„Schläft es schon durch?“ – (Un)mögliche Ratschläge für Eltern und was dagegen hilft

Wer kennt sie nicht, die Frage, die immer wieder gestellt wird: „Schläft er/sie schon durch?“ Oder fast noch schlimmer: „Er/Sie schläft doch schon durch, oder?“

Das Thema Schlaf ist für viele Eltern ein rotes Tuch, ein wunder Punkt oder eben genau das Thema, dass sie selbst jeden Abend, jeden Tag und gefühlt ihr ganzes Leben diskutieren. Schlaf ist für alle wichtig, Schlafmangel extrem zehrend und für manche Eltern regelrechte Folter. Immer wieder hört man von Kindern, die so viel besser schlafen. Oder von Kindern, die im gleichen Alter zehn bis zwölf Stunden am Stück schlafen, ruhig und friedlich im eigenen Bett, Kinder die hinterher trozdem glückliche und gut gebundene Kinder sind.

Mögliche Antworten

Oft ist es nicht nur diese Frage, die uns Eltern so stresst, sondern die vielen oft gut gemeinten Ratschläge, die wir dann noch bekommen. Schläft das Kind schlecht und wissen wir selbst nicht, wie wir ihm helfen können, fühlen wir uns durch diese Frage und die darauf folgenden Ratschläge oft angegriffen.

Mir hat es geholfen mich mit dem Schlafverhalten von Babys und Kindern auseinanderzusetzen und auch für mich klar zu werden, dass die Art und Weise zu schlafen für uns genau so richtig ist. So konnte ich für mich Antworten finden, die der fragenden Person oft den Wind aus den Segeln genommen hat, oder die uns beiden die Möglichkeit eröffnet hat ganz neue Diskussionen zu beginnen und auf beiden Seiten für mehr Verständnis zu sorgen.

„Nein, muss er/sie das denn schon können?“

Ich gebe zu diese Antwort ist etwas provokant, regt den Gegenüber aber zum nachdenken an. Und wir spielen den Ball erstmal zurück, müssen uns also nicht gleich dafür rechtfertigen warum das Baby noch nicht durchschläft und ob das nun gut oder schlecht ist und wie oft es aufwacht. Geben wir diese Antwort muss uns aber bewusst sein, dass wir uns in eine Diskussion verstricken, dass wir andere mit unserer direkten Art verletzen können und dass wir Meinungen hören, die wir nicht hören wollen. Trotzdem finde ich es wichtig immer wieder zu betonen, dass Babys eben noch nicht durchschlafen müssen. Oft wissen die fragenden Personen das selbst nicht und sind sogar an den Erklärungen interessiert.

„Nein und das ist auch gut so!“

Diese Antwort (danke an Nicola Schmidt, die diesen Satz in meiner Ausbildung zum artgerecht-Coach sagte) verwende ich gerne, zumindest so lange die Kinder noch relativ klein sind. Ich finde sie toll, denn sie zeigt wie ich zu der Sache stehe und ermöglicht meinem Gegenüber über das Thema zu sprechen oder es eben zu lassen und sich mit mir zu freuen, dass ich es gut finde, dass das Baby nicht duchschläft.
Wenn wir diesen Satz nutzen, müssen wir aber auch damit rechnen, dass das Gegenüber fragt was wir denn gut finden und uns erklären können. Oft reicht es aber zu erklären, dass unser kleines Menschlein viel Nahrung braucht und das Gehirn noch sehr viel lernen muss.

„Nein, das passt aber für uns alle!“

Oft stört es Eltern und Kind auch gar nicht, dass die Kinder nicht durchschlafen. Gerade bei größeren Kindern ist es nur ein Aufwachen in der Nacht. Sie trinken etwas, suchen ihr Kuschltier oder die Nähe von Mama oder Papa. Häufig sind gar nicht alle Beteiligten wach oder wir schlafen so schnell wieder ein, dass wir uns am nächsten Morgen fragen, ob wir überhaupt wach waren oder es nur geträumt haben. Genau diese Situation ist für viele Eltern völlig in Ordnung.

Genauso ist es für viele Eltern in Ordnung, wenn das Baby alle zwei oder drei Stunden aufwacht. Wer im Familienbett eng nebeneinander schläft und bei Bedarf stillen kann, ist Morgens oft trotz einiger Unterbrechungen erholt. Aber auch Eltern, die eine oder zwei Flaschen in der Nacht machen, finden das häufig völlig in Ordnung und machen das sehr gerne.

„Nein und es belastet mich gerade sehr“

Belastet uns die aktuelle Situation finde ich es wichtig dies auch zu sagen und zu erklären, was genau für uns schwierig ist. Ich antworte mittlerweile oft so oder sehr ähnlich, denn der Sohn schläft auch mit seinen knapp elf Monaten kaum länger als zwei Stunden. Häufig sind wir jede halbe Stunde bis Stunde wach. Das ist trotz Familienbett und direktem Körperkontakt anstrengend. Und ja, ich wünsche mir, dass er einfach bald ein wenig mehr schläft.

Diese Antwort kann auch eine Chance sein Hilfe zu bekommen. Nicht in Form von irgendwelchen blöden Ratschlägen, die wir nicht wollen. Aber vielleicht in Form von helfenden Händen. Menschen, die uns das Baby tagsüber mal abnehmen, die uns etwas zu essen kochen oder uns immer wieder zum Kaffee einladen, damit wir wach werden können. Und velleicht treffen wir ja auch so jemanden, der uns gar keine blöden Ratschläge geben will, sondern wirklich etwas sehr hilfreiches weiß.

„Ja!“

Vielleicht haben wir ein Kind, dass tatsächlich durchschläft. Entweder wirklich sehr viele Stunden am Stück oder die sechs Stunden, die es laut Definition braucht. Oder wir haben einfach keine Lust auf eine Diskussion, sind müde oder wollen uns nicht rechtfertigen. Ich finde solche Notlügen für müde oder gestresste Eltern durchaus legitim. Und wir müssen auch nicht mit jedem über den Schlaf unserer Kinder sprechen.

Abgrenzung und eigene Meinung

Gerade bei solch einem sensiblen Thema ist es wichtig, dass wir uns abgrenzen und für uns sicher wissen, was wir hören wollen und was nicht. Und auch über was wir sprechen wollen und was nicht. Es hilft uns nicht vor jedem Familientreffen Angst zu haben, dass wir uns wieder über das Schlafverhalten unserer Kinder rechtfertigen müssen. Es ist wie es ist, es ist für uns alle gut oder eben nicht. Aber es kann nicht mit Gewalt oder guten Ratschlägen geändert werden.

Gan wichtig ist auch, außer wir wählen die letzte Option, dass wir unsere Meinung sagen und uns nicht schlecht machen lassen oder belehren lassen. Das hilft aus solch einem Gespräch gut herauszugehen. Wir sind alle gute Eltern, egal ob unser Kind durchschläft oder eben nicht.

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