Regulationsstörung

Viele Eltern von Schreibabys kennen den Begriff Regulationsstörung, denn er fällt, nach meine Gefühl sehr schnell, wenn der Kinderarzt keine andere Ursache für das exzessive Schreien findet. Doch was genau ist eine Regulationsstörung und was können betroffene Eltern tun?

 

Was ist eine Regulationsstörung?

Babys mit einer Regulationsstörung sind sehr häufig Schreibabys, denn durch die fehlende Regulation sind sie oft überreizt. Ihnen gelingt es nicht oder nur sehr schwer sich mit Hilfe der Bezugsperson, in der Regel Mutter und/oder Vater zu regulieren und zu beruhigen. Exzessives Schreien ist eine Folge, aber auch Gedeihstörungen und Übermüdung.

Babys sind nicht in der Lage sich selbst zu regulieren, sie benötigen hierfür einen Partner, dem sie voll vertrauen können. Deswegen wird oft eine Regulationsstörung mit einer gestörten Bindung des Babys zur Bezugsperson in Verbindung gebracht und diagnostiziert.

 

Exzessives Schreien, Schlafprobleme und Essstörungen

Betroffene Babys sind häufig sehr reizoffen, sie reagieren auf die kleinsten Reize und sind schnell überreizt. Die Folge hier ist leider oft exzessives schreien, denn anders kann sich das kleine Wesen nicht ausdrücken. Oft machen gerade Ablenkungs- und Beruhigungsversuche das schlimme Schreien des Babys noch schlimmer, auch wenn es kurzzeitig besser wird, denn die Kinder sind kurz abgelenkt, meist aber nach dem Beruhigungsversuch noch überreizter.

Häufig kommt es bei Babys mit Regulationsstörungen auch zu Schlafproblemen. Sie schaffen es auch nicht mit Hilfe der Bezugsperson zur Ruhe zu kommen und in den Schlaf zu finden. Schlafen sie dann endlich, ist der Schlaf meist recht kurz, häufiges aufwachen und erneute Einschlafprobleme sind die Folge. Dies führt nicht nur beim Baby sondern auch bei den Eltern zu Übermüdung.

Einige Babys mit Regulationsstörung entwickeln Essstörungen, sie sind unruhig beim stillen, oder schreien direkt danach. Dies verunsichert die Mütter sehr schnell, sie glauben häufig, nicht genug oder nicht nahrhafte Milch zu geben und fangen an zuzufüttern.

 

Was hilft?

Viele Eltern mit Kindern mit Regulationsstörungen sind verunsichert. Da lassen sich alle Babys im Bekanntenkreis durch einfaches schaukeln auf dem Arm, stillen oder tragen in der Tragehilfe beruhigen und in den Schlaf wiegen, nur das eigene Kind schreit weiter wie verrückt. Schnell bekommen die Eltern das Gefühl falsch zu sein, versagt zu haben. Diese negativen Gefühle übertragen sich auf das Kind, unsere Babys haben unglaublich feine Antennen, mit denen sie diese negativen Gefühle der Eltern aufnehmen und dadurch weiter verunsichert werden können.

Wird eine Regulationsstörung durch einen Kinderarzt diagnostiziert, ist es angeraten sich professionelle Hilfe bei einer Schreiambulanz oder ähnlichen Stelle zu suchen. Der Kinderarzt kann in vielen Fällen eine entsprechende Stelle vermitteln. Dort wird die Interaktion zwischen den Eltern und dem Kind analysiert und beobachtet. Meist reichen wenige Termine, um diese Analyse durchzuführen und den Eltern Sicherheit im Umgang mit ihrem Kind zu geben. Vielleicht mag am Anfang etwas in der Bindung schief gelaufen sein, das heißt aber nicht, dass die Mutter oder der Vater falsch sind oder etwas falsch machen.

Um dem Kind Sicherheit zu geben hilft es einen strukturierten Tagesablauf zu planen und einzuhalten. Dies heißt aber nicht, dass nun die Bedürfnisse des Kindes nicht mehr beachtet werden und nur noch nach genauen Uhrzeiten agiert wird. Denn die Bedürfnisse des Babys stehen immer an erster Stelle, jedoch kann ein strukturierter Tag dem Baby Sicherheit geben, ebenso den Eltern.

Ganz wichtig für Eltern eines Babys mit Regulationsstörung ist die Hilfe von außen. Durch die schnelle Überreizung des Kindes geraten betroffene Eltern oft in eine ungewollte Isolation, verlieren Freunde und lernen keine anderen Mütter kennen. Deswegen ist es besonders wichtig die Hilfe von außen anzunehmen und auch darum zu bitten. Das zeugt nicht von Schwäche, sondern von Stärke.

 

Der Begriff

Und auch hier geht es mir wieder wie beim Begriff „Schreibaby“. Das Wort „Regulationsstörung“ enthält das Wort „Störung“, welches für mich suggeriert, dass das Kind gestört ist, kaputt ist, nicht so funktioniert wie es sollte. Aber so ist es nicht, das Kind ist genau richtig, wie es ist. Dieses Kind benötigt einfach nur etwas mehr Unterstützung durch die Eltern, es braucht einen starken und verlässlichen Partner. Es ist hilflos, aber nicht gestört.

 

Und was hat uns geholfen?

Auch bei der Tochter wurde eine Regulationsstörung diagnostiziert, das aber erst sehr spät, denn wir haben viel zu lange gewartet uns Hilfe zu holen. Glücklicherweise haben wir sehr tolle Hilfe von einer Dame bekommen, die auf Schreibabys spezialisiert war und vom Landkreis finanziert wird. Sie hat mit mir gesprochen, mir Hilfe angeboten und mir Sicherheit gegeben. Anschließend kam sie zu uns zu Besuch und filmte uns in Alltagssituationen, beim wickeln, stillen, füttern und spielen. Anschließend analysierte sie diese kurzen Sequenzen und stellte mir ihre Erkenntnisse vor. Sie bestärkte mich darin alles richtig zu machen und genau so weiter zu gehen. Das hat zwar keine Verbesserung der Situation gebracht, mir aber geholfen mich sicherer zu fühlen und nicht dauerhaft das Gefühl zu haben alles verkehrt zu machen.

Und die Zeit hat geholfen, denn so konnten wir die Tochter kennenlernen und herausfinden, was ihr hilft. Ein geregelter Tagesablauf zum Beispiel hat ihr gar nicht geholfen, zumindest war für uns kein Unterschied erkennbar. Dafür hat es geholfen ihr aktiv beim Regulieren zu helfen. Gerade das einschlafen fiel ihr sehr schwer und ist auch heute oft noch ein Thema. Uns hat schlussendlich ein Puktuch und später ein fester Griff geholfen. Was sich im ersten Moment brutal anhört, war für die Tochter eine große Hilfe.

Auch heute noch merkt man manches Mal, dass es ihr doch schwer fällt alleine zur Ruhe zu kommen oder sich zu regulieren. Einschlafen klappt mal besser und mal schlechter und manchmal nur, indem ich sie singend in der Trage durch den Garten trage. Ganz stark merken wir es noch beim Essen, dass macht sie gerne und isst sehr gut. Doch leider kann sie gerade bei Knabbersachen und Süßem kein Ende finden. Es muss aufgegessen werden, unabhängig vom Hunger. Geht bei ihr nichts mehr rein, fängt sie an uns zu füttern. Wir haben schon so manches Mal Essen versteckt, was sich echt fies anfühlt, aber sein muss, bevor sie sich übergibt.

Es sind alles Kleinigkeiten mit denen wir heute gut leben können. Und wir lieben unser Kind so wie es ist, denn so ist sie für uns perfekt.

 

 

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