Konflikte unter Kleinkindern begleiten

Sobald unsere Kinder mobil werden treten sie in direkten Kontakt zu anderen Kindern. Dabei kommt es immer wieder zu kleineren Konflikten. Meistens sind es Streitigkeiten darüber wer ein Spielzeug zuerst benutzen darf, wer zuerst Zuwendung bekommt oder ob Lieblingsdinge geteilt werden müssen .

Solche Auseinandersetzungen sind für Kinder wichtig, in diesem Moment bedeutet dieser Konflikt alles und für ihre Entwicklung brauchen sie Auseinandersetzungen, durch die sie Lösungen lernen können.

Nicht selten wird ein Stock mit unglaublicher Vehemenz verteidigt und Eltern fragen sich, wie sie mit einer solchen Situation umgehen sollen. Dabei ist die Ratlosigkeit gleich groß, egal ob das Kind „meins, meins, meins“ schreit und sich nicht mehr beruhigt oder ob es sich alle Spielsachen ohne Gegenwehr abnehmen lässt.

Zuerst einmal sind wir Erwachsenen durch unser Vorleben ein tägliches Vorbild für die Kinder.

Hat der Nachwuchs eine Nagelschere gefunden und wir stürzen schreiend auf das Kind zu, reißen das interessante Objekt weg und lassen es schnell verschwinden, können Kinder dieses Verhalten übernehmen. Möchten sie etwas haben, laufen sie hin, schnappen es weg und suchen das Weite.

Aber geht es auch anders? Natürlich ist Sicherheit wichtig und wenn das Kind kurz davor ist, seinem Geschwisterchen die Finger abzuschneiden ist einfach nur schnelles Handeln gefragt. Solange ein gefährlicher Gegenstand aber nur ruhig betrachtet wird können wir uns die Zeit nehmen, zum Kind hingehen, über den Gegenstand sprechen, gemeinsam betrachten und dann etwas zum Tauschen finden. Das wäre beispielsweise ein Verhalten, dass das Kind gern übernehmen kann.

Wie soll man aber reagieren, wenn ein Spielpartner nun die Sandschaufel schwingt und sie einem anderen Kind auf den Kopf schlägt?

Konflikte die verbal bleiben oder körperlich ausgetragen werden, ohne dass ein Kind verletzt wird, kann man beobachten und nur einschreiten, wenn man um Hilfe gebeten wird oder wenn Verletzungsgefahr droht.

Hängen zwei Kinder schreiend an einem Stock kann man sie ausprobieren lassen, wie weit sie mit dieser Problemlösung kommen. Wird ein Kind mit dem Stock geschlagen, heißt es natürlich das andere Kind zu schützen.

Die wichtigste Regel für Eltern, die in Konflikte eingreifen heißt „Nicht urteilen!“. Die Rolle von Erwachsenen um Konflikte zu begleiten besteht in der Funktion eines Vermittlers. Wir erklären jedem Kind, was gerade passiert ist, helfen Verständnis zu wecken für die Gefühle und formulieren die Wünsche des anderen. So unterstützen wir die Kinder – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – selbst eine Lösung zu finden.

Eltern sollten nicht als Richter auftreten, Verhalten bewerten und einen Urteilsspruch („Lösung“) verkünden.

Wir haben ein erwachsenes Werteverständnis, für uns scheint es ungerecht, wenn ein Kind alle Spielsachen von anderen Kindern abgenommen bekommt und wir haben Mitleid, wollen es beschützen und fordern in seinem Namen Spielsachen zurück.

Möglicherweise hatte dieses Kind aber gerade kein Interesse an diesen Dingen und wollte sich lieber mit etwas anderem beschäftigen.

Gleichzeitig nehmen wir ihm so die Möglichkeit, eigene Strategien zu entwickeln, seine Spielsachen zu verteidigen oder wieder zu bekommen, wenn ihm das wichtig ist. Das Kind lernt im schlechtesten Fall, dass da immer jemand ist, der seine Konflikte regelt.

Möchten wir den Kindern also helfen, tun wir dies am besten, in dem wir das, was sie noch lernen müssen unterstützen.

Wir formulieren das, wofür sie noch keine Worte haben, beschreiben, erklären, entschuldingen, besänftigen so lange, bis die Wut verraucht ist und die Kinder miteinander klären können, wie es weiter geht.

Wir können sagen:

Paul, du hast Angst, dass Merle dir dein Auto wegnimmt. Schau, Merle gefällt dein blaues Auto. Sie möchte es einmal anschauen.

Merle, dir gefällt das Auto sehr gut. Paul hat Angst, dass du es ihm wegnimmst und nicht wieder gibst.

Was können wir tun?

Je nach Alter und Kompetenz der Kinder kann man Vorschläge machen oder die Kinder selbst versuchen lassen, eine Lösung zu finden.

Bei kleinen Kindern, die von der Erklärung noch nicht profitieren hat sich bei uns das Tauschen als gute Möglichkeit heraus gestellt, Konflikte zu lösen. Wenn also ein Besuchskind unbedingt die gelben Kugeln haben möchte, kann man dem anderen Kind eine (oder am besten gleich 3 rote Kugeln holen oder ein anderes Lieblingsspielzeug). Man kann beim Gast-Kind auch fragen, welches Spielzeug es abgeben möchte, wenn eines gerade nicht hergegeben werden kann.

Man sollte Kinder nicht zum Teilen zwingen – das klassische Beispiel – würdest du dein Handy/Auto/Computer/CD-Sammlung/Pferd/Haus jemandem überlassen, den du nicht so gern magst oder kaum kennst? Eher nicht… Wenn man möchte, dass Kinder auf ihre Habseligkeiten später einmal gut aufpassen, tut man gut daran, das Aufpassen nicht im Kleinkindalter abzuerziehen.

Wenn es nicht nur zu einem Konflikt kommt sondern spielende Kinder ständig Streiten oder gar nicht erst ins Spiel finden gibt es zwei Dinge, die man tun kann.

Einen Ortswechsel vornehmen. Oft hilft es mit den Kindern raus zu gehen, falls das möglich ist. Sonst kann man vom Boden an den Tisch wechseln, vom ruhigen Spielen zu etwas mehr Action oder umgekehrt.

Und nicht zuletzt dafür sorgen, dass alle etwas gegessen und getrunken haben. Nicht selten hat das bei uns erhitzte Gemüter beruhigt.

 

 

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