Papa arbeitet – alle anderen sind daheim

Erwähne ich in bestimmten Kreisen, dass ich vollzeit berufstätig bin und mein Kind in einen Kindergarten geht, zerfleischen mich manche Mütter regelrecht. Das geht gegen die Bedürfnisse des Kindes, es gehört in den ersten Lebensjahren ausschließlich zur Mutter. Nur das heißt bedürfnisorientiertes Leben. Auf mein Argument, dass wir auf das Geld angewiesen sind, dass ich verdiene, kommen schnell die nächsten Anschuldigungen. Ich müsse einfach nur ein wenig den ganzen Luxus in dem ich lebe zurückstellen und dann könne man auch gut von einem Gehalt leben. Die meisten Mütter, die genau diese Dinge zu mir sagen kennen mich und meine Lebenssituation nicht und wissen nicht in welchem Luxus wir leben oder ob wir überhaupt im Luxus leben. Und sie wissen nichts über den Mann, seinen Job und dessen Bedürfnisse.

Und genau da sind wir beim Knackpunkt, zumindest für mich. Warum genau bedeutet bedürfnisorientiertes Leben, dass Frauen wieder in alte Rollen und Muster verfallen und die Bedürfnisse der Väter komplett hinten angestellt werden? Warum muss der Mann das Geld zum Leben heranschaffen? Warum wird immer vorausgesetzt, dass er das auch leisten kann? Und will er das überhaupt?

Nicht selten lese ich von unglücklichen Partnerschaften in denen die Männer sich genau über dieses Lebensmodell beschweren. Und oft genug lese ich dann, dass Frauen sich bestärken, dass sie den Mann weiter arbeiten lassen müssen, sich sonst lieber von ihm trennen sollten und sich von ihm Unterhalt zahlen lassen sollten, wenn er nicht mitzieht. Das finde ich ganz schön krass.

Was ist denn nun mit den Bedürfnissen der Väter und Männer? Fakt ist, dass tatsächlich noch in sehr vielen Partnerschaften die Männer besser verdienen als die Frauen (und oft leider nicht nur in Partnerschaften). Und ich kenne tatsächlich auch viele Männer, die völlig überfordert mit den Kindern und dem Haushalt sind und sehr gerne und viel arbeiten gehen.

Aber es gibt eben auch die Männer wie meinen. Väter, die Väter sein wollen. Väter, die mehr als eine halbe Stunde am Abend mit ihren Kindern verbringen möchten. Väter, die sich in das Leben mit Kind einbringen und die für das Kind genauso eine Bezugsperson sind wie die Mutter. Was ist mit deren Bedürfnissen? Zählen die nicht in einem bedürfnisorientierten Miteinander?

Und was ist dran, dass das Kind nur die Mutter braucht in den ersten Lebensjahren? Ich stimme absolut zu, dass die Mutter zu Beginn die wichtigste Person ist und stillen ist bei weitem das Beste für das Kind. Doch ich stimme nicht zu, dass das Kind einen Schaden nimmt, wenn es mehr Zeit mit dem Vater verbringt und die Mutter nicht immer da ist.

Für mich bedeutet bedürfnisorientiertes Leben, dass die Bedürfnisse aller Familienmitglieder geachtet werden und die ganze Familie versucht so gut es eben möglich ist diese auch zu wahren. Dazu gehört es auch, nicht nach Grundsätzen zu handeln, sondern seinen gesunden Menschenverstand einzuschalten.

Und zuletzt, aber vielleicht am wichtigsten für mich, ich liebe meinen Mann und möchte, dass er genauso glücklich ist wie ich. Ich möchte, dass seine Bedürfnisse genauso wahrgenommen werden wie die von mir und den Kindern. Er ist ein großartiger Vater, der in einem Büro versauern würde und das würde uns allen nicht gut tun.

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