Natürliche Geburt – Die entspannte Geburt des Sohnes

Die Geburt des Sohnes sollte anders werden, als die der Tochter, das hatte ich irgendwann beschlossen und war fest davon überzeugt, dass es auch genau so klappen würde. Ich fing an mich mit Hypnobirthing auseinanderzusetzen und erkannte, was bei der Geburt der Tochter nicht gut gelaufen war. Es half mir nochmal ein Stück weit mehr mit dem Geschehenen Frieden zu schließen. Ich wusste es einfach damals noch nicht besser und habe mich von für mich falschen Vorschlägen leiten lassen.

Die Vorbereitung auf die Geburt gab mir Sicherheit, die Atmung zur Entspannung übte ich jeden Abend während der Einschlafbegleitung mit der Tochter und immer wieder hörte ich mir die Glaubenssätze an und sprach sie mir laut oder leise in Gedanken vor. Ich probierte Traumreisen aus und entdeckte, dass sogar ich unruhiger Geist entspannen konnte. Und ich fasste irgendwann den Entschluss, dass es eine tolle Geburt werden wird, in der Wanne.

 

Geht es los?

Bei der Tochter fing die Geburt mit sehr sanften Wehen an, einen Tag lang wussten wir nicht, ob es nun los ging oder nicht. Und so war ich auch diesmal etwas unsicher, wann denn nun das Startzeichen kommt. Und ich war ungeduldig, hatte keine Lust mehr auf den Kugelbauch, wollte das Baby endlich in den Armen halten. Der Sohn hat sich davon nicht beeindrucken lassen und hat sich erst bei 40+2 auf den Weg gemacht. Mitten in der Nacht wurde ich durch Schmerzen wach. Diesmal ziemlich fiese Übungswehen, dachte ich zuerst. Doch dann wurde ich unsicher, was wäre wenn? Ich schmiss den Mann aus dem Bett, der sich gerade erst hingelegt hatte und gemeinsam beschlossen wir seine Eltern anzurufen, damit diese kamen um auf die Tochter aufzupassen.

Bis meine Schwiegereltern da waren war klar, es sind echte Wehen, es geht los. Ich hatte warm geduscht, die Wehen blieben. Jede Wehe veratmete ich so, wie ich es die ganze letzte Zeit geübt hatte und versuchte auch zwischendrin immer wieder in die Entspannungsatmung zu kommen. Als die Schwiegereltern da waren machten wir uns auf den Weg ins Krankenhaus, froh noch vor dem Berufsverkehr durchs Nadelöhr der Umgebung zu fahren.

 

Abwarten und Kakao trinken

Der ernüchternde Befund im Krankenhaus, Muttermund bei 1-2 Zentimetern, keine Wehen auf dem CTG zu sehen. Doch die Hebamme blieb vorsichtig, meinte es müsse nichts heißen, wenn die Wehen nicht zu sehen seien, sie vertraue da lieber meinen Aussagen über Häufigkeit und Intensität. Und da es das zweite Kind war riet sie uns nicht nach Hause zu fahren, sondern lieber erstmal abzuwarten, spazieren zu gehen und dann nochmal zu schauen. Und so liefen der Mann und ich mit der aufgehenden Sonne auf dem Feld hinterm Krankenhaus auf und ab. Bei jeder Wehe hielten wir an, ich ging leicht in die Hocke und atmete. Es war ein ruhiger und schöner Moment und es passte, dass die Welt erwachte während mein Muttermund sich weiter öffnete und wie eine Blume erblühte (eins meiner Bilder).

Nach dem Spaziergang war klar, das Kind ist auf dem Weg und will heute noch kommen. Die Hebamme und ich tippten auf den frühen Nachmittag, also bekam ich ein Zimmer zugeteilt, einen Zugang gelegt und die Empfehlung weiter spazieren zu gehen. Doch der Hunger trieb uns erstmal zum Bäcker, wo wir noch ganz entspannt aßen und ich eine heiße Schokolade trank, das musste sein nach sechs Wochen Zuckerverzicht. Der Mann beschreibt es heute noch als einen der für ihn skurilsten Momente der Geburt, denn es war so eine alltägliche Situation und trotzdem so besonders, wie ich ihm gegenüber saß mit einem Zugang im Arm und Wehen veratmete.

 

Nicht mehr lange

Nach einem weiteren CTG beschlossen die Hebamme, mittlerweile eine neue nach dem Schichtwechsel, und ich nicht mehr zu untersuchen und auf mein Gefühl zu vertrauen. Wir beschlossen noch einmal laufen zu gehen, doch schnell machte sich bei mir ein komisches Gefühl breit. Ich wollte zurück ins Krankenhaus, wollte die Hebamme in meiner Nähe wissen und musste mittlerweile in die Hocke gehen um eine Wehe zu veratmen. Also gingen wir zurück, ich hielt es gute drei Minuten im Zimmer aus und beschloss dann in den Kreissaal zu gehen. Und das war auch genau richtig, eine Untersuchung ergab, dass der Muttermund fast auf war und wir nun ins Kreiszimmer umziehen konnten.

Während die Hebamme schnell das Wasser einlies (wir haben uns den Tag zur Geburt ausgesucht an dem das Wasser im Kreissaal für einige Stunden abgeschaltet werden sollte), zogen wir mit Sack und Pack um. Es war genau der Kreissaal in dem auch die Tochter zur Welt kam. Der Raum hatte jetzt also die Chance mir ein positives Erlebnis zu geben.

Während ich mich auszog, Wehen veratmete und langsam in die Wanne stieg, war die Hebamme einfach nur da. Sie gab keine Instruktionen oder Tipps und lies mich einfach machen. Auch im warmen Wasser blieben die Wehen intensiv, ich hatte das Gefühl es könnte bald losgehen. Doch dann holte mich die Geburt der Tochter ein, damals hatte ich nach platzen der Fruchtblase vier Stunden lang Presswehen und immer die Hoffnung es möge bald zu Ende sein. Und so fragte ich in meiner aufkommenden kurzen Panik nach Schmerzmitteln. Die Hebamme aber beschloss erst einmal zu fühlen, erklärte mir, dass es sich nicht mehr lohnen würde und sie lieber die Fruchtblase öffnen und den Muttermund ein wenig dehnen würde. Dann sollte es nicht mehr lange dauern bis das Baby da sein sollte.

 

Und dann schwam er in unser Leben

Sie behielt recht. Die Presswehen musste ich sehr laut vertönen und auch die Atmung war mit Sicherheit nicht wie aus dem Lehrbuch, aber es war in dem Moment genau richtig für mich. Weh getan hat es, höllisch, aber trotzdem irgendwie auch aushaltbar. Ich spürte mit jeder Wehe wie es voran ging, ein unbeschreibliches Gefühl, dass ich bei der Tochter durch die Saugglockengeburt nicht erleben durfte.

Und dann war der Kopf geboren, während ich bis dahin gekniet hatte, empfahl die Hebamme mir mich jetzt zurückzusetzen und das Kind in Empfang zu nehmen. Und so schwamm um kurz nach elf der Sohn in unser Leben. Die Hebamme wickelte flott die Nabelschnur von seinem Hals während ich ihn hochhob, nach Aussage des Mannes noch einmal untertauchte (so ein Neugeborenes ist aber auch glitschig im Wasser) und ihn dann auf meine Brust legte, wo er sich sofort an meinen Zopf klammerte.

Auch diese Geburt hatte wieder einen Teil, der unschön war. Ich verlor im Anschluss gute eineinhalb Liter Blut, musste ausgeschabt werden und war so schlapp, dass ich noch eine Nacht bleiben musste. Doch all das ist nicht schlimm, auch wenn es nicht schön war. Die ruhige Atmung und die Entspannte Haltung des Hypnobirthing halfen mir diesen Teil der Geburt anzunehmen und durchzustehen. Nicht nur mich hat beeindruckt, was positives Denken und ruhiges Atmen ausmachen können, auch die Hebamme und die anschließend anwesenden Ärzte waren beeindruckt. Ich bin mir sicher, die Geburt war für die Hebamme eine der schöneren an diesem Tag und es freut mich, dass wir gemeinsam solch eine tolle Geburtsreise hatten.

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