Beziehung statt Erziehung – Bitte und Danke

Ich habe in der letzten Woche mindestens einmal den Satz „Was sagt man da?“ und „Hast du auch bitte/danke gesagt?“ gehört. Immer ausgesprochen gegenüber einem Kind. Oft werden diese Sätze sogar Kindern an den Kopf geworfen, die kaum sprechen können. Sie entdecken gerade die Sprache und erfahren, dass sie sich schon mit wenigen Worten häufig besser verständlich machen können, als mit Zeichen und Lauten und sind dann doch nicht gut genug.

Bringt es also etwas den Kindern diese Worte anzutrainieren? Macht es Sinn sie immer und immer wieder zu erinnern und ihnen dabei das Gefühl zu geben, dass sie verkehrt sind?

Vorleben

Oft beginnen Eltern mit dem Spracherwerb ihrer Kinder ihnen die Worte „Bitte“ und „Danke“ in den Mund zu legen. Oder sogar, das finde ich fast noch eine Steigerung, „Ich möchte bitte…“. Häufig erlebe ich aber, dass Eltern selbst wenig „Bitte“ und „Danke“ sagen und schonmal gar nicht „Ich möchte bitte…“. Sie verlangen von ihren Kindern etwas, dass sie selbst kaum oder gar nicht tun und bringen sie auch noch in eine unangenehme Situation.

Genau das haben wir uns vor Augen gehalten, als die Tochter begann zu sprechen. Wann sagen wir „Bitte“ und „Danke“? Wann ist es uns wichtig? Wo wäre es schön, wenn wir selbst darauf achten? Diese Fragen haben geholfen ein klares Bild zu finden. Und so einen Weg, den wir ihr und nun auch dem Sohn vorleben können.

In letzter Zeit habe ich oft die Rückmeldung bekommen, dass die Tochter so gut erzogen ist, da sie häufig ein „Bitte“ verwendet, wenn sie um Hilfe bittet. Oder sich bedankt, wenn sie etwas bekommt, wenn ihr jemand hilft oder ihr etwas nettes sagt. Mich freut es, dass das anderen Menschen positiv auffällt, denn mir selbst ist es wichtig mit „Bitte“ und „Danke“ angesprochen zu werden und so weiß ich, dass es mir gelungen ist auch dies an meine Kinder weiter zu geben.

Werte erklären

Doch manchmal reicht es nicht vorzuleben. Manchmal ist es aus meiner Sicht wichtig, dem Kind eine Hilfestellung zu geben. Ich muss es nicht zwingen sich zu bedanken oder „Bitte“ zu sagen. Aber ich kann andere Dinge tun und sagen.

Bekommen die Kinder etwas mitgebracht, habe ich mir angewöhnt zu sagen: „Das ist aber nett von Oma/Opa/Tante/…, dass sie dir etwas mitgebracht haben.“ Denn das ist es in der Tat, selbst wenn ich oder das Kind oder wir beide die mitgebrachte Sache doof finden. Denn derjenige, der etwas mitbringt und schenkt, hat an uns gedacht und sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Mühe bei der Auswahl gegeben. Mir ist es wichtig, dass meine Kinder lernen zu differenzieren. Dass sie nicht aus Höflichkeit zu allem „Danke“ sagen müssen, aber dass sie erfahren, dass es den Schenkenden erfreut, wenn wir wahrnehmen welche Mühe er sich gegeben hat.

Genauso ist es beim „Bitte“. Das vergisst die Tochter oft noch und das ist völlig in Ordnung. Mittlerweile erklären wir ihr dann in manchen Situationen, dass es vollkommen in Ordnung ist, wie sie nach etwas gefragt hat, dass es uns oder andere aber erfreut, wenn wir „Bitte“ sagen. Wir zwingen sie nicht das zu tun, sie erfährt aber, dass sie anderen damit ein besseres Gefühl geben kann und das Miteinander ein ganz anderes sein kann.

Ohne Zwang und Ermahnungen

Es geht also durchaus ohne Zwang und Ermahnungen, so zeigt es zumindest meine Erfahrung. Wir haben ein Kind, dass von anderen Menschen als höflich wahrgenommen wird. Wir haben ein Kind, dass sich in keiner Situation gezwungen fühlt etwas zu sagen, was es nicht sagen möchte. Und wir geraten nicht in unangenehme Situationen. Das entspannt.

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