Stillen und Arbeiten – geht das zusammen?

Schon vor der Geburt der Tochter habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich sie möglichst schnell, aber nicht entgegen meiner Überzeugung, an andere Nahrung als die Brust gewöhnen kann. Ich wusste, wenn Lebensmonat acht rum ist, muss ich wieder auf der Arbeit sein und bin 12 Stunden am Tag für sie nicht erreichbar. Das hat mir unglaublichen Stress bereitet, meine Hebamme versuchte mir Druck zu nehmen und bot mir an gemeinsam zu überlegen, wie ich abgepumpte Muttermilch transportieren könnte.

Noch bis Ende des Jahres steht einer Frau nach dem Mutterschutzgesetzt eine Stillpause zu, die sie zum Abpumpen nutzen kann oder in deren Zeit sie sich das Kind zum Stillen vorbeibringen lassen kann. Eine genaue Zeit ist dabei nicht vorgesehen, das Gesetz sieht eine Mindestdauer von 60 Minuten vor, es heißt dort der Mutter steht „die zum Stillen notwendige Zeit, mindestens jedoch zweimal 30 Minuten“ zu. Dabei muss der Arbeitgeber für einen angemessenen Raum sorgen, das WC ist kein geeigneter Ort, was ein Glück.

Doch die Politik und die Babynahrungsindustie gehen Hand in Hand und so bringt das Mutterschutzgesetz, welches zum 01.01.2018 in Kraft tritt keine Verbesserung für die stillende Mutter mit sich, denn ab dann gilt die Stillpause nur noch für Frauen, die ein Kind haben, welches das erste Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Denn die Frau von heute stillt ja schließlich maximal sechs Monate, danach gibt es wunderbare Ersatznahrung. Die braucht das moderne Kind von heute aber nicht, denn das wird ja ab dem vierten Monat mit Frühkarotte gefüttert. Langzeitstillen ist ja sowieso nur was für die Öko-Hippie-Mutti und die bleibt ja eh mit dem Kind daheim.

Ganz so sieht die Realität aber nicht aus, denn immer mehr Frauen gehen nach dem ersten Jahr Elternzeit wieder arbeiten. Viele in Teilzeit, einige wenige sogar in Vollzeit. Und manche sogar schon bevor das Kind das erste Lebensjahr vollendet hat. Doch wie ist es möglich, gerade auch mit der neuen Gesetzgebung, das Stillen und das Arbeiten in Einklang zu bringen. Ist das überhaupt möglich?

Klare Antwort: Jein.

Für mich kam es nicht in Frage auf der Arbeit zu pumpen. Ich habe das daheim ein paar Mal sehr erfolglos probiert und dann wieder sein lassen. Dazu kam, dass die Tochter die Liebe zum Essen von ihren Eltern geerbt hat und schnell alles essbare in sich reinschob und Mengen verdrückte, die einen vierjährigen erblassen liesen. Immerhin hatte ich hier eine Sorge weniger. Doch wie ist das für Mütter, die keinen so guten Esser daheim haben oder einfach ein Kind, dass eben nicht wie die Tochter mit fünf Monaten sehr deutliche Beikostreifezeichen zeigt?

Und wie steht es um die Gesundheit der Mutter? Ich habe meinen Körper lange auf die mindestens zwölf Stunden Stillpause vorbereitet und das sehr langsam. Auch hier kam mir wieder zu gute, dass die Tochter gegessen hat und gar nicht mehr unbedingt stillen mochte. Ein abruptes Abstillen tagsüber wäre für mich nicht möglich gewesen, denn dann wäre der nächste Milchstau oder schlimmer sogar die nächste Brustentzündung vorprogrammiert gewesen. Und genau dieses Problem haben sicherlich einige Mütter.

Dazu kommt das alte Problem, als Arbeitnehmer sein Recht durchsetzen. Ich habe sehr offene und tollerante Vorgesetzte, die es mir auch bei einem fast zweijährigen Kind erlauben immer zeitig zu gehen, damit ich am Abend das Kind stillen kann. Doch nicht jeder hat so ein Glück und nicht selten lese ich von Müttern, die um ihr Recht kämpfen und sich dumme Sprüche und Witze von Kollegen anhören müssen oder gar dazu verpflichtet werden, die vergeudetet Zeit nachzuarbeiten oder als Minusstunden aufzuschreiben. Dass das nicht rechtens ist interessiert Vorgesetzte oft nicht.

Stillen und Arbeiten kann möglich sein, es braucht dabei aber viel. Es braucht ein Umfeld, dass die Mutter unterstützt und ihr den Mut gibt genau das durchzuziehen. Es braucht auch daheim Unterstützung, die das Stillen tolleriert und fördert. Nichts ist schlimmer für eine Mutter als nach einem langen Arbeitstag heim zu kommen und zu hören, dass das Kind soeben die Flasche bekommen hat und die Brust nicht mehr braucht.

Stillen und Arbeiten sollte möglich sein. Ich hoffe, dass das Mutterschutzgesetzt sehr schnell wieder geändert wird und die Politik sieht, dass wir mehr Offenheit und Toleranz benötigen.

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