Warum weint mein Baby?

In unserer Vorstellung vor dem ersten Kind weint oder schreit das Baby so gut wie gar nicht. Gerade dann, wenn wir in unserem Umfeld kaum Bekannte mit Babys haben oder eben nur die Momente erleben in denen das Baby ruhig und entspannt ist, haben wir vielleicht auch nur dieses Bild. Ist das Baby dann da und weint viel, stellen wir uns schnell die Frage nach dem Warum. Warum weint mein Baby so viel? Wie kann ich es beruhigen?

Warum weinen Babys – Von Bedürfnissen und allem anderen

Babys haben nur ein sehr eingeschränktes Repertoire um sich uns Erwachsenen verständlich zu machen. Der Mensch kommuniziert über die Sprache, viele von uns haben verlernt auf Körpersignale unseres Gegenüber zu achten oder seine Körpersprache zu lesen. So bleibt einem kleinen Wesen, dass nicht sprechen kann, nur sehr wenig, um sich mitzuteilen.

Babys kündigen viele ihrer Bedürfnisse sehr leise an, weinen ist immer erst das letzte Mittel. Sie schmatzen wenn sie hunger haben oder bewegen den Kopf suchend hin und her. Sind sie müde, reiben sie ihre Augen, gähnen oder wenden sich ab. Viele windelfrei-Eltern berichten, dass ihre Babys sehr deutliche Körpersignale geben bevor sie sich erleichtern. Reagieren wir nicht sofort auf diese Zeichen, entweder weil wir sie nicht erkennen oder falsch deuten, oder weil wir das Bedürfnis nicht sofort erfüllen können (eine Flasche muss erst vorbereitet werden, die richtige Schlafumgebung erst aufgesucht werden oder ähnliches), fangen Babys an zu weinen. Viele erst sehr leise und dann immer lauter. Einige wenige fangen direkt an zu schreien. Doch sie haben alle eins gemeinsam. Erkennen wir ihr Bedürfnis und helfen ihnen es zu befriedigen, hören sie auf zu weinen und werden wieder ruhige und glückliche Babys.

Doch dann gibt es die Situationen in denen unser Baby weint oder schreit und wir alles probiert haben, was uns einfällt. Das Baby ist satt, der Temperatur entsprechend angezogen, es hat eine frische Windel oder wurde gerade abgehalten, es ist bei Mama oder Papa oder einer anderen vertrauten Person. Und trotzdem weint oder schreit es unstillbar. Hier die Ursache zu finden ist nicht immer leicht. Mal kann es eine körperliche Ursache sein, Zähne drücken, der Bauch zwickt oder es hat sich über die Zeit ein Haltungsschaden oder ähnliches entwickelt. Doch oft können wir die Gründe nicht erkennen.

Gerade Eltern von Schreibabys geht es so. Sie erfüllen alle Bedürfnisse ihres Babys. Sie geben sich komplett auf, schlafen nicht mehr, duschen nicht mehr, essen kaum und sitzen mit schreiendem Baby auf dem Schoß auf der Toilette. Warum ein Baby schreit, obwohl all seine Grundbedürfnisse befriedigt sind, kann vielfältige Gründe haben. Hier habe ich versucht diese aufzulisten, wobei diese Aufzählung mit Sicherheit nicht vollständig ist.

Die drei Formen des Babyweinens nach Thomas Harms

Thomas Harms kategoriesert das Weinen unserer Babys in drei Bereiche (siehe Thomas Harms, Keine Angst vor Babytränen, S. 39 ff). Das erste ist das uns bekannte Bedürfnisweinen, welches oben bereits beschrieben ist. Als zweites benennt er das Erinnerungsweinen, durch welches das Baby Stress und Schmerz aus der Vergangenheit zum Ausdruck bringt. Dies kann zum Beispiel durch eine traumatische Geburt ausgelöst werden, wenn sich das Körpergedächtnis des Kindes an die Situation erinnert. Es sind kleine Dinge, die diese Erinnerungen hervorrufen können, ein Geräusch, die Stimme einer bestimmten Person oder eine Lageveränderung.

Als drittes bennent Thomas Harms das Resonanzweinen. Hierbei weinen Babys, da sie die Gefühle und Stimmungen ihres Gegenüber spiegeln und zum Ausdruck bringen. Babys sind sehr feinfühlig und nehmen auch Gefühle und Spannungen wahr, die wir versuchen zu verdecken.

Diese drei Kategorien können sicherlich bei der Ursachenforschung helfen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob es nicht noch eine vierte Kategorie geben muss. Denn wie im verlinkten Artikel beschrieben können die Gründe für das Schreien eines Babys sehr vielfältig sein. Ein Trauma kann eine Ursache sein, doch starkes Autonomiebestreben, Gefühlsstärke oder Hochsensibilität lassen sich aus meiner Sicht schwer in die oben genannten Typen einordnen.

Weinen löst die Spannung

Viele von uns kennen es sicher selbst, wenn wir angespannt sind oder uns etwas bedrückt hilft es zu weinen und somit auf eine gewisse Weise loszulassen. Genau das tun unsere Babys auch und es ist so wichtig ihnen dies zu ermöglichen. Wir Eltern müssen uns vor Augen halten, dass nicht jedes Weinen oder Schreien negativ ist und dass wir gute Eltern sind auch wenn unser Baby weint oder schreit.

Gerade bei Babys, die eine traumatische Geburt erlebt haben, von denen wir vermuten, dass sie in der Schwangerschaft traumatisiert wurden oder die auf Grund angespannter Verhältnisse in ihrem direkten Umfeld weinen ist es besonders wichtig das weinen zuzulassen und zu begleiten. Es ist gut und richtig, dass unser Baby weint, denn es kann uns nicht sagen, was es bedrückt. Aber es kann sich Luft machen.

Versuchen wir das weinen unseres Babys immer wieder zu unterdrücken lernt es auf lange Sicht nur, dass es seine Gefühle unterdrücken muss. Es wird immer wieder auf die von uns gewählten Regulationshilfen (Schnuller, stillen, tragen oder ähnliches) zurückgreifen. Im schlimmsten Fall schaukeln wir uns hoch und gelangen in einen Teufelskreis.

Jeder Grund ist richtig

Es gibt vielfältige Gründe und Ursachen. Gemein haben sie alle, dass sie völlig richtig und in Ordnung sind. Sie gehören zu unserem Baby dazu und es tut unserem Baby in vielen Fällen gut, wenn es seinen Kummer so zum Ausdruck bringen kann.

Lassen wir unsere Babys also dann weinen, wenn sie es brauchen. Doch lassen wir sie niemals alleine. Halten wir sie und geben ihnen das Gefühl das alles gut so ist, wie es ist.

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