Buch-Mittwoch: Jesper Juul – Wem gehören unsere Kinder?

Jesper Juul hat ein kleines Heft herausgebracht, in welchem er seine Ansichten zur Frühbetreuung veröffentlicht und klar Stellung bezieht.

Zu Beginn sagt er gleich sehr deutlich, dass Kinderkrippen nicht geschaffen wurden, um die Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen, sondern die der Eltern und der Gesellschaft, die immer mehr Erwerbstätige benötigt. Oft sind es noch nicht einmal die wirklichen Bedürfnisse der Eltern, sondern einfach die Notwendigkeit, dass beide Elternteile arbeiten müssen um das nötige Geld zum Leben zu verdienen. Und auch die Politik hat eher wenig Interesse daran die Kinder schon in jungen Jahren nach ihren Bedürfnissen aufwachsen zu lassen, hier stehen viel mehr die Bedürfnisse nach Wachstum im Vordergrund.

Jesper Juul ist es wichtig zu betonen, dass viele Kinderkrippen heute aber sehr gut eingerichtet sind und somit versucht wird, den Bedürfnissen der Kinder nachzukommen. Seiner Meinung nach profitieren etwa 10% der Kinder von einer Krippe, da sie so von ihren dysfunktionalen Familien weg kommen und ein „normales“ Umfeld genieße können.

Doch wie beantwortet Juul die Frage nach der Fremdbetreuung? Ist diese in seinen Augen gut oder schlecht? Dazu schreibt er auf Seite 9:

Aber ich weigere mich, das zu tun, und zwar nicht aus Political Correctness oder weil ich Angst vor Ärger habe. Zwei gute Gründe kann ich dafür anführen. Zum einen lassen sich die Interessen der Eltern und ihrer Kinder nicht voneinander trennen, und zum anderen will ich keine Munition liefern, die dann von den einen Eltern gegen die anderen eingesetzt wird.

Im weitern Verlauf des kleinen Heftchens macht Jesper Juul außerdem darauf aufmerksam, dass es nicht „das Beste“ für das Kind gibt. Jedes Kind ist individuell, jedes Kind findet sich anders in eine Situation ein und manche Kinder profitieren eben doch von einer Betreuung außerhalb des Elternhauses. Doch wie können Eltern herausfinden, was für ihr Kind das Beste ist? Auf Studien können sie sich laut Juul nicht stützen, denn die wurden nie in dem Maße erhoben, wie es für solch eine Entscheidung nötig wäre.

Im weiteren Verlauf des Buches geht er auf die Qualität der Betreuungseinrichtungen ein und macht darauf aufmerksam, dass hier ein großes Verbesserungspotential besteht. Denn Kinder sind kompetent und müssen gehört werden.

Das kurze Buch mit etwas mehr als 30 Seiten ist absolut lesenswert und regt zum Nachdenken an. Außerdem zeigt es mal wieder, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt und das Fremdbetreuung per se nicht böse oder fremd sein muss und vielen Kindern sogar gut tun kann.

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