Buch-Mittwoch: Anja Constance Gaca und Susanne Mierau – Mein Schreibaby verstehen und begleiten

Als bekannt wurde, dass ein Schreibabybuch der beiden Autorinnen erscheinen soll, wartete ich mit Vorfreude und Spannung darauf. Denn tatsächlich fehlt solch ein Buch bisher auf dem Markt. Und auch sonst gibt es aus meiner Sicht wenige Autorinnen oder Blogerinnen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Als jedoch der Titel bekannt wurde, war ich enttäuscht, denn er enthält einen Widerspruch. „Mein Schreibaby verstehen und begleiten – Der geborgene Weg für High-Need-Babys“. Okay, was denn nun? Geht es in dem Buch nun um Schreibabys oder geht es um High-Need-Babys? Ein Schreibaby kann high need sein und umgekehrt gibt es viele High-Need-Babys, die sehr viel weinen, jedoch ist eben nicht jedes Schreibaby ein High-Need-Baby.

Auch sonst enthält das Buch einige Passagen, die mir nicht gut gefallen haben. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es ein gutes Buch für Eltern von Schreibabys ist, denn es gibt einen ersten Eidruck in die beziehungsorientierte Welt und das Leben mit Baby. Und es hift sicherlich den Weg zu finden, der für alle etwas Erleichterung in der schwierigen Situation bringen kann.

Viel weinend anstatt Schreibaby

Den Autorinnen ist es wichtig, nicht den Begriff Schreibaby zu verwenden. Hier stimme ich ihnen zu, ist er doch sehr negativ belegt und wertet das Verhalten des Kindes. Viel mehr wird in dem Buch zu großen Teilen von viel weinenden Babys geschrieben. Ich denke es ist schwer einen guten Begriff zu finden, der eben nicht wertet (viel weinend tut das in einer gewissen Weise auch).

Doch weint ein Schreibaby viel? Ja und nein würde ich sagen. Weinen ist das Kommunikationsmittel für das Baby, wenn wir Erwachsenen all seine anderen Signale nicht mehr verstehen. Es ist normal, dass Babys weinen und für uns Eltern manchmal sogar hilfreich um sie zu verstehen. Doch wer ein Baby hat, dass viel schreit oder geschrien hat, weiß, dass diese Kinder nicht weinen. Sie schreien, laut und lang und oft unstillbar.

Theorie und Praxis

Das Buch ist in einen kurzen Theorieteil und einen Praxisteil unterteilt. Im Theorieteil erfährt der Leser, welche Bedürfnisse unsere Babys haben, wie wir diese verstehen können und was es mit dem Verwöhnen von Babys auf sich hat. Außerdem erklären die Autorinnen, dass Babys, die in ihrem schlimmen Schreien begleitet werden nicht schreien gelassen werden.

Der Praxisteil enthält viele Tipps, die vielen Eltern bestimmt sehr gut helfen können. Außerdem wird hier auch auf die möglichen Gründe für das Schreien eingegangen. Aus meiner Sicht ist die Aufzählung nicht vollständig und nicht besonders übersichtlich. Vieles kann ich aus dem Text herauslesen, weil ich mittlerweile viele Theorien gelesen habe und mich sehr intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt habe. Andere Eltern können das wahrscheinlich nicht, fraglich ist aber, ob sie das wirklich brauchen.

Der Praxisteil enthält auch einen großen Abschnitt, der sich um die Bedürfnisse der Eltern dreht, was wirklich wichtig ist in dieser Zeit. Die Autorinnen geben den Eltern Anregungen, wie sie Hilfe bekommen können bzw was ihnen helfen kann. Sie schreiben über Selbstfürsorge und über Eltern, die auch Partner sind und bleiben sollen. Solche Worte sind in Büchern zu diesem Thema äußerst wichtig und wertvoll.

Beobachten – verstehen – handeln

Ich tue mir nach wie vor schwer mit dem Ansatz, dass Baby genau zu beobachten, zu verstehen was es braucht und dann zu handeln. Grundsätzlich ist das ein sehr wichtiger Ansatz, den sich viele Eltern mehr zu Herzen nehmen könnten, denn oft genug können wir es uns tatsächlich einfacher machen, wenn wir unsere Babys und Kinder genauer beobachten und versuchen zu verstehen, was sie benötigen bevor wir handeln. Doch bei Babys, die untröstlich und viel Schreien, ist es schwer genau zu beobachten und dann noch zu verstehen, was der Grund für das Weinen ist. Das Buch liefert viele Anregungen, die beim Beobachten helfen können. Jedoch kann es sein, dass Eltern rein gar nichts erkennen und keinen Grund für das Schreien ausmachen könnnen.

In diesem Fall hilft es ihnen vielleicht trotzdem einige der Tipps zu befolgen, wie das Baby dicht am Körper zu tragen, es nach Bedarf zu füttern oder es in der Nähe schlafen zu lassen.

Ein gutes Buch für unerfahrene Eltern von Schreibabys

Das Buch ist ein guter Ratgeber für alle Eltern, die sich noch nicht besonders viel mit der bedürfnisorientierten Haltung beschäftigt haben und Rat suchen, wie sie liebevoll mit ihrem schreienen Baby umgehen können. Eltern, die bereits viel in diese Richtugn gelesen haben oder weitere Kinder haben und mit ihnen einen bedürfnisorientierten Umgang pflegen, werden wahrscheinlich weniger Mehrwert aus dem Buch ziehen.

Wir daken dem GU-Verlag für das Rezensionsexemplar.


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