Selbstbestimmt – Ab wann darf ein Kind entscheiden?

Unsere Babys kommen auf die Welt und sind auf permanente Unterstützung angewiesen um sich in ihren ersten Lebensjahren überhaupt entwickeln zu können. Selbstverständlich müssen in dieser Zeit viele Entscheidungen getroffen werden. Die Eltern lernen diesen kleinen Menschen kennen und geben sich Mühe, gute Entscheidungen zu treffen.

Je älter die Kleinen werden, umso öfter stellt sich die Frage, ob das Kind für gewisse Bereiche schon Verantwortung übernehmen kann.

Diese Frage greift Jesper Juul in seinem Buch „Dein kompetentes Kind“ auf und die Antwort ist so sinnvoll wie überraschend.

Ab dem Moment ihrer Geburt können Kinder alles, was ihren Körper und ihre Gefühle direkt betrifft besser beurteilen als Außenstehende. Um diese Kompetenz zu erhalten und ihr Selbstgefühl zu stärken sollten folgende Aspekte von Anfang an ihrer Kompetenz überlassen werden.

Sinne

Die Beurteilung der Sinneseindrücke stehen dem Kind allein zu. Bei der Wahrnehmung von Kälte oder Wärme, Geruch (angenehm oder unangenehm) und Geschmack (schmeckt etwas gut oder schlecht) sollten wir uns auf unser Kind verlassen. Es kann im Hochsommer frieren und möchte wärmer gekleidet werden oder bei 20 Grad nur einen Body tragen.

Achten wir auf die Signale, sofern das Baby noch sehr klein ist und respektieren Äußerungen größerer Kinder stärken wir ihre Wahrnehmung und Entscheidungskompetenz. Natürlich kann die Mutter zu einem Spaziergang im Schnee die Jacke des Kindes mitnehmen, wenn das Kind nur im Pullover los gehen möchte. Aber diese Körpererfahrung nach einigen Minuten zu frieren sollte dem Kind zugestanden werden. Nur so lernt es die Umwelt einzuschätzen und auf die Signale seines Körpers zu achten.

Ebenfalls sollten Erwachsene nicht versuchen, ein Kind zu überzeugen, etwas zu Essen, das es nicht essen möchte. Die Entscheidung, was in den Mund des Kindes kommt, trägt es ganz allein (medizinische Notwendigkeiten ausgeschlossen). Die Wahrung der Integrität des Kindes ist notwendig für die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls.

Gefühle

Seine Gefühle kann ein Kind nicht beeinflussen und Niemand sollte ihm vermitteln, dass sein Gefühl in einer Situation falsch sei. Wenn das Kind wütend ist, ist dieses Gefühl ebenso legitim wie seine Freude an anderer Stelle. Trauer, Wut und Schmerz kommen vor und sind ebenso „richtig“ wie Liebe oder Freundschaft. Sicherlich ist ein Wutausbruch auf der Straße weniger angenehm für die Begleiter als der Ausdruck purer Freude und ein strahlendes Kind. Geben wir dem Kind allerdings das Gefühl, seine Empfindung von Wut sei unangemessen geschehen zwei Dinge. Unser Kind verliert Selbstwert („ich bin nicht richtig“) und in einer anderen Situation, in der wir die Wut akzeptieren würden, wird sie unterdrückt. Beispielsweise wird das Kind ein zugefügtes Unrecht dulden, weil es gelernt hat, dass sein Gefühl der Wut nicht angebracht ist.

Bedürfnisse

Durch Attachment Parenting das vielleicht bekannteste Thema.

Zu den (Grund)Bedürfnissen zählen Essen, Trinken, Schlaf, Nähe und Distanz.

Die Äußerung eines Bedürfnisses durch das Kind sollte immer ernst genommen und so gut wie möglich gestillt werden. Dazu gehört dem Kind Nähe z.B. durch das Tragen zu geben, nach Bedarf zu stillen aber auch bei kleinen Kindern immer Snacks anzubieten, wenn sie hungrig sind, unabhängig von festen Essenzeiten. Ebenso verhält es sich mit dem Schlafen. Ein müdes Kind ist in der Regel unerträglich, deshalb sollte man aus Eigeninteresse dafür sorgen, dass es Schlaf bekommt, wenn dieser nötig ist.

Zur Unerzogen-Haltung gehört das selbst bestimmte Schlafen. Hierbei wird das Kind in den Schlaf begleitet oder geht selbständig ins Bett, wenn es sich müde fühlt. Zu diesem Aspekt gibt es haufenweise emotionale Diskussionen, falls die Schlafenszeiten mit dem Schlafbedürfnis der anderen Familienmitglieder kollidieren. In diesem Fall muss zwischen den verschiedenen Bedürfnissen vermittelt werden.


melanie

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