Der Krieg in unseren Herzen

Mein Mann kam vor kurzem von einem Elternabend zurück und als ich ihn nach den Inhalten fragte sagt er nur „Sie machen ihre Kinder hart für den nächsten Krieg“.

Puh… Mir kommen die Tränen.

Unser Sohn ist erst 2 und ich hatte bisher kaum Berührungspunkte mit dem schulischen Optimierungswahn, den Eltern an ihren Kinder ausleben.

Die Härte und Kälte, mir der jüngere Kinder täglich konfrontiert werden, erlebe ich oft. Mit dem ersten Geburtstag endet der Welpenschutz und die Kinder haben in ihrem eigenen Bett zu schlafen, gut und ausgewogen zu Essen, werden allerspätestens jetzt abgestillt und bevor man sich von ihnen auf der Nase herum tanzen lässt werden sie eben weinen gelassen.

Mit dem zweiten Geburtstag scheint die Strenge gegenüber den Kindern nochmals zuzunehmen. Schließlich sollen sie merken wer der Herr im Haus ist.

Moment – Stop!

Hat schon mal jemand überlegt was hinter diesen Gedankengängen steht? Was in unseren Köpfen und Herzen passiert, wenn wir so miteinander umgehen?

Der Herr im Haus… Wer ist das? Der Chef, der Befehlshaber, der Herrscher?

Was sagen wir unseren Kindern damit? Dass sie weniger wert sind als wir, dass wir ihnen sagen, was sie zu tun haben und sie müssen gehorchen. Dass sie sich zu fügen und nicht aufzubegehren haben.

Das klingt vielleicht hart aber genau das sagen so viele Eltern ihren Kindern – täglich.

„Jetzt hab dich nicht so“

„Ist doch gar nichts passiert“

„Kommst du jetzt endlich oder wie lange soll ich noch warten“

„Stell dich nicht so an“

„Wirst du jetzt wohl endliche dies/das tun/sein lassen“

Tausendfach gehört. Das macht unsere Kinder hart. Es vergiftet ihre Herzen, macht sie traurig, einsam und unglücklich. Aber da Kinder geliebt werden wollen, werden sie nichts erwiedern, schweigen und versuchen zu kooperieren, zu tun, was man von ihnen verlangt. Kleine Soldaten in einer Welt, in der wir Krieg spielen, obwohl es nicht nötig ist. Da ist kein echter Krieg. Nicht in Deutschland, nicht in der westlichen Welt. Wir haben genug Essen, Kleidung, Wohnung, wir haben Bildung, Bücher, Ärzte, wir haben viel mehr als wir zum Leben brauchen.

Warum machen wir unsere Kinder zu Soldaten? Warum beenden wir nicht diesen Krieg?

Die allermeisten von uns haben diese Sätze gehört als sie selbst Kinder waren und sie purzeln aus unseren Mündern, jetzt, wenn wir eigene Kinder haben.

So vieles, das ich als Kind gesagt bekommen habe liegt mir heute auf den Lippen, wenn ich mit unserem Kind spreche schimpfe. Das meiste kommt in besonders emotionalen Situationen aus mir heraus, dann wenn ich den täglichen Kampf gegen meine eigene Erziehung verliere.

Ich höre die Stimme meiner Eltern statt der meinen während ich fluche und schimpfe und dann kommt die Erinnerung an meine Kindergefühle zurück, wie erschrocken ich war, wie entsetzt und allein. Ich schaue mein Kind an und sehe in meine furchtvollen Kinderaugen.

Ich bin zum Mamamonster geworden.

Der Mensch, der sonst immer Liebe und Trost schenkt, alles kann und alles möglich macht ist zum Monster geworden, das schimpft und flucht und schreit.

Ich weiß, wie sehr es dem kleinen Menschen weh tut und im gleichen Moment tut es mir unglaublich leid. Ich möchte aus ihm keinen kleinen Soldaten machen, er soll fröhlich, frei und so wunderbar wie er ist durch sein Leben gehen. Er soll sich lieben, die Welt lieben, all die Wunder entdecken, mit offenem Herzen, mit Mut und Zuversicht.

Nur so können wir den Krieg in unserer Welt beenden. Indem wir Kinder heranwachsen lassen, die offen, neugierig, selbstsicher und klug sind. Die sich selbst gut kennen, ihre Erfahrungen machen können und lernen, was sie richtig und falsch finden.

Ich kämpfe jeden Tag dafür und hoffe, mein Sohn verzeiht mir die schlimmen Momente. Hoffe er lernt dadurch, dass ich auch nur ein Mensch bin, dass ich nicht allwissend oder allmächtig bin, dass ich meine Fehler habe und Fehler mache, wie jeder andere auch. Dass auch er Fehler machen darf, machen soll. Und ich hoffe, dass er niemals daran zweifelt, dass ich ihn mehr als alles auf der Welt liebe.

2 Gedanken zu “Der Krieg in unseren Herzen

  1. Hallo,

    ich kann dich hier so gut verstehen und mir geht es hier nicht anders. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich einmal mehr zum Mama-Monster werde. Doch in diesen Momenten habe ich nichts mehr im Griff. Ich habe mich und meine Emotionen nicht mehr im Griff. Es wächst mir alles über den Kopf und im Grunde Bonn ich allein schon gut damit bedient mit mir alleine wieder ins Reine zu kommen. Meine Tochter kann dann nur bedingt etwas dafür.

    Wie gerne würde ich auf diese Mama-Monster-Momente doch verzichten. Meiner Kleinen und mir tut das nur unnötig weh und oft halten wir uns dann im Anschluss erst einmal ganz lange im Arm.

    Als Mama haben wir keine leichte Aufgabe. So viel steht fest. Aber zum Glück können wir in solchen Momenten dann auch unseren Kindern zeigen und sagen: „Es tut mir sehr leid.“ und sie fest in den Arm nehmen. Weh tun tut das kleine Herzchen auch dann noch, aber es lernt auch dass eben auch Mama Fehler macht und den Mut hat es einzugrstehen.

    Liebe Grüße
    Andrea

    Von: https://wolken-sternchen.com

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