Unerzogen: Wie wir Essen

Meine Motivation dafür, wie wir mit dem Essen begonnen haben kam nicht aus der mir bis dato unbekannten unerzogen-Haltung, wohl aber aus meiner Herzens-Haltung.

Ich möchte für meinem Sohn größtmögliche Souveränität bei der Nahrungsaufnahme. Die Grundlage dafür lautet für mich „Er weiß am Besten, was er braucht“.

Die ersten Monate haben wir voll und nach Bedarf gestillt. Während stundenlanger Clusterfeeding-Sessions war ich mir nicht sicher, wie man das als Mama durchstehen soll aber an meinem Grundsatz habe ich festgehalten. Vertrauend in mich, dass mein Kopf und mein Körper das schaffen und vertrauend in mein Kind, das immer kommuniziert hat, was es brauchte.

Als es mit dem Stillen dann alles geklappt und der kleine Mensch seine ersten Monate erlebt hatte, winkte der Babyclub mit Gutscheinen für Brei ab dem 4. Lebensmonat. Ich hatte schon in der Schwangerschaft von BLW (baby led weaning) gehört und wollte das gern ausprobieren.

Dazu wartet man nicht 3 Monate sondern eher 6-8 Monate, bis das Kind die Beikostreifezeichen erfüllt und bietet ihm dann geeignete Nahrung an, die es selbst essen kann.

Unser Sohn wollte mit 5 Monaten mitmischen und so bekam er die ersten Stücke Gurke, Karotte, Brot, Zucchini, Birne, Apfel, Banane und Hirsekringel in die Hand gedrückt.

Viel hat er nicht gegessen aber er hatte Spaß beim Essen mitmachen zu dürfen. Er hat allein gegessen, wir haben nur aufgefangen und aufgewischt.

Die Familie bekam die Krise. Verschluckungsgefahr, Erstickungsgefahr, Verhungerungsgefahr, weil das Kind doch nicht nur Milch trinken kann, usw.

Irgendwann war ich verunsichert genug und habe 5 Gläser Babybrei mit dem Gutschein gekauft. Der Sohn fand es eklig, ich auch und auch die kleine Tochter von Clara wollte das Zeug nicht essen.

Mit 10 Monaten hat unser Sohn geeignetes Essen von uns am Tisch mitgegessen (wenig Salz, nicht scharf, keine rohen Fleischprodukte). Meist hat er probiert und weiterhin zu 80% gestillt.

Manchmal haben wir etwas „versagt“. Im Urlaub hat er mit 8 Monaten Eis gegessen (1 Jahr zuckerfrei…naja…fast), es gab auch mal eine Pommes, auch wenn da Salz dran war und Weizenbrot hat er tatsächlich schon mit 5 Monaten gelutscht…

Um den ersten Geburtstag herum hat er dann begonnen etwas größere Mengen zu Essen, sofern es ihm geschmeckt hat. Hauptsächlich Obst, Gemüse, Joghurt, Frischkäse. Zum Entsetzen der Kinderärztin keinen Krümel Fleisch.

Jetzt ist er 1 1/2, isst was ihm schmeckt, stillt wenn es ihm nicht schmeckt oder die Lust auf Milch eben größer ist. Wenn er Zähne bekommt isst er kaum etwas, wenn er krank ist sowieso nicht. Er snackt viel „zwischendurch“, hat ein normales Gewicht, ist gesund und munter.

Wir essen Hauptmahlzeiten zusammen am Tisch, er bekommt Essen auf seinen Teller, seit einigen Monaten fordert er das gleiche Geschirr und Besteck wie wir. Bis heute ist kein Teller kaputt gegangen und er hat sich kein Auge ausgestochen. Er darf probieren, essen, matschen, ausspucken, auf den Tisch schmieren, wie er möchte. Es ist sein Essen. Aktuell haben wir eine Phase in der Essen im Trinkbecher versenkt wird. Dann testet er, ob er es aus dem Becher trinken kann. Vor dieser Phase hat er versucht sein Essen schneller abzukühlen indem er sein Getränk auf den Teller gekippt hat. Klingt wahnsinnig dramatisch, ist es aber nicht, zumindest nicht für uns.

Wir können in Ruhe essen, unser Sohn isst so viel er möchte und danach wischen wir einmal auf.

Ich weiß nie, wieviel Milliliter Milch er getrunken hat oder wieviel Gramm er gegessen hat und es ist auch nicht wichtig. So passt das für uns.


melanie

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