Mein Dorf – Wie kann es entstehen?

Wir haben den Satz (übrigens ein nigerianisches Zitat) schon so oft gesagt, denn er ist einfach so eng mit dem artgerechten Familienleben verbunden:

Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind aufzuziehen.

Doch wie kommen wir heute zu unserem Dorf? Wer darf oder soll Teil dieses Dorfes sein und wie kann oder muss so ein Dorf aussehen? Dies alles sind Fragen, die sich viele Familien stellen, wenn sie alleine mit einem Kind dastehen und sich alleingelassen und hilflos fühlen.

 

Die Familie als Teil des Dorfes

Es ist der naheliegendste Punkt innerhalb der Familie nach Dorfmitgliedern zu suchen. Lebt die Familie auch noch in relativer Nähe, ist die Möglichkeit sie zu integrieren gegeben. Doch die Familie muss nicht automatisch Teil des Dorfes werden oder kann es schlicht einfach nicht.

Es ist wundervoll, wenn Kinder auch mit ihren Großeltern aufwachsen können und diese so oft wie möglich um sich haben. Doch leider ist das heute oft nicht möglich, denn viele Großeltern stehen selbst noch mitten im Leben, gehen einer Arbeit nach, haben einen Haushalt zu versorgen und vielleicht sogar noch Etern, die sie pflegen müssen. Die typischen Großeltern, die grauhaarig in ihrem Lehnsessel sitzen und Geschichen vorlesen, gibt es so gut wie nicht mehr.

Viele Großeltern wollen aber auch gar keine Verpflichtungen mehr übernehmen und freuen sich über ihre wiedergewonnene Freiheit. Dies zu akzeptieren fällt oft nicht leicht, ist aber ganz wichtig.

Und dann gibt es auch noch Großeltern, die einfach nicht zu den Eltern der Kinder passen, die ein völlig anderes Verständnis von Erziehung und Gehorsam haben und die den Eltern und Kindern einfach nicht gut tun. Aber auch hier muss geschaut werden, ob die eigenen Ansichten nicht zu eng gesteckt sind und das Kind/ die Kinder ganz gut zwischen den beiden Erziehungsstilen unterscheiden kann.

 

Vom Freund zum Dorfmitglied

Mit einem Kind verändern sich oft auch Freundschaften, einige Freunde gehen, andere bleiben, neue kommen hinzu. Das ist manchmal schmerzhaft und schade, aber es ist der Lauf der Dinge. Für mich ist deswegen umso wichtiger an den Menschen festzuhalten, die uns gut tun und die unser Dorf bereichern. Häufig sind dies Freunde, die ebenfalls Kinder haben und ein ähnliches Verständnis von Erziehung/Beziehung. Doch manchmal können es auch Menschen sein, die noch keine Kinder haben oder deren Kinder schon groß sind. Offen für all die zu sein, die sich einbringen möchten und Teil haben wollen ist hier ganz wichtig.

Doch wie mache ich nun einen Freund zum Mitglied meines Dorfes? Muss ich da irgendwas ändern? Ja und nein würde ich sagen, denn die Grenze ist ja sehr eng und für viele gehören Freunde vielleicht einfach automatisch zum Dorf dazu. Doch für mich geht es noch einen Schritt weiter und genau das ist der Punkt, den das Dorfmitglied ausmacht. Er oder sie ist nicht nur ein Freund, sondern jemand, der Hilfe anbietet und gibt und der sich nicht zu schade ist etwas für uns zu tun, wenn wir ihn bitten.

Genauso muss ich aber auch bereit sein zu geben und meine Hilfe anzubieten. Vielleicht gibt es da eine Freundin, die Kinder im gleichen Alter hat, so dass ich sowohl ihre als auch meine Kinder beaufsichtigen kann. Oder es gibt da eine Freundin, die super mit den Kindern umgehen kann und in dieser Aufgabe völlig aufgeht, der aber der Haushalt über den Kopf wächst. Dieser Freundin kann ich helfen, indem ich ihre Spülmaschine ein- und ausräume oder einfach mal durchsauge, während sie mit meinem Kind Abenteuer erlebt.

 

Das Dorf als Dorf

Wir schauen viel zu wenig nach links und rechts. Um uns herum wohnen Menschen, die eine Geschichte haben und die gerne teilnehmen. Die mehr als ein Kopfnicken verdient haben und die sicherlich auch für uns ein liebes Wort übrig haben.

Schauen wir uns also um, wer dort noch so lebt und in welcher Lebensphase er sich gerade befindet. Vielleicht gibt es in unserem Umfeld ja tatsächlich andere Eltern, die genauso einsam sind wie wir. Oder Menschen, die alleine sind, weil sie keine Familie (mehr) haben und sich über ein wenig Gesellschaft freuen.

In „Slow Family“ regen Julia Dibbern und Nicola Schmidt dazu an einen Kuchen zu backen und diesen in der Nachbarschaft zu verteilen. So kann den Menschen um uns herum eine Freude gemacht werden und wir haben einen guten Aufhänger, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Gehen wir raus aus der Anonymität und rein in die Gemeinschaft. Es lohnt sich.

 

Mein virtuelles Dorf

Doch das Dorf kann meiner Meinung nach auch aus Menschen bestehen, die weit weg wohnen und für die es nicht möglich ist jeden Tag mit uns zusammen zu sein oder spontan vorbei zu kommen. Die heutige Technik ermöglicht es uns mit diesen Menschen so einfach in Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen. Auch das kann eine große Hilfe sein.

Manche Menschen finden auch in Foren oder eine Facebook-Gruppe genau die Menschen, die sie in ihrem realen Leben eben nicht gefunden haben. Menschen, die genauso denken wie sie und die ihnen durch ihr geschriebenes Wort helfen. Hier ist es meiner Meinung nach nur wichtig sich im Klaren zu sein, dass das geschriebene Wort immer ein anderes ist als das gesprochene und es so schneller zu Missverständnissen kommen kann.

 

Darf ich wählerisch sein?

Doch darf ich denn beim Aufbau meines Dorfes überhaupt wählerisch sein? Muss ich es akzeptieren, dass die Großeltern das Kind mit strenger Hand und Strafen behandeln, obwohl ich einen ganz anderen Ansatz verfolge? Stehe ich nicht alleine da, wenn ich jede dieser Hilfen ausschlage?

Tatsächlich können wir es uns nicht immer leisten wählerisch zu sein. Manchmal sind wir einfach auf die Hilfe der ungeliebten Eltern oder Schwiegereltern angewiesen und sie sind so einfach Teil des Dorfes. Wichtig für mich ist hier immer, meine eigenen Vorbehalte zu hinterfragen und zu schauen, ob ich mit den Menschen ins Gespräch kommen kann.

Doch manchmal müssen wir zu unserem eigenen Schutze oder dem unserer Kinder wählerisch sein und auf das Dorf oder einige Mitglieder verzichten. Manchmal ist es eben tatsächlich einfacher alleine zu sein. Dann ist das aber auch in Ordnung so, so lange wir offen für neues bleiben.

 

Mein Dorf

Mein Dorf ist oft schon größer als mir selbst bewusst. Deswegen schaut euch um, ladet ein und geht auf Menschen zu. Seit selbst ein aktives Mitglied des Dorfes und gestaltet dieses mit.

 

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