Windelfrei mit zwei oder das Kind will keine Windel mehr

Die Tochter habe ich angefangen abzuhalten als sie drei Monate alt war. Zu diesem Zeitpunkt schrie sie noch sehr viel und sehr ausdauernd, so dass ich mir sagte, es ist zwar kein Signal vorhanden, aber es kann klappen. Und so hielt ich sie in Standardsituationen ab. Nach dem aufwachen oder stillen und später auch nach dem Essen. Oft kam etwas, oft aber auch nicht. Irgendwann erkannten wir, sie drückt erst und dann kommt es. Wenn wir ihr in dieser Situation erklärten, wir hätten sie verstanden und würden sie abhalten, ging es zu 90% gut.

So hatten wir also ein Kind, dass irgendwann sehr zuverlässig signalisieren konnte, dass es mal groß müsse und das stundenlang auf der Toilette sitzen konnte, mit einem Haufen Bücher um sich herum, das aber trotzdem jedes Pipi in die Windel machte. Für mich und den Mann völlig ok und eine echte Erleichterung.

Kurz vor ihrem zweiten Geburtstag dann sagte sie mir, sie wolle keine Windel mehr. Ich freute mich, der Mann bekam Angst vor vollgepieselten Möbeln und Teppichen. Und so war es ein paar Tage ein Kampf, ich zog der Tochter keine Windel an, der Mann zog ihr wieder eine an. Schnell war klar, so kann es nicht klappen, wir müssen da alle hinterstehen. Und vielleicht war es auch noch zu früh, denn oft ging alles Pipi in die Hose.

Natürlich hätte ich es zu diesem Zeitpunkt durchziehen können und das scheinen viele Eltern auch noch so zu machen. Ich hab die wildesten Dinge gehört. Da gibt es Eltern, die ihren Kindern tagelang irgendwelches super-süßes Zeug zu trinken geben, damit sie möglichst viel müssen und lernen, dass sie das bitte in die Toilette machen. Dann gibt es Eltern, die überall im Haus Töpfchen verteilen und das Kind immer wieder bitten/ermahnen/zwingen zu gehen. Und dann gibt es die ganz klassische Variante, jedes Pipi eine Belohnung.

Jetzt ist die Tochter aber weniger bestechlich und sehr willensstark. Will sie etwas nicht, dann macht sie es auch nicht. Und sie wollte zu diesem Zeitpunkt auch oft einfach nicht auf ihr Töpfchen oder die Toilette. Dazu kam der Stress, der zwischen dem Mann und mir entstand und den ich mir wahrscheinlich auch noch selbst machte. Der Zeitpunkt war also wirklich noch nicht da.

Ich rechnete damit, dass wir noch einige Zeit wickeln würden, denn sie wurde große Schwester. Eine Veränderung, die sie bisher sehr gut gemeistert hat. Und erstaunlicherweise beschloß sie neun Wochen nach der Geburt: „Ich brauche keine Windel mehr!“

Diesmal war es anders. Sie verlangte nach Unterhosen und wollte immer wieder auf die Toilette. Sie wollte keine Windel mehr als Backup, auch nicht die Höschenwindeln. Ich sprach mit dem Mann, der wieder Angst vor Pipi überall hatte. Doch er willigte in den Versuch ein und so blieb die Tochter ohne Windel.

Es klappte ziemlich gut, wenige Hosen wurden so richtig nass. Doch eins blieb: Sie geht nur dann auf die Toilette, wenn sie es will. Und das ist leider oft viel zu spät, nämlich dann, wenn sie es kaum noch halten kann. Und so wasche ich ganz viele Miniunterhosen und trage jeden Tag neue in den Kindergarten. Aber es lohnt sich und ich denke, sie ist auf einem guten Weg. Irgendwann wird der Tag kommen, an dem sie abends die Unterhose auszieht, die ich ihr Morgens angezogen habe. Und wenn es noch eine Weile so bleibt, dann ist das auch ok.

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