unerzogen: Wie wir schlafen

An Anfang war alles leicht. Der kleine Mensch war auf der Welt und hat geschlafen und geschlafen. Sogar so viel, dass wir ihn zum Stillen wecken mussten und regelmäßig enttäuschten Besuch vertrösten mussten.

Mit der Zeit war er dann mehr wach, schlief aber weiterhin recht zuverlässig beim Stillen oder im Tragetuch ein. Bei uns wurde das Einschlafen mit zunehmender Mobilität schwieriger. Wir warteten bis unser Kind müde wirkte (Gähnen, Augen reiben, Jammern) legten uns mit ihm hin und ich stillte ihn. Nicht selten verhalf das Stillen zu neuer Energie und er trainierte weiter Knien, Krabbeln, Stehen und Mama den Finger in die Nase zu stecken.
Das war bei uns die Zeit, in der von allein Seiten die Empfehlung nach Regelmäßigkeit und Konsequenz laut wurde. Nur wie soll man konsequent ein Kind in den Schlaf stillen..? Funktionierte irgendwie nicht…

Wir haben etwas herumprobiert und kamen schnell dazu, dass die Entscheidung, wann er schlafen möchte nur unser Sohn treffen kann.

Wenn wir dachten er sei müde und er drehte im Bett wieder auf, sind wir noch eine Runde spielen gegangen. Die Welt war einfach so aufregend, dass „ein bißchen müde“ oft noch nicht zum schlafen reichte. Eine Stunde Später fielen bei „sehr müde“ dann zuverlässig die Augen zu. Es ist zwar etwas anstrengend ein müdes Kind zu bespaßen und gleichzeitig Verletzungen zu vermeiden aber zu versuchen ihn gegen seinen Wunsch zum Schlafen zu bringen war deutlich nervenaufreibender.

Wie so oft war für uns der Weg, der sich komplizierter und mühsamer anhört der leichtere. Selbstverständlich klingt es für erschöpfte Eltern verlockend ein Kind zu dressieren, dass genau um 11 Uhr und in 14.30 Uhr für exakt 90 Minuten schläft. Der Weg dahin und das, was es mit der Beziehung zu unseren Kind macht ist allerdings ein viel zu großer Preis.

Wie immer in solchen Situationen hilft es mir, auf mich selbst zu schauen. Gehe Ich jeden Abend genau zur gleichen Zeit ins Bett? Nein… Auch ich erledige noch etwas, das mir wichtig ist oder lese ein spannendes Buch zu Ende. Und ich möchte nicht von jemand anderem gesagt bekommen, wann er glaubt, dass ich schlafen müsse.

Bald wird unser Sohn 2 und geht selbstbestimmt und Bett. Das heißt nicht, dass er spielt bis er müde ist, sich dann ins Bett legt und die Augen zu macht.

Zaubern können wir dann doch nicht 🙂

Er hat mit der Zeit eine Art Gebärde für „Müde“ entwickelt und wenn wir fragen, ob er schlafen möchte sagt er entweder nein oder macht sein Zeichen für Schlafen. Wenn er schlafen möchte legen wir uns mit ihm hin, bis er eingeschlafen ist.

Tagsüber schläft er dann einfach in seinen Kleidern.

Abends haben wir den Ablauf so gestaltet, dass wir nach dem Essen ins Bad gehen und schon einen Schlafanzug anziehen. Je nach Müdigkeit spielen wir dann noch, oder gehen ins Bett und schauen Bücher an. Wenn er sagt, dass er müde ist, schläft er schnell ein und bettfertig machen würde dann zu lange dauern.

Selbstbestimmt schlafen klingt ungewohnt und nach Kindern, die um Mitternacht vielleicht mal ins Bett gehen und Eltern, die am Ende sind. Bei uns hängt die Einschlafzeit hauptsächlich davon ab, wie aufregend und anstrengend der Tag war. Wenn wir auch müde sind gehen wir zusammen ins Bett und machen etwas ruhiges, wenn wir alle noch etwas Action brauchen gibt es auch 10 Minuten vor dem einschlafen noch eine Kissenschlacht.

Natürlich haben wir gelegentlich quengelige Nachmittage oder sehr frühe Morgenzeiten. Eventuell ist es für unseren Sohn jetzt eine schwere Aufgabe, zu entscheiden, wann er schlafen möchte. Wir sind uns allerdings sicher, dass es für ihn besser ist zu lernen, wann er schlafen möchte/sollte anstatt dass er lernt, sich Regeln zu fügen, die von außen vorgegeben werden und seine vorhandene Kompetenz nicht berücksichtigen.

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