Windelfrei – mit Spaß dabei

Während Stillen und Tragen in bedürfnisorientierten Familien einen hohen Stellenwert genießt gilt Windelfrei – zu Unrecht – als Thema für Profis, vielleicht für das 2. oder 3. Kind.

Spricht man mit unerfahrenen Menschen bekommt man schnell einen Vogel gezeigt, wenn das Wort „Windelfrei“ nur ausgesprochen wird und viele Eltern schreckt allein die Bezeichnung ab. Schließlich mag niemand ein vollgepinkeltes Sofa und überhaupt hat man mit einem Kind ja schon genug zu tun.

Tatsächlich sind Essen, Trinken und Schlafen die wichtigsten Bedürfnisse eines Kindes, danach kommt Nähe und Geborgenheit, getragen zu werden, trocken und sauber zu sein. Wir füttern unsere Kinder und schuckeln sie in den Schlaf und getragen werden sie oft. Ist Windelfrei eine weitere Aufgabe auf der viel zu langen To-Do-Liste von Eltern? Ja und Nein. Im Gegensatz zu einem Kind, das verhungert, wenn es nichts zu essen bekommt geht es einem Kind, das alle seine Ausscheidungen in die Windel macht ziemlich gut. Aber die schmutzige Windel muss man dann doch irgendwann wechseln. Wäre es da nicht schöner, wenn zumindest das Kaka gleich im Klo landet statt irgendwo zwischen Nacken und Popofalte zu kleben?

Wie kann Windelfrei auch für gestresste, überforderte und unausgeschlafene Eltern ein Gewinn sein?

Die erste Vereinfachung von Windelfrei heißt: Das Kind kann und darf Windeln tragen. Windelfrei gilt als Schlagwort, die korrektere Bezeichnung für das, was wir ganz easy für unser Kind tun können, wäre Ausscheidungskommunikation – aber das klingt leider auch nicht besser…

Also, was ist zu tun?

Alle Säugetiere möchten sich und ihre „Wohlfühlbereiche“ nicht mit Kot und Urin beschmutzen. Wer Haustiere hat weiß, dass Tiere sich eine bestimmte Ecke für ihr Geschäft aussuchen, Katzen können lernen eine Katzentoilette zu nutzen auch wenn sie noch ganz jung sind.

Auch unsere Menschenkinder haben von Geburt an das Bedürfnis, sich selbst, ihren Schlafplatz und Personen, die sie Tragen nicht zu beschmutzen. Dass Babys z.B. fast immer lospinkeln, wenn man die Windel aufmacht ist kein Zufall sondern ihr Instinkt, dass sie loslassen können ohne ihre Kleidung zu bepinkeln.

Mit Windelfrei bzw. Ausscheidungskommunikation unterstützen wir das Bedürfnis des Kindes. Dabei geht es in keinem Fall darum, unserem Kind beizubringen, dass es für sein Geschäft das Töpfchen nutzt und sogar darauf wartet, dafür sind Babys noch zu klein.

Was wir machen können ist unserem Kind  eine Schüssel, ein Töpfchen oder die Toilette genau dann anzubieten, wenn es muss. Das kann man zunächst regelmäßig und „auf Verdacht“ tun, beispielsweise beim Wicklen, nach dem Schlafen oder nach dem Stillen. Mit der Zeit kann man außderdem durch Beobachten versuchen zu verstehen, wann das Kind mal muss.

Die Signale zu sehen und zu deuten stellen sich viele Eltern sehr schwierig vor. Es benötigt sicher eine gewisse Übung für die Eltern, andererseits gibt es auch Kinder die viel deutlicher Signalisieren als andere. Aber auch wenn wir nie irgendein Signal erkennen, können wir das Bedürfnis unseres Kindes erfüllen. Und da es Windeln trägt ist es auch kein Drama, wenn man mal ein Pipikaka nicht mitbekommt oder eben grade nicht abhalten kann.

Windelfrei sollte von den Eltern nicht als Hochleistungssport mit Dauerverfügbarkeit angesehen werden. Damit das Kind merkt, dass man ihm hilft, reicht es, 2 Mal am Tag abzuhalten. Wenn man also „nur“ nach dem Nacht- und Mittagsschlaf ein Pipi abhält macht man schon Windelfrei. Gar nicht so kompliziert, oder?

Und was genau ist „abhalten“?

Im Prinzip geht es nur darum, eine möglichst ergonomische Haltung für Eltern und Kind zu finden, in der möglichst wenig dreckig wird.

Für ganz kleine Babys in den ersten 2 Monaten reicht es auf dem Wickeltisch unter die geöffnete Windel ein Mulltuch zu legen und zu schauen, ob sie mal müssen. Weder Mama noch Kind sollten in dieser Zeit zu viel turnen.

Kann das Kind sein Köpchen besser halten, gibt es die angelehnte Hockposition. Dabei wird das Kind an den Oberschenkeln gehalten und mit seinem Rücken gegen den Bauch der Eltern gelehnt. Das klappt am besten über einer Schüssel oder dem Waschbecken. Möchte man das Kind über der Toilette abhalten ist es anfangs am leichtesten, sich selbst mit dem Gesicht zur Wand zu setzen und das Kind angelehnt zu halten.

Im Krabbelalter finden viele Kinder gefallen am Töpfchen und wenn sie frei sitzen können, kann man auch einen Toilettenaufsatz nutzen.

In nächster Zeit möchte ich noch weitere Beträge zum Thema Windelfrei schreiben, wer jetzt schon neugierig geworden ist, dem empfehle ich gern die Windelfrei-Seite von Nicola zum weiter lesen.

 

 

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