Der Babybruder kommt nach Hause – Das Wochenbett mit 2 Mama-Kindern

Wie war es nun, als unser Frühchen nach seinem Krankenhausaufenthalt endlich nach Hause durfte?

Der große Bruder fragte schon seit Tagen jeden Abend, ob wir das Baby schon wieder im Krankenhaus vergessen hätten. Wir waren sehr gespannt, wie es sich mit den beiden Kindern fügen würde, hatten in dem ganzen Trubel aber auch nicht viel Zeit zu planen. Die gesamte Geschwisterchen-Vorbereitung lief bei uns desaströs, zuerst war der große Bub einfach nicht interessiert und dann war das Baby auch schon da und Mama und Papa ständig unterwegs. Kein guter Start für den Großen.

Wir hatten ihm versprochen, dass er mitkommen dürfe, das Baby im Krankenhaus abzuholen. Da wir dort früher als geplant entlassen wurden, hat mein Mann den Sohn auch noch mitten am Tag im Kindergarten geholt um mit ihm zum Krankenhaus zu fahren.

Er war neugierig und fasziniert von dem kleinen Kerl, brauchte aber noch eine Anleitung, was er mit ihm nun anfangen könne. Die Heimfahrt brüllte das Baby im Auto und die Neugier bekam ihren ersten Dämpfer, zu Hause hatte das Baby gleich Hunger. Als sich dann heraus stellte, dass er weder Autos noch Eisenbahn mitspielen würde merkte ich, dass in der Vorbereitung einiges schief gegangen sein musste…

Von Anfang an wollte der Große mit Stillen, wenn das Baby Hunger hatte. Anfangs habe ich es einfach nicht hinbekommen, beide Kinder zur selben Zeit zu stillen und so waren die ersten Tage enorm anstrengend. Ich hatte mir vorgenommen, die Bedürfnisse meines großen Mamakindes so gut es ging zu erfüllen, seine Fähigkeit zur Kooperation und sein Mama-Speicher waren zu dem Zeitpunkt sehr strapaziert. Trotzdem musste er beschäftigt werden, bis der Kleine fertig war mit Stillen. Zum Glück war der ein Schnelltrinker aber gerade Nachts war es schwierig und ich wünschte mir so manchmal, ich hätte ihn doch in der Schwangerschaft abgestillt. Doch jede Medaille hat zwei Seiten, es gibt auch kaum etwas besseres als Milch um den Mama-Speicher wieder aufzufüllen. So war die erste Zeit für mich zu Hause eine große Belastung.

Nach der Krankenhauszeit ohne Baby daheim musste ich mich erst auf den Schlafrhythmus des Babys einstellen, was tatsächlich eine ganze Woche gedauert hat. Bis dahin riss er mich Nachts aus dem Tiefschlaf und ich musste erstmal völlig verwirrt die 2 Kinder im Familienbett sortieren und das richtige zum Stillen finden. Meistens waren dann aber beide wach und wie das so ist, wenn man genug Leidensdruck hat – auch ich bekam es hin, beide Kinder gleichzeitig zu stillen.

Rund um die Uhr 2 Kinder zu stillen verlangt enorm viel von einem Körper, der gerade ein Kind ausgetragen hat und eine anstrengende Schwangerschaft hatte. Ich kam mit Essen und Trinken kaum hinterher, obwohl ich kaum etwas anderes machte, als Stillen, Essen und Trinken und gelegentlich zu schlafen.

In der ersten Woche trank der Große Milch als gäbe es auf der Welt nichts mehr zu Essen und binnen Tagen konnte man bei beiden Kindern die Stillbäckchen wachsen sehen. Der Große verlangte viel. Viel Milch, viel Aufmerksamkeit, viel Begleitung und er ließ mich keine Minute aus den Augen. Die geplanten Ausflüge mit Oma oder Papa fielen flach, ich schaffte es nicht, ihn in seiner auf den Kopf gestellten Welt noch zu etwas zu zwingen, das er nicht wollte. Ich sprach mit meiner Hebamme und sie bestärkte mich in meinem Gefühl ihm zu vertrauen und seine Bedürfnisse zu respektieren. So kostetet mich der Große in den ersten 2 Wochen deutlich mehr Kraft als das kleine Baby, das einfach alle 2,5 Stunden für 10 Minuten gestillt werden wollte und dann sofort wieder einschlief.

Aber es zahlte sich aus. Das hohe Maß an Aufmerksamkeit benötigte er nur für rund 10 Tage. Dann war er sich wohl sicher, dass es ihm auch in Zukunft an nichts fehlen würde. Er stillte aus Prinzip weiter aber nicht mit viel Engagement und da fing ich an ihn tagsüber wieder weniger zu stillen. Er bekam Essen und Trinken kurz bevor das Baby wach wurde und ich stupste ihn mit wenig Energie wieder in die alten Bahnen. Der Widerstand war tatsächlich gering und wo er größer war habe ich für einen oder zwei Tage nochmal nachgegeben. Nach 3 Wochen stillte er tagsüber nicht mehr, wachte aber Nachts wieder alle 3 Stunden auf, meist zusammen mit dem Baby. Bis sich das legte dauerte es 8 Wochen, seitdem schläft er wieder durch. Er stillt noch abends (das war schon immer sein fester Programmpunkt) und das Aufwachstillen gewöhne ich ihm gerade so langsam wieder ab, das Baby ist jetzt 4 Monate alt.

Großer Pluspunkt des Tandemstillens: Kein Milchstau, keine Brustentzündung, kein sonstiger Brust-Stress im Wochenbett!

Die erste Woche, in denen das Baby da war, haben wir den Großen vom Kindergarten beurlaubt, er wollte nicht hin und ich fand das sehr gut nachzuvollziehen. Nach einer Woche war ihm aber zu Hause langweilig genug, dass er gern wieder in die Kita wollte. Bis er sich wieder von mir verabschieden konnte hat es ca. 10 Wochen gedauert. Seit dem spielt er wieder allein und klebt nicht mehr an mir.

Insgesamt hatten wir nach 3 Monaten ungefähr wieder den alten emotional stabilen Stand und ich bin froh und zufrieden, dass ich es durchgehalten habe, ihm so weit es irgendwie ging entgegen zu kommen. Eifersucht auf den kleinen Bruder ist bei uns kaum ein Thema, wenn dann ist der Große sauer auf mich, weil etwas nicht so läuft, wie er es sich wünscht, wenn er z.B. lange warten muss.

Ich habe meinem großen Sohn vertraut, dass er seinen Weg in unser neues Leben findet und bin froh, dass es so gut geklappt hat. Wir brauchten keine Ermahnungen oder sonstige Äußerungen, dass er jetzt ja schon „groß“ sei. Es geht auch ohne das, denn er ist immer noch unser kleines, kaum 3 Jahre altes Kind, das er auch war, bevor sein kleinerer Bruder geboren wurde.

Das kleine Baby stellte sich zum Glück als äußerst pflegeleicht heraus, schläft gut und viel, trinkt gut und viel und manchmal frage ich mich, warum ich die erste Zeit mit dem Großen so anstrengend fand 🙂

Eine liebe Freundin sagte zu mir, wenn die Kinder merken, dass genug Liebe für alle da ist, hast du es geschafft und sie werden beide friedlich sein und sich gegenseitig akzeptieren.

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