Das Ding mit dem Babyschlaf oder Schalfentzug ist Folter

Es ist kurz nach Mitternacht und ich bin endlich richtig fest eingeschlafen, nachdem ich den Sohn seit sieben Uhr immer wieder in den Schlaf gestillt habe. Immer und immer wieder, teilweise ist er nach fünf Minuten Schlaf wieder wach geworden. Doch der Schlaf ist mir nicht vergönnt, kleine Kinderfüße tapsen durch den Flur ins Schlafzimmer und eine weinerliche Kinderstimme teilt mir mit, dass der Papa nicht da war als die Tochter wach wurde (sie schläft aktuell in ihrem eigenen Bett im selben Raum wie der Mann). Ich versuchte noch halb im Tiefschlaf mit möglichst wenigen Geräuschen und ohne die Matratze zu bewegen aus dem Bett zu springen und die Tochter zu schnappen, um sie aus dem Zimmer zu bringen. Bloß kein Geräusch machen, sonst wird der Sohn in seinem leichten Schlaf gestört. Während ich die Tochter zum Mann ins Arbeitszimmer bringe, höre ich ein leises wimmern aus dem Schlafzimmer. Und natürlich will die Tochter, die tagsüber den Mann immer mir vorzieht, in diesem Moment nicht von meiner Seite weichen. Ihr weinen macht den Sohn endgültig wach.

Als die Tochter endlich in den Armen des Mannes angekommen ist lege ich mich zu einem hellwachen Baby ins Bett. Schnell stillen denke ich mir, damit er bald wieder einschläft. Ich bin hundemüde und will einfach nur weiterschlafen. Doch waches Baby bedeutet beim Sohn, die Verdauung setzt ein. Und so zappelt und windet er sich an der Brust, reißt an meinem Oberteil und verkratzt mir gefühlt den ganzen Oberkörper. Ich merke, wie ich die Zähne zusammenbeiße und im stillen immer wieder sage: „Schlaf ein!“ Doch genau das wird nichts, erst fängt er an zu pupsen und dann kommt das, was jetzt so oft nachts immer wieder passiert. Er macht die Windel voll, denn das arme Baby hat aktuell Zahnungsdurchfall.

Und genau jetzt verliere ich die Nerven. Ich bin so müde, habe eine Woche mit großem kranken Kind hinter mir, war fast die ganze Zeit alleine. Ich habe mehrere Tage lang den Sohn im Tuch und die kranke Tochter im Kinderwagen durch den Wald geschoben. Ich habe Windel um Windel gewechselt und unendlich viele Pupse abgehalten. Ich habe versucht alle Bedürfnisse zu unden, nur meine nicht.

Und so passiert es, dass ich den Sohn anmotze, warum das denn nun sein muss. Ich fange an zu weinen und verfluche den Mann, den ich in diesem Moment so sehr beneide. Er darf jeden Morgen ins Büro gehen und sitzt abends ab zehn gemütlich am Computer während ich den ganzen Tag Versuche den Sohn zum schlafen zu bringen. Schlaf ist so ein großes Thema mit ihm. Denn er schläft nicht nur nachts nicht gut, er kommt auch tagsüber kaum zur Ruhe. Hier hilft nur dauerhaftes stillen, oder ein strammer Marsch im Tuch.

Schlafentzug wird in vielen Gefängnissen dieser Welt als Foltermethode eingesetzt. Und genau das ist es, Folter. Es ist unmenschlich, mit so wenig Schlaf auszukommen und gleichzeitig Tag für Tag so viel zu geben. Sich selbst immer wieder hinten anzustellen und sich zu versprechen, dass man am nächsten Tag aber wirklich besser auf sich achten möchte, was man dann natürlich doch nicht macht.

Doch warum ist das so? Warum ist es so verdammt anstrengend ein kleines Baby zu haben? Warum sind wir dann noch nicht ausgestorben?

Zum einen weil die Hormone uns stark beeinflussen. Stillen schüttet Oxytocin aus, das Glückshormon. Und so ist man nach einer durchwachten Nacht mit viel stillen vielleicht müde, aber oft auch ganz verliebt ins Baby. Denn auch das kennt seine Tricks und lächelt uns an.

Und dann müssen wir auch immer im Kopf behalten, dass sowohl unser Schlafverhalten, als auch unsere Art zu leben nicht gerade artgerecht sind. Ich habe bereits hier über die Notwendigkeit des Dorfes geschrieben und warum wir als Kleinfamilie nicht funktionieren können. Das brauchen wir nach durchwachten Nächten noch viel mehr.

Ein Teil meines Dorfes ist zur Zeit auch sehr schlaflos, denn sie haben Babys im gleichen Alter. Es tut gut zu wissen, dass es ihnen genauso geht. Manchmal ist geteiltes leid eben doch wirklich halbes Leid.

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