Buch-Mittwoch: Christine Sieber, Dr. Carsten Queißer – Wieder im Gleichgewicht

Frühkindliche Reflexe sind ein Thema, welche durch das Buch „Wieder im Gleichgewicht“ von Christine Sieber und Dr. Carsten Queißer in die Aufmerksamkeit gerückt wurde. Und das ist auch gut so, denn es ist ein sehr wichtiges Thema, über das wir in den nächsten Jahren sprechen sollten. Es ist ein Thema, das Eltern und Kindern helfen kann das Verhalten der Kinder zu verstehen und Auswege auf Situationen zu finden, die für alle schwierig sind. Denn oft sind Kinder eben nicht tollpatschig oder haben ein Aufmerksamkeitsdefizit, sondern ihre frühkindlichen Reflexe wurden nicht korrekt integriert und greifen immer noch.

Was sind frühkindliche Reflexe und welche Aufgabe haben sie?

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit den frühkindlichen Reflexen. Es wird erklärt welche Reflexe dies sind, wann sie entstehen, wofür sie gut sind und auch, wann sie wieder verschwinden bzw. durch welchen Reflex sie abgelöst werden. Frühkindliche Reflexe spielen vor allem in der Schwangerschaft und während der Geburt eine große Rolle. Sie sorgen dafür, dass das Kind aktiv am Geburtsprozess beteiligt ist und schützen es in den ersten Lebenswochen. Außerdem helfen sie dem Baby in den aufrechten Stand, sorgen also in verschiedenen Phasen dafür, dass das Kind sich drehen kann, den Kopf in Bauchlage halten kann, auf alle Viere kommt und schließlich aufrecht stehen und gehen kann.

Doch nicht nur für die Motorik werden die frühkindlichen Reflexe benötigt, sie sorgen auch dafür, dass sich der Mensch bzw. das Baby gut an die Gegebenheiten anpassen kann. Hier spielt vor allem der Furchtlähmungsreflex und der Moro-Reflex eine große Rolle, denn sie sorgen dafür, dass Menschen im späteren Leben angemessen auf Bedrohungen reagieren können.

Welche Auswirkungen haben nicht integrierte Reflexe?

Wenn frühkindliche Reflexe nicht oder nicht vollständig integriert sind, kann das, je nach frühkindlichem Reflex, ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben. Genau hierzu gibt es ein komplettes Kapitel, welches die einzelnen Reflexe beschreibt und sich dann mit den Auswirkungen befasst. Dieses Kapitel ist zentral und hilft schon erste Erkenntnisse zu bekommen. Besonders gut haben mir hier auch die vielen Grafiken gefallen, die auf einen Blick alle relevanten Informationen enthalten.

Ein sehr großer Teil des Buches beschäftigt sich mit den Auswirkungen nicht integrierter frühkindlicher Reflexe. Hierbei wird alles am Beispiel zweier Kinder erklärt, die auf Grund der nicht integrierten Reflexe Probleme in der Schule oder in ihrem Umfeld haben. Ich finde dieses Kapitel bringt, trotz das ich noch keine Kinder in der Schule habe, sehr viele Erkenntnisse und auch noch einmal viele Informationen. Auch hier wird wieder auf jeden einzelnen Reflex eingegangen, so dass man genau sehen kann, welche Auswirkungen er haben kann. Oftmals ist das jedoch in der Praxis nicht so leicht zu erkennen wie es in der Theorie beschrieben ist. Doch diese Beispiele geben gute Hinweise und helfen sicherlich einigen Eltern zu erkennen, ob ihre Kinder oder gar sie selbst betroffen sind.

Welche Lösungen gibt es

Das Buch beschreibt keine Lösung und auch keine Übungen und das ist auch gut so. Es ist ein sehr sensibles und individuelles Thema, das in einer direkten 1:1 Therapie behandelt werden muss. Trotzdem gibt es, wieder an Hand der Beispielkinder, Beispiele wie das Leben nach der nachträglichen Integration der Reflexe für die Kinder verläuft. Es zeigt sehr gut auf, dass hier mit wenigen Mitteln wirklich große Dinge bewegt werden können.

Mein Fazit

Mir hat das Buch sehr viele neue Gedankenanstöße gegeben und vor allem einen guten Überblick über das Thema. Es ist gut gegliedert und enthält viele gute Beispiele, die Eltern helfen Probleme bei ihren Kindern zu erkennen oder diese zuzuordnen. Hierbei helfen auch die vielen Grafiken und Tabellen.

Meiner Meinung nach muss diesem Thema in Zukunft mehr Beachtung geschenkt werden, kann es doch so einigen Kindern sehr viel Leid ersparen. Denn wie furchtbar ist es, wenn man immer als Tollpatsch oder Klassenclown bezeichnet wird, ohne dass man seine Handlungen steuern kann. Es ist ein Thema, das vielleicht auch besonders, Eltern mit ehemaligen Schreibabys oder High Need Kindern beschäftigen sollte. Denn auch hier können ggf. nicht integrierte Reflexe oder sehr starke Reflexe mit eine Ursache sein.

Wir danken dem Kösel Verlag für das Rezensionsexemplar.

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