Ein neues Baby kommt zu uns – Die ersten Wochen mit dem neuen Baby

Hatten wir bisher nur ein Kind und bekommen noch eins, verändert sich doch so einiges. Viele sagen, dass genau diese Veränderung am schwierigsten war, denn das ganze Familiengefüge muss sich noch einmal neu finden. Wie kann es also gelingen, dass der Start mit dem neuen Baby für alle gut ist?



Das erste Kennenlernen
Das erste Kennenlernen lief bei uns anders als geplant. Ich konnte nicht ambulant entbinden, sondern musste im Krankenhaus bleiben. Dort hin brachten meine Schwiegereltern die Tochter. Ich hatte viel gelesen vorher, wie so ein Kennenlernen gestaltet werden kann. Was gut für das große Kind ist und was vielleicht überfordernd ist. Oft hieß es, dass das große Kind (oder eben die großen Kinder) erst einmal nur ihre Mama haben wollen und nicht sofort das Baby vorgeführt bekommen wollen.

Und so gab ich den Sohn an den Mann und schloß mein großes Kind in die Arme. Sie kam mir in diesem Moment riesig vor und wie aus einer anderen Welt. Ich hatte plötzlich zwei Kinder, eines so riesig, das andere so klein.

Die Tochter war sehr neugierig auf das Baby und sehr stolz, als sie es auf ihrem Schoß haben durfte. Sie trohnte neben mir im Krankenhausbett und strahlte über das ganze Gesicht. Das erste Kennenlernen war aus Sicht der Erwachsenen ein voller Erfolg.

Keine Erwartungen an diesen ersten Moment zu haben ist sehr schwer, hilft aber auf alles vorbereitet zu sein. Ich habe von Kindern gehört, die vor Freude durch das Krankenhaus gesprungen sind, aber auch von Kindern, die erstmal geweint haben, nicht mehr zu ihrer Mama wollten oder das fremde Wesen nicht sehen wollten. All diese Gefühle sind in Ordnung und durch uns Erwachsene zu begleiten. Es fällt schwer ein trauriges und weinendes Kind zu begleiten, wenn man selbst gerade vor Freude über das neue Leben platzen möchte. Aber es ist so wichtig und legt vielleicht den ersten und mit wichtigsten Grundstein für die Beziehung der Geschwister.

Ist Mama jetzt nicht mehr für mich da?

Wir glauben es kaum, doch mit jedem Kind das dazu kommt empfinden wir mehr Liebe. Wir lieben jedes unserer Kinder auf seine Art und Weise, doch die Kinder wissen das oft erstmal nicht und brauchen hier eine Rückversicherung. Das kleine Baby ist so bedürftig und Mama springt immer sofort, wenn es weint. Das große Kind hingegen muss ab und an warten, weil wir uns nicht zerreißen können oder eben auf dem Rücken nicht noch drei weitere Arme und eine zusätzliche Brust haben.

Und so ist es richtig und wichtig die großen Kinder aufzufüllen und zu zeigen, dass wir immer noch für sie da sind. Meli hat darüber bereits in ihrem Wochenbettbericht geschrieben. Ihr Sohn hat in der ersten Zeit viel gestillt und sich so rückversichert, dass auch diese Art von Mamaliebe immer für ihn verfügbar ist. Und es hat sich gezeigt, dass sie ihm ein wunderbares Geschenk gemacht hat, indem sie ihn gelassen hat und ihn nicht eingeschränkt oder zurückgewiesen hat.

Unsere Großen dürfen noch einmal klein sein. Vielleicht wollen sie wieder eine Windel, können sich plötzlich nicht mehr alleine an- oder ausziehen, wollen gefüttert werden, wieder (mehr) stillen oder viel getragen werden. Ihnen diese Wünsche zu erfüllen macht uns das Leben leichter, verhindert unnötige Kämpfe und macht uns alle glücklicher.

Vom helfen und warten

Die Tochter wollte mir gerne mit dem kleinen Wesen helfen, was nicht immer so ganz einfach umzusetzen war. Ich musste sie oft davon abhalten ihren Bruder hochzuheben oder am Arm oder Bein hinter sich herzuziehen.

Aber wo es ging durfte sie mitmachen. Beim Baden zum Beispiel, auch wenn danach das halbe Bad geflutet war. Sie versuchte ihm Socken anzuziehen oder zerrte ihm auch Mal einen Body über den Kopf. Sie brachte Klopapier wenn ich ihn abhielt oder auch mal ein Spucktuch, wenn er den ganzen Boden und mich vollgespuckt hatte. Alles auf freiwilliger Basis. Und wenn sie mal keine Lust hatte, war das auch in Ordnung.

Doch es gab auch Situationen in denen sie mir nicht helfen konnte oder wollte und gerade morgens auch ganz viele Situationen in denen sie meine Hilfe genauso dringend brauchte. Ich musste sie vertrösten und bitten zu warten, für eine zweieinhalbjährige gar nicht so einfach. Oft genug gab es Tränen und lautes weinen und ja, manchmal gelang es mir auch nicht darauf so liebevoll und verständnisvoll zu reagieren wie es angemessen gewesen wäre.

Wichtig war mir aber, das sie auch sah und hörte, dass auch der Sohn mal warten musste. Er konnte das natürlich noch viel weniger mit seinen wenigen Wochen. Deshalb wählte ich für solche Situationen immer Zeitpunkte bei denen ich sicher sein konnte, dass die Grundbedürfnisse des Babys gestillt waren und er, wenn überhaupt, nur weinte weil ich ihn abgelegt hatte. Auch zu ihm sagte ich, dass er bitte einen Moment warten müsse, weil ich dies und jenes mit seiner Schwester zu erledigen hätte.

Mein kompetentes großes Kind

Eins lernte ich schnell, die beiden hatten eine sehr zuverlässige Kommunikation. Zuerst zollte ich dem wenig Beachtung, denn ich dachte, dass die Tochter immer dann sagte der Sohn wolle stillen, wenn er weinte. Doch als sie auch beim abhalten recht hatte und ich einige nasse Hosen hatte weil ich nicht auf sie gehört hatte, wurde ich aufmerksam.

Und tatsächlich half es oft, sie zu fragen was sie vermutete was der Sohn genau jetzt bräuchte. Es war erstaunlich, wie schnell ich ihn manchmal nach Hinweisen von ihr beruhigen konnte.

Unsere großen sind kompetent. Und sie sind noch so nah dran an den kleinen. Ich bin davon überzeugt, dass sie eine besondere Art haben zu kommunizieren und hoffe, dass sie dieses Band immer verbinden wird.

Spiel mit mir

Wir wissen, dass wir unser Baby nicht verwöhnen, wenn wir sofort auf sein weinen reagieren. Das führt aber auch dazu, dass wir zu Beginn viel Zeit mit dem Baby verbringen und weniger Zeit für die Großen haben.

Nicola Schmidt empfiehlt im Buch „Geschwister als Team“ nicht nur, dass sowohl Mutter als auch Vater Exklusivzeit mit jedem Kind verbringen, sondern auch, dass wir uns so oft wie möglich zu unseren großen auf den Boden setzen. Wir können auch auf dem Boden stillen oder das Fläschchen geben. Oft haben wir noch eine Hand frei mit der wir Duplo bauen können, eine Puppe kämmen können oder bei einem Teekränzchen mitwirken können.

Aber auch das Baby soll mitspielen. Die großen sind da oft sehr kreativ, aber manchmal auch etwas grob. Das so zu begleiten, dass alle zufrieden sind ist eine große Kunst. Mir hat es geholfen mir immer wieder vor Augen zu halten, dass so ein Menschenbaby doch recht robust ist. Und so gab und gibt es bei uns einige wenige Verhaltensregeln, wenn zusammen gespielt wird:

  • das Gesicht bleibt immer frei, keine decken, keine Kissen, keine Kuscheltiere oder sonst etwas drauf
  • auf den Schoß nehmen nur, wenn das Baby vorher gefragt wurde und nur mit einem Erwachsenen zusammen
  • kein hochnehmen oder hinterherziehen um den Ort zu wechseln.

Das klappt mittlerweile Recht gut und so entsteht so manches Spiel, das ich vorher vielleicht aus Angst unterbunden hätte, an dem aber beide großen Spaß haben.

Und ich?

Die erste Zeit mit einem Baby ist immer anstrengend. Ich habe noch niemanden getroffen, der das Gegenteil berichtet hat. Bei mehreren Kindern kann es schnell noch anstrengender werden und wir vergessen uns. Denn neben all den Bedürfnissen des Babys ist da noch ein oder mehrere Kinder, die versorgt und geliebt werden wollen und denen wir genau das geben wollen. All das können wir aber nur schaffen, wenn wir uns nicht ganz aufgeben und auch an uns denken. Der Haushalt muss nicht perfekt sein, es ist völlig in Ordnung, dass die großen Kinder in eine Betreuungseinrichtung gehen und der erste Brei, das erste Brot und der erste Keks müssen nicht selbst gekocht und gebacken sein. Denn genau das sind nicht die Dinge an die Kinder sich später erinnern. Wichtiger ist es, dass wir in den ersten Wochen füreiander da sind. Wir Eltern für alle Kinder, aber auch wir Eltern füreinander.

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