1 Jahr ohne Shampoo – was ist passiert?

Ende 2017 habe ich angefangen ganz bewusst meine täglichen Abläufe zu betrachten und zu überlegen, wie ich Müll und damit Umweltbelastungen vermeiden kann.

Heute berichte ich, was aus meinen guten Vorsätzen geworden ist.

Zuerst die guten Nachrichten: In unserem Bad stehen viel weniger Flaschen und ich stinke trotzdem nicht.

Bis auf Zahnpasta habe ich alle Produkte in Plastikflaschen und Tuben ersetzt. Zum duschen verwende ich ein Seifenstück, diese Umstellung fand ich sehr leicht.

Das Thema Haare waschen hat mich länger beschäftigt und tut es noch. In meiner Umgebung bin ich wohl nicht durch besonders ungepflegtes Haar aufgefallen aber für mich war es ein Prozess, der sich bis heute ändert und in dem ich nicht immer glücklich war.

Anfangs habe ich alle 3 Tage mit Roggenmehl-Wasser-Pampe meine Haare gewaschen. Der übliche Rhythmus mit einem anderen Produkt. 100% zufrieden war ich damit nicht. Grundsätzlich bekommt man mit Roggenmehl die Haare sauber aber es war deutlich umständlicher als vorher, vor dem Duschen musste ich die Pampe anrühren, die Haare wollten viel gebürstet werden, dann hatte ich fettige Haarbürsten statt fettiger Haare… Ein mittelguter Tausch. Wenn ich das Mehl nicht ordentlich ausgewaschen hatte (mindestens 5 Minuten) hatte ich das Mehl auf dem Kopf, ausbürsten hat nicht geklappt.

Anfangs wollte ich es nicht recht glauben aber selbst bei „Bio Roggen Vollkornmehl“ gibt es in Fragen der Auswaschbarkeit große Unterschiede. Online wird vielmals das Mehl von Alnatura empfohlen und auch ich habe damit bisher die besseren Erfahrungen gemacht.

Das Bürsten wurde zu einem großen Thema. Umsteigern aus der Shampoopflege wird empfohlen das Haar 1-2 Mal täglich gut durchzubürsten um das pflegende Sebum (man könnte auch Fett sagen) in Richtung Haarspitzen zu verteilen. Empfohlen werden dafür Haarbürsten mit Naturborsten. Ich habe dichtes und dickes Haar – mit den Naturborsten habe ich nur außen auf dem Haar herum gebürstet und hatte schnell am Hinterkopf fettklebende Haare in der „Unterwolle“. Mit Zopf war das optisch ok aber zufrieden war ich nicht. Aus Faulheit versuchte ich zuerst die Haare weniger oft zu waschen. Die komplett shampoofreie Wäsche wird oft damit angepriesen, dass man weniger oft Haare waschen muss. Es ist aber wohl eher so, dass man warten sollte, bis der Kopf weniger Fett produziert und dann die Haare seltener zu waschen als durch seltenere Wäsche die Kopfhaut zu überzeugen… In dieser Zeit entstand der Kompromiss einmal in der Woche eine große Prozedur mit Roggenmehl zu machen und zwischendrin so oft ich wollte mit Wasser zu waschen. Ich probierte 5 verschiedene Haarbürsten aus und wurde nicht 100% glücklich. Leider bekommt man die fettigen Bürsten mit Wasser allein nicht sauber – dann wäscht man die Bürste statt der Haare mit Seife…

Meine Kopfhaut hat lange gebraucht, um sich das übermäßige Nachfetten abzugewöhnen, eher 5 Monate statt der häufig angegebenen 6 Wochen. Ich habe gelernt dass für meine Haare weniger häufiges und intensives Bürsten besser funktioniert.

Heute wasche ich hauptsächlich mit Wasser, wenn ich das Gefühl habe, die Haare kleben und werden nicht sauber versuche ich eine Spülung mit Essigwasser oder wasche mit Roggenmehl, so alle 4-6 Wochen.

Im Moment würde ich sagen, ich bin einigermaßen zufrieden, die perfekte Bürste und Technik dazu habe ich noch nicht gefunden, mein neu gewachsenes Haar sieht gut aus, das alte (oft gefärbte) war nicht zu retten, weder mit Chemie noch mit Roggenmehl.

Meine Haare sind wirklich nicht mehr strähnig fettig, ich wasche sie jetzt wenn sie staubig oder angeschwitzt sind. Das Haargefühl ist aber ein anderes als mit shampoonierten Haaren, das luftige, fliegende (weil fettfreie) Haar gibt es bei mir nicht mehr. Die Haarbürsten muss ich weiterhin mindestens wöchentlich waschen. Die größte Herausforderung für diese Haarpflege ist der Urlaub. In Ferienunterkünften kommt häufig sehr viel weniger Wasser aus dem Hahn und erschwert die Haarpflege für mich enorm. Da half bisher nur der Zopf und ein bis zwei ausgiebige Wäschen, wenn ich wieder zu Hause war.

Es wäre gelogen zu sagen, dass ich nicht hin und wieder sehnsüchtig an die „Shampoo drauf, riecht gut, sieht normal aus“-Zeiten gedacht habe. Die Umstellung erfordert mehr Durchhaltevermögen als ich angenommen hatte aber heute bin ich zu 90% zufrieden und lerne noch. Für den Zweck der Abfallreduzierung ist es mir den Aufwand wert.

Die guten Aspekte sollen aber nicht unter den Tisch fallen. Meine Haare wachsen definitiv schneller als vorher und ich habe keine Hautprobleme (Schuppen, Jucken) mehr auf dem Kopf. Dadurch, dass die Haare nicht ungewaschen-fettig aussehen, kommt es auf einen Tag früher oder später Haare waschen nicht an. Haarwäsche nur mit Wasser geht schneller als mit Shampoo und Spülung und wenn das schreiende Kind mit Nasenbluten vor der Dusche steht kann man sofort raus springen und muss nicht noch erst Shampoo ausspülen.

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