Windelfrei für Spätstarter

Die ersten 4 Lebensmonate eignen sich besonders gut für den Start mit Windelfrei – sofern mal davon weiß und nicht mit sich, der Familie oder der Umstellung des Familienlebens beschäftigt ist.

Was tun, wenn das Kind schon älter ist?

Im Alter zwischen 2 und 3 beschäftigen sich die meisten Eltern erstmals mit dem Trockenwerden und stoßen dann eventuell auf Windelfrei.

Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät um anzufangen.

Mit größeren Kindern mischt man die Vorgehensweisen von Windelfrei und einer achtsamen Variante der Sauberkeitserziehung mach den Möglichkeiten und Bedürfnissen des Kindes.

Zu Beginn spricht man mit dem Kind und erklärt, dass man neue Pläne hat und nun die Benutzung von Töpfchen oder Toilette anbieten möchte. Am besten nimmt man das Kind mit zur Toilette, wenn man selbst geht und erklärt alles. Man kann das Kind ruhig testen lassen, auch mal Papier in die Toilette zu werfen oder die Spülung zu drücken.
Selbst wenn man den Eindruck hat, es wird nicht so richtig verstanden, sollte es ganz entspannt immer wieder Thematisiert werden.

Sucht das Kind schon gern etwas aus, kann man es beim Kauf eines Töpfchens, eines Toilettenaufsatzes oder Sitzverkleinerers einbeziehen.

Die Kommunikation über die Ausscheidung kann man jederzeit beginnen. Beim Wickeln oder wenn das Kind nackig ist erzählt man wertfrei, dass Pipi und/oder Kaka in der Windel (oder auf dem Boden) sind. Die Ausdrucksweise sollte nicht wertend oder negativ sein. Worte wie „Stinker“, „bäh“ oder Ekel führen bei unseren Kindern dazu, dass sie mit ihren „schlimmen“ Ausscheidungen lieber nichts zu tun haben möchten.

Man kann nun mit dem Kind das große Geschäft aus der Windel gemeinsam in der Toilette entsorgen und jedes Mal erklären, dass es dort hingehört und dem Kind anbieten, die Toilette zu benutzen, wenn es möchte. Töpfchen kann man in verschiedenen Räumen aufstellen und spielerisch entdecken lassen. Es ist sinnvoll, das Kind beim Wickeln immer mal wieder auf das Töpfchen zu setzen, auch wenn nichts passiert.

Gleichzeitig zum stressfreien Heranführen an die Toilette oder das Töpfchen beobachtet man sein Kind und versucht ein Gespür für das Timing zu bekommen. Dann kann man versuchen seinem Kind ungefähr zur „richtigen Zeit“ die Toilette oder das Töpfchen anzubieten. Gern darf dabei ein extra-spannendes Buch angeschaut werden, gesungen oder gemalt werden. Alles womit das Kind sich entspannt und einige Momente sitzen bleibt ist erlaubt.

Gute Zeitpunkte zum Pipimachen sind beispielsweise nach dem Schlafen, Vormittags machen Kinder häufiger Pipi als Nachmittags. Für das große Geschäft haben viele Kinder bereits Gewohnheiten, die man berücksichtigen kann.

In warmen Monaten klappt es gut, die Kinder relativ nackig zu lassen und die Beobachtung „du hast gerade Pipi/Kaka gemacht“ direkt zu beschreiben. Das verbindet man mit der Erklärung, dass Pipi oder Kaka ab jetzt in die Toilette oder das Töpfchen gehören und bittet das Kind dies beim nächsten Mal zu versuchen.

Wenn sich erste Erfolge zeigen sollte man dem Kind größtmögliche Selbständigkeit ermöglichen. Das Töpfchen oder die Toilette sollten für das Kind allein erreichbar sein. In einer Übungsphase sind Hosen am besten, die ohne Knöpfe oder Gürtel schnell herunter gezogen werden können – am besten vom Kind allein.

Wir gehen dabei mit den Kindern immer achtsam um, die Sauberkeitserziehung erfolgt nicht über Lob und Strafen, Belohnungen oder andere Manipulationen. Natürlich können wir dem Kind sagen, dass wir uns mit ihm freuen, dass es böse. eingehalten hat, bis es auf der Toilette war. Erfolge dürfen und sollen gewürdigt werden. Jede Form der persönlichen oder emotionalen Auf- oder Abwertung führen nicht zum Erfolg. Allgemeine, auf die Person bezogene Aussagen wie „Ich bin stolz auf dich“ und „Da bin ich aber froh“ übertragen dem Kind die Verantwortung für das Wohlbefinden der Eltern und sind deshalb zu vermeiden. Eine gute Alternative sind Beschreibungen von dem, was gut geklappt hat. „Du hast es geschafft Pipi ins Töpfchen zu machen“ gibt dem Kind eine Bestätigung, was wir von ihm möchten und dass es diesmal gelungen ist. Diese Art unsere Begeisterung auszudrücken klingt zwar erstmal verkopft, ist aber der richtige Weg um dem Kind ein positives Feedback über seine Bemühung zu geben und nicht unsere Freude über das Verhalten des Kindes in den Vordergrund zu stellen.

Laurie Boucke empfiehlt in ihrem Buch „TopfFit!“ die Nutzung von Toilette oder Töpfchen anfangs 2-4 Wochen zu versuchen. Stellt sich beim Kind kein Erfolg ein oder lehnt es das Üben ab, kann man eine Pause von 2-4 Wochen machen und es danach noch einmal versuchen. Entspannte Zeiten wie Ferien bieten sich an, wenn die Eltern viel Aufmerksamkeit für das Kind haben. In Zeiten von Krankheit, Zahnen oder großen Umbrüchen ist es eher schwierig auch noch das Sauberkeitstraining zu beginnen.

Mein Bitte an euch: Bleibt entspannt und offen für das, was euer Kind euch mitteilt. Sauber zu werden ist eine Entwicklung, die man zwar unterstützen aber nicht beschleunigen oder gar erzwingen kann.

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