Der Tag an dem das Spielzeug verschwand

Die meisten Eltern werden es kennen: Konsumgesellschaft, Spielzeuggeschenke, überfüllte Kinderzimmer, manchmal kann man keinen Fuß vor den anderen setzen, ohne auf etwas zu treten – und das, obwohl man vor 2 Tagen alles aufgeräumt hat.

Unsere Kinder haben wahrscheinlich mehr Besitz – darunter eine Menge Spielzeug – als alle Kinder der letzten 1000 Jahre vor ihnen. Glücklicherweise haben wir statistisch gesehen auch mehr Wohnraum pro Person zur Verfügung als die Menschen vor 1000 Jahren. Allerdings beschleicht mich mit zunehmendem Alter der Kinder das Gefühl, dass dieses Verhältnis nicht linear ist.

Ich war lange recht zufrieden mit unserer Lösung der Spielzeugflut. Das Lego ist im Kinderzimmer und es darf dort gebaut werden soviel und solange der Sohn will. Gelegentlich müssen wir saugen und bis zum Kleiderschrank muss ich irgendwie durch kommen, sonst kann er in seinem Zimmer mit dem Lego machen, was er will.

Da das Kinderzimmer recht klein ist, haben wir im Wohnzimmer die Spiele, Puzzle und anderes Spielzeug. Das schrottige Plastikzeug habe ich immer mal wieder aussortiert und so fand ich die Sachen alle im Grunde schön und gut spielbar. Es gab Bauklötze, Autos, Tierfiguren, eine Werkbank, Bücher, Malzeug, CDs, eine Holzeisenbahn.

Lange hat der große Sohn immer nur mit einer „Kategorie“ Spielzeug gespielt und wir konnten gut aufräumen, bevor das nächste ausgepackt wurde. Mit 2,5 Jahren fing er an Spielsachen zu mischen aber es blieb in einem aufräumbaren Rahmen. Seit diesem Frühjahr aber gab es immer mehr Durcheinander, das Aufräumen wurde zu einem zeitintensiven Punkt auf unserer To Do Liste und zwischenzeitlich flog so viel Spielzeug in allen Räumen herum, dass es mehr nach einer Explosion aussah als nach einem Spielnachmittag.

Die Kitaferien haben mich an meine Belastungsgrenze gebracht. Der Sohn war weniger ausgelastet und den ganzen Tag zu Hause, also weniger Zeit in Ruhe aufzuräumen, dafür umso mehr Zeit Chaos anzurichten.

Am letzten Ferientag hat er mich morgens wirklich sauer gemacht. Er war gut gelaunt, wollte spielen und fing an, eine Kiste Spielsachen nach der nächsten auszukippen. Und je mehr ich fragte, was er damit spielen wolle, ermahnte, dass wir das auch alles wieder Aufräumen müssen und am Ende echt sauer war, weil es mich stört und ärgert, wenn so viel Spielzeug rumfliegt, desto hysterischer kippte er lachend und kreischend eine Kiste nach der nächsten aus und wühlte es alles durcheinander. Ich hatte wirklich Mühe nicht zu schreien.

Dafür beschloss ich, dass das Spielzeug jetzt weg kommt. Schon Wochen davor habe ich überlegt, wie ich die Menge an Spielsachen begrenzen kann, ohne etwas endgültig weg zu tun und ohne dass mein Sohn das Gefühl hat, ich nehme ihm etwas weg.

Clara hat mich dann auf die Idee des Spielzeugkarussells gebracht. Sie rotiert schon länger das Spielzeug ihrer Kinder, hat damit gute Erfahrungen und wir alle kennen die Geschichten unserer Eltern und Großeltern, dass es früher die Eisenbahn nur über Weihnachten zum Bespielen gab oder der Kaufladen immer nur in den Osterferien zum Spielen da war.

Also packte ich Themenkisten. Bauklötze, Autos, Tiere, usw und erklärte meinem Sohn, er könne immer 2 Kisten haben, die anderen kommen in den Keller. Wenn er diese haben will, räumen wir eine andere auf und tauschen. Einige Dinge bleiben verfügbar. Das heiß geliebte Lego und Bücher rangieren außerhalb der Tauschbörse. Malsachen, Knete, Puzzle und Spiele stehen jetzt oben auf dem Schrank und er kann ohne zu Tauschen immer eines davon haben und das wegräumen bevor wir das nächste holen.

Er hat das ganz schnell verstanden und zugestimmt. Ok, ich war auch in einem Modus, den selbst Jesper Juul als klar und entschlossen anerkannt hätte.

Zur besseren Übersicht habe ich noch Fotos von jeder Kiste gemacht und diese einlaminiert, so kommen wir schnell überein, was oben ist, was im Keller ist und welches Spielzeug getauscht werden soll.

Dieser Artikel wäre nur mäßig interessant, wenn das Ergebnis nicht so verblüffend wäre.

Der Sohn spielt wieder ganz entspannt und konzentriert, wir haben keinen Stress mehr mit Spielzeug, das herum geworfen wird.

Die Kinder spielen viel häufiger zusammen.

Mein Lieblingsaspekt: Das Wohnzimmer aufzuräumen dauert nur noch 10 Minuten. Egal wer wie lange und womit in diesem Zimmer gespielt hat.

Selbst mit Besuch klappt es super, es ist also immer noch mehr als genug Spielzeug da.

Die Kinder spielen wieder viel mehr mit Alltagsgegenständen, das führt zu dem vielleicht einzig negativen Punkt. Ich muss ständig Küchenutensilien im Haus zusammen sammeln, weil die Kinder damit gespielt haben.

Im Wohnzimmer ist es momentan in den Regalen sehr übersichtlich aber sogar darin spielen die Kinder nun.

Für uns insgesamt eine sehr positive Entwicklung, die ich gern zum Nachmachen empfehlen möchte.

Meine Sorge, dass ich nun 10 Mal am Tag in den Keller renne und Spielzeug schleppe hat sich nicht bestätigt. Getauscht hat er bisher nach 4, 5, 6 Tagen.

Meine Kinder haben viele Freiheiten aber an dem Punkt des Überflusses war es für uns eine gute Entscheidung, die Auswahl und Verfügbarkeit zu begrenzen.

Ich bin sehr an euren Erfahrungen über den Umgang mit Spielzeug interessiert und freue mich über Kommentare zu diesem Beitrag.

2 Gedanken zu “Der Tag an dem das Spielzeug verschwand

  1. Danke für den tollen Beitrag. Bei uns steht gerade ein Umzug an und auch ich verzweifle gerade an der Flut von Spielzeugen und habe es vor gleich zu halten und einiges gleich verpackt zu lassen, was er nicht gerade bespielt. Ich bin gespannt, wie und ob es angenommen wird.

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