Mama arbeitet – Das schlechte Gewissen und der Vorwurf nie genug zu sein

Es ist eines der Themen, dass Mütter spaltet und in zwei Lager teilt, die Berufstätigkeit der Mutter. Die einen sind der Meinung, dass die Mutter zum Kind gehört und das Kind zur Mutter und somit diese mindestens die ersten drei Jahre daheim zu bleiben hat. Und dann gibt es da das zweite Lager, die arbeitenden Mütter, die ihre Kinder in der Regel ab dem ersten Geburtstag durch andere Personen betreuen lassen und wenige bis sehr viele Stunden von ihrem Nachwuchs getrennt sind.

Viele Mütter gehen nach den üblichen zwölf Monaten Elterngeldbezug wieder arbeiten, meist in Teilzeit, denn das Geld wird in den meisten Fällen benötigt um das Leben zu bestreiten oder einen gewissen Lebensstandard, den viele nicht breit sind aufzugeben, aufrecht zu erhalten. Einige wenige Mütter gehen tatsächlich auch wieder arbeiten, weil sie ihre Arbeit gerne machen und darin aufgehen oder weil sie selbstständig sind und vielleicht ihren Herzensberuf gefunden haben.

Doch egal ob die Mutter nun arbeiten geht weil sie es muss oder weil sie es möchte, immer schwingt der Vorwurf mit nicht gut genug zu sein. Die Mutter, die gerne arbeiten geht, muss sich anhören, dass sie ihre Bedürfnisse weit über die ihrer Kinder stellt und diesen damit einen Schaden fürs Leben zufügt. Ebenso bekommt die Mutter Vorwürfe, die arbeiten geht, weil sie und ihre Familie einen gewissen Lebensstandard erhalten wollen. Das kann das eigene Haus, ein zweites Auto oder ein Urlaub im Jahr sein, aber vielleicht auch einfach nur ein zusätzliches Paar Schuhe für die Mutter selbst. Aber auch die Frauen, die sich sowieso mit ihrer Berufstätigkeit schwer genug tun und dies machen um tatsächlich das Überleben der Familie zu sichern und mit zu bestreiten, bekommen immer wieder zu hören, dass es sicherlich anders ginge, wenn sie es nur genug wollen würden.

Und so fahren jeden Morgen unzählige Mütter mit einem, meiner Meinung nach, unnötigen schlechten Gewissen zu ihrer Arbeitsstätte. Einem schlechten Gewissen gegenüber den Kindern, die sie vielleicht in einer Einrichtung untergebracht haben, die nicht optimal ist. Einem schlechten Gewissen gegenüber dem Haushalt, der durch ihre Berufstätigkeit vernachlässigt wird. Einem schlechten Gewissen gegenüber ihrem Mann, der doch auf gewisse Weise ihren Teilzeitjob akzeptiert und diesen mitfinanziert. Und zu guter letzt einem schlechten Gewissen sich selbst gegenüber, denn sie kommt jetzt ganz zu letzt.

Doch warum ist das so und warum muss das so sein? Das liegt zum einen sicherlich an den hohen Ansprüchen, die gerade bedürfnisorientiert lebende Familien und gerade Mütter an ihr Leben haben beziehungsweise was ihnen durch andere vorgelebt und vorgegeben wird. Denn eine gute bedürfnisorientert lebende Mutter ist eine, die immer für ihre Kinder da ist und diese nicht abschiebt.

Zum anderen ist da unsere Gesellschaft und der Druck, dass die Frau (der Mann ja eigentlich noch mehr) so schnell wie möglich wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt. Hierfür werden sich immer wieder neue Dinge ausgedacht, die Deutschland familienfreundlicher machen soll, die dieses Land aber eher familienfeindlich machen. Garantie auf einen Kindergartenplatz ab einem Jahr, egal zu welchem Preis für das Kind zum Beispiel. Oder die Kürzung der Rente für all die Menschen, die Care-Arbeit leisten anstatt die Wirtschaft zu unterstützen.

Und trotz allem sollte es möglich sein, dass eine Frau ohne schlechtes Gewissen und ohne den Vorwurf eine schlechtere Mutter als andere zu sein, nach der Geburt ihres Kindes wieder ihrer Arbeit nachgeht wenn sie das möchte oder gar muss. Deswegen liebe Frauen: Unterstützt euch gegenseitig, hört den Müttern zu, die ein offenes Ohr benötigen und verurteilt sie nicht für einen anderen Lebensentwurf als den, den ihr habt. Akzeptiert, dass es Menschen gibt, die anders denken und leben als ihr und dass es viele Wege gibt, glücklich durchs Leben zu gehen und dies ohne traumatisierte Kinder zu haben.

Jede Mutter ist eine tolle Mutter auf ihre Art und mit ihren Mitteln.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s