Angebot an das Kind, kein Mutti-Wettstreit. Ohne das Kind geht es nicht und wenn es gerade Wichtigeres zu tun hat, dann ist das eben so. Manchmal wird es auch weniger Essen, weil das Spielen spannender ist und wir würden auch nicht versuchen eine normierte Essensmenge in unser Kind zu zwingen. Genau so wenig kann man ein Kind zu Windelfrei überreden.

Wenn unser Kind gerade nicht möchte, machen wir eine Windelfrei-Pause. Wenn unser Kind trotzdem nackig sein möchte brauchen wir gute Nerven und einige Wischlappen. Falls man das Sofa und den Teppich nicht ständig reinigen möchte, kann man in dieser Zeit auch einfach wieder wickeln. Von einigen Wochen Pause verlernt das Kind nichts. Wichtig dabei ist, das Abhalten immer wieder entspannt anzubieten, über die Ausscheidung zu sprechen und zu warten, bis die Situation vorüber geht.
Niemals sollten Mamas etwas mitmachen, was sie furchtbar nervt und beim Anblick eines ruinierten Sofas dann einen Schreianfall bekommen.

Wenn das Kind durch seine Entwicklung mehr Selbständigkeit erlangt hat, können wir diese beim Abhalten respektieren und unsere Routine anpassen. Krabbelkinder mögen vielleicht lieber auf dem Töpfchen sitzen als von einer Person abgehalten zu werden. Ein Laufling kann mit einem Hocker evtl. schon die Toilette erklimmen oder sich selbst ausziehen und aufs Töpfchen gehen. Je mobiler die Kinder werden, desto eher suchen sie sich den Ort selbst aus. Manchem Kind hilft ein spannendes Spielzeug oder ein Buch gegen Langeweile. Windelhöschen und bequeme Hosen ohne Knöpfe helfen den Kindern so viel wie möglich schon selbst zu tun.

Wenn wir momentan keine Möglichkeit finden, wie unser Kind gern Abgehalten werden möchte, können wir unsere gute Absicht mitteilen, indem wir etwa sagen „Ich akzeptiere, dass du gerade nicht in dieser Position abgehalten werden möchtest und ich bin bereit jederzeit mit dir einen anderen Ort oder eine andere Position auszuprobieren.“

Die Pause dauert oft einige Tage, wichtig ist, jeden Tag offen anzugehen und zu schauen, was heute möglich ist. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es nicht hilft, sich einem „das war es jetzt mit Windelfrei“-Frust zu versinken. In den meisten Fällen ist eine Pause dann vorbei, wenn wir uns denken „oh man, wie lange geht das denn jetzt noch“ oder unserer besten Freundin erzählen, dass es gerade doch nervt so viel zu wischen oder zu waschen.

Damit eine Pause nicht zu einem andauernden Streik wird ist es wichtig entspannt zu bleiben. Können wir Erwachsenen nocht entspannt sein sollte jemand anderes das Abhalten zeitweise übernehmen oder wir sollten bewusst eine Pause machen.

Denn unser Kind spürt unsere Ungeduld, Frustration oder Anspannung wenn wir Sätze wie diese denken:

– Für wen mache ich das hier eigentlich?

– Das wird nie funktionieren

– Wusste ich doch dass das bei uns nichts wird

– Letzte Woche hat es doch so gut geklappt

Allerdings weiß unser Kind nicht worüber wir uns ärgern und sucht (unterbewusst) die Schuld bei sich. Wenn das Abhalten immer öfter unter Anspannung stattfindet wird das Kind diese Sitaution vermeiden wollen um uns nicht noch mehr Kummer zu bereiten.

Während eine Pause lediglich bedeutet „Ich habe gerade wichtigeres zu tun als mit dir über meine Ausscheidungen zu kommunizieren“ ist ein Streik das vermeiden der Situation, weil das Kind dabei Stress oder Druck empfindet.

Einen Streik zu überwinden kostet viel Energie um sich seinen eigenen Gefühlen zu stellen und zusammen mit dem Kind einen neuen Start zu versuchen.

Ich hoffe ihr könnt so lange wie nötig mit Spaß und Experimentierfreude dabei bleiben, wenn es aber belastend wird ist eine Pause immer sinnvoll.

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