Alltagsmomente #1

Wer mit Kindern unterwegs ist erlebt so einiges. Wild gewordene Tanten, die fremde Kinder knuddeln, genervtes Personal in einem Restaurant oder Geschäft und zu jedem Mucks des Kindchens einen Kommentar von fremden Menschen, was Mutti besser machen könnte.

Vielleicht bin ich manchmal zu müde oder zu negativ eingestellt aber wenn ich mit den Kindern unterwegs bin komme ich meist gestresster nach Hause als ich los gegangen bin. Aber es gibt Ausnahmen, es gibt tolle, nette Menschen, die es schaffen, nicht nur einen Tag zu retten sondern die Sicht auf die Welt verändern.

Für mich gab es diese wunderbare Begegnung und ich habe erlebt, wie etwas, das eigentlich jeder tun kann, so viel verändern kann.

Mitten im Sommer war ich mit beiden Kindern auf unserem Wochenmarkt unterwegs. Wir sind gleich nach der Kita los, der 3jährige geht gern auf dem Markt einkaufen, sucht sich Obst und Gemüse aus und übt Auswählen, Einkaufen, und Bezahlen.

Nach einer Weile wurde das Baby im Wagen ungeduldig, müde, quengelig. Ich dirigierte den großen Sohn in Richtung unseres Fahrrades um den Heimweg anzutreten. Es war warm, er war geschafft. Mit vorgetäuschter Ruhe verfrachtete ich beide Kinder in den Wagen, das Baby weint, ich bin mir aber sicher, dass er einschläft, sobald wir los fahren. Alles wie gelernt: Ruhig bleiben, Ich-Botschaften, Zeit verlieren um Zeit zu gewinnen, den Großen allein in den Radanhänger klettern lassen, das Baby nochmal in den Arm nehmen, kurz am Straßenrand stillen während der Große sich sortiert. Bei 30 Grad im Schatten möglichst souverän bleiben, wenn die Erdbeeren mitten im Fußraum des Radanhängers stehen, in den der Sohn allein klettert.

Nach 5 Minuten, die mir sehr lang vorkommen, ist alles verstaut, das Baby im Milch-Dämmer-Schlaf in den Wagen gepackt, der Große sitzt im Wagen, Ich hab ihn trotz Erdbeeren an den Füßen, in den Händen und im Mund angeschnallt, will los.

Da spricht mich eine Frau an, mittleres Lebensalter, gepflegt: „Hallo! Darf ich Sie kurz stören?“. Ich denke: „Nein, ich will nach Hause, ich will nicht, dass gleich eines der Kinder anfängt zu schreien, es ist warm, ich bin müde, ich habe genug für heute“, lächle sie an, nicke.

„Ich finde es so schön zu sehen, wie liebevoll und geduldig Sie mit Ihren Kindern umgehen. Das gibt es nicht oft und man sieht ihren Kindern an, dass sie glücklich sind und in einem liebenvollen Zuhause aufwachsen. Ich weiß, wie schwer es ist als Mama mit kleinen Kindern. Sie machen das ganz wunderbar.“

Ich: Kloß im Hals aber auch so ein gutes Gefühl, gesehen zu werden. So viele Menschen, die weg schauen, wenn Mütter aus Verzweiflung die Kinder im Bus anmeckern und herumschubsen. Leider bin ich ein zurückhaltender Mensch. Ich hätte sie in den Arm nehmen sollen und einmal fest drücken sollen, trotz der 30 Grad. Ich habe genickt, gelächelt und „Danke, das ist sehr nett“ gesagt. Erziehung…

Der Unterschied wird gesehen und erkannt. Ich fühle mich gesehen. Die Frau kenne ich nicht, sehe sie vielleicht nie wieder aber ich bin sehr dankbar, dass wir uns begegnet sind, dass sie durch ihr Herz zu mir gesprochen hat. Diese 4 Sätze haben mir viel bedeutet.

Es ist eigentlich so einfach, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und das Herz sprechen zu lassen und es tut so gut.

Die Welt wäre ein viel schönerer Ort, wenn jeder von uns einem anderen einmal am Tag sagen würde, was er richtig gut gemacht hat und dass seine Mühe anerkannt wird.

2 Gedanken zu “Alltagsmomente #1

  1. SO schön! Das tut gut, zu hören und mitzufühlen. JA, solche Menschen gibt es und lasst uns weiter auch für andere ein solcher Mensch sein! Herzenswege eben🙂. Herzlich, Sarah

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