Warum schreit mein Baby – Mögliche Gründe

Um diesen Artikel und alle, die ich hierin verlinken werde, zu schreiben, habe ich mich in einer ganz wundervollen, bedürfnisorientierten Schreibaby-Gruppe auf Facebook schlau gemacht, welche Gründe es dort bei den Kindern gegeben hat oder gerade aktuell gibt. Bei der ersten Formulierung meines Posts dort war es mir wichtig, niemanden vor den Kopf zu stoßen und prompt habe ich mich ganz doof ausgedrückt. Denn anstatt zu schreiben, dass häufig kein für uns erkennbarer Grund für das Schreien gefunden wird, habe ich geschrieben, dass es keine Gründe gibt. Das ist natürlich nicht richtig, denn kein Baby schreit oder weint ohne Grund. Es gibt immer einen Grund, wir sind nur leider sehr häufig nicht in der Lage dies zu erkennen.

Dieser Artikel soll einen Überblick geben, was mögliche Gründe sein können. Einige der Themen werde ich noch aufgreifen und genauer beleuchten, es lohnt sich also auch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal diesen Artikel aufzurufen. Die Liste der möglichen Ursachen hier wird mit Sicherheit nicht vollständig sein, ich bin also für jeden weiteren Hinweis dankbar.

Als Eltern mit Schreibaby möchte man natürlich sehr gerne herausfinden, was nun genau der Auslöser für das Schreien ist. Ich habe damals wie eine Irre gegoogelt und habe mir immer wieder gesagt, dass es doch einen Grund gibt und wir ihn nur irgendwie finden müssen. Doch leider gelingt das nicht immer, es gibt so viele Gründe, die sich alle ganz unterschiedlich äußern. Folgendes kann, muss aber nicht, eine Ursache sein:

 

Belastung und Stress in der Schwangerschaft

Stress in der Schwangerschaft kann auch für das Ungeborene belastend sein, denn der Körper der Mutter schüttet Stresshormone aus, die direkt auf das Baby übertragen werden. Dies kann sich auf die kindliche Entwicklung auswirken und zeigt sich nach der Geburt in ganz unterschiedlichen Formen. Eine kann das starke und andauernde schreien des Säuglings sein.

 

Geburtstrauma

Eine Geburt sollte für Mutter und Kind ein wundervolles Erlebnis sein, viel zu oft ist es aber für beide ein sehr traumatisches Erlebnis. Einige Kinder kommen viel zu schnell auf die Welt, sie bekommen nicht die Zeit, die sie brauchen, um sich auf diesen Schritt vorzubereiten. Bei wieder anderen dauert es sehr lange, im schlimmsten Fall steckt das Kind über Stunden im Geburtskanal fest. Oft führen solche Ereignisse schließlich zu einem Not-Kaiserschnitt oder einer Geburt mit Hilfsmitteln wie der Saugglocke oder der Zange. Hierbei tragen viele Kinder nicht nur körperliche, sondern auch seelische Verletzungen davon. Benötigt das Kind direkt im Anschluss an die Geburt medizinische Hilfe und wird über Stunden oder Tage von der Mutter getrennt, kann auch dies ein Trauma hervorrufen. Aber auch der Stress der Mutter unter der Geburt und die damit verbundenen körperlichen Reaktionen, können für das Kind sehr belastend sein.

 

Physiologische Frühgeburten

Hierzu schreibt Nicola Schmidt im artgerecht-Babybuch:

Aufrechter Gang, Becken kleiner, Köpfe größer – blöd gelaufen! […] Die Lösung des Problems: Wir bekamen unsere Babys immer früher. Dann sind sie zwar nicht „fertig“, aber sie passen noch durch! Und so kommt es, dass unsere Menschenbabys physiologisch gesehen echte Frühgeburten sind, auch wenn sie die ganzen vierzig Wochen im Bauch waren. Unsere kleinen Frühgeburten müssten eigentlich noch einige Monate darin heranreifen – die Schätzungen schwanken zwischen drei und neun Monaten, die sie zu früh kommen.

Da ist es also kein Wunder, dass einige der Babys Heimweh nach der Gebärmutter, also der ihnen vertrauten und geborgenen Umgebung haben und genau dies in die Welt hinausschreien.

 

Krankheiten, Allergien und Unverträglichkeiten

Leider kommt es auch heute noch vor, dass eine Krankheit lange Zeit nicht entdeckt wird oder die Ärzte eine falsche Diagnose stellen. Hat das Kind auf Grund dieser unentdeckten Krankheit Schmerzen, ist es verständlich, dass es dies laut kundtut. Aber auch Allergien oder Unverträglichkeiten bleiben womöglich lange unentdeckt. Hier lohnt es sich, beim Kinderarzt nachzufragen, wenn der Verdacht besteht. Viele Mütter berichten auch, dass sie es durch ausprobieren herausgefunden haben und spezielle Nahrungsmittel weggelassen haben.

 

Blähungen und Koliken

Blähungen und Koliken sind der Klassiker als Ursache für das Schreien. Gerne wird aus reinem Verdacht darauf erstmal dahingehend gehandelt. Bei einigen Kindern sind es tatsächlich Blähungen und Koliken, die ihnen zu schaffen machen. Oft schlucken die Kleinen beim saugen an der Brust oder Flasche sehr viel Luft, die später auch wieder raus muss. Hier kann eine gute Stillberaterin helfen und Tipps zum anlegen an der Brust oder dem saugen an der Flasche geben. Auch braucht das Verdauungssystem des Babys seine Zeit, um voll auszureifen und so ist es schnell mal überfordert.

 

Blockaden/KISS (Kopfgelenk Induzierte Symmetriestörung)

Blockaden, gerade in der Wirbelsäule, können starke Schmerzen auslösen. Diese können aus einer Fehlhaltung im Mutterleib oder Einwirkungen während der Geburt resultieren. Es gibt sicherlich viele andere Gründe. Häufig wird bei Schreibabys das KISS-Syndrom diagnostiziert. Hier kann Osteopathie oder der Besuch eine Orthopäden, welcher nach Gutmann behandelt, helfen.

 

Regulationsstörung und Überreizung

Ist ein Säugling müde, wendet er sich vom Geschehen ab und schläft ein. Leider gelingt dies Kindern mit Regulationsstörungen nicht, sie können nicht loslassen und schaffen es nicht alleine zur Ruhe zu kommen. Das kann so weit gehen, dass sie sich selbst immer wieder reizen, nicht in den Schlaf finden und so übermüdet und überreizt sind. Ein Teufelskreis entsteht. Wichtig hier ist es Strategien zu entwickeln, die dem Kind helfen, zur Ruhe zu kommen.

Weitere Informationen zu Regulationsstörung findest du hier.

 

Unterforderung und Langeweile

Es gibt ganze Bücher, die sich mit den Entwicklungsschüben der Babys beschäftigen und beschreiben, dass Kinder in dieser Zeit mehr schreien und unzufriedener sein können. Bei manchen Schreibabys haben die Eltern das Gefühl, dass das Kind in einem Dauerschub ist. Es scheint unterfordert und langweilt sich, viel Action und Stimmulation von außen sorgen bei diesen Kindern oft dafür, dass sie abgelenkt sind und nicht weinen, aber auch nicht zur Ruhe kommen. Oft wird es mit dem exzessiven Schreien erst besser, wenn die Kinder eine gewisse Selbstständigkeit erlangen.

 

Autonome Kinder

Juul schreibt in seinem Buch Nein aus Liebe über die autonomen Kinder. Autonome Kinder grenzen sich laut Juul schon direkt nach der Geburt mehr ab, als es andere Kinder tun. Sie sind nicht besonders empfänglich für Fürsorge und Liebe und sind häufig motorisch ihren Altersgenossen voraus. Doch in den ersten Monaten sind auch sie auf unsere Hilfe angewiesen und können nicht so selbstständig sein, wie sie es gerne wollen.

Weitere Informationen zu autonomen Kindern findest du hier.

 

Hochsensibilität

Hochsensible Menschen nehmen Sinneseindrücke viel stärker wahr, als es der normale Mensch tut. Sie reagieren auf Reize empfindlich, dies kann gerade für Babys sehr belastend sein und sie wissen sich nicht anders zu helfen, als die Überforderung herauszuschreien. Oft haben hochsensible Menschen auch ein empfindlicheres Schmerzempfinden und reagieren auf Gefühle und Empfindungen anderer Menschen sehr deutlich.

 

High-Need

Die Definition eines High-Need-Babys stammt von Dr. William Sears, der auch die Attachement Parenting Bewegung gründete bzw. diesen Begriff prägte. Um ein High-Need-Baby zu erkennen, stellte er 12 Kriterien auf, unter anderem sind diese Babys sehr fordernd, wachen häufig auf, wollen häufiger gefüttert werden und wirken unzufrieden. Meist sind diese Kinder auch sehr sensibel, high-need und Hochsensibilität können nah beieinander liegen.

 

Vererbung

Unklar ist, ob das schreien sozusagen in der Familie liegen kann. Immer wieder berichten aber betroffene Eltern, dass sie selbst oder ein oder mehrere nahe Verwandte selbst Schreibabys waren. Klare Aussagen oder Theorien finden sich zu diesem Thema aber nicht.

 

Autismus Spektrums Störungen

Eine Autismus Spektrums Störung lässt sich häufig erst im Vorschulalter diagnostizieren. Einige ehemalige Schreibaby-Eltern berichten, dass ihr Kind mittlerweile eine solche Diagnose hat. Einige dieser Kinder haben Schwierigkeiten mit der Nähe zu anderen Menschen oder mit Menchenmassen. Wieder andere brauchen feste Strukturen und klare Regeln. Da sie als Säuglinge nicht in der Lage sind dies klar zu äußern, machen sie ihrerm Unmut durch schreien Luft.

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