Windelfrei mit Nummer zwei

Nach der Geburt des Sohnes musste ich eine Nacht im Krankenhaus bleiben. Ich war fest entschlossen trotz Entkräftung das Baby abzuhalten, zumindest für das große Geschäft. Und das gelang auch, ich war total glücklich und freute mich über diesen gelungenen Start unseres windelfrei Weges.

Kaum daheim aber gelang es gar nicht mehr. Ich erkannte keinerlei Signal, nicht für das große Geschäft und schon mal gar nicht für das kleine. Und dann waren da ja auch noch der Mann und die Tochter, die meine Aufmerksamkeit wollten und die beide auch Anteil am Baby haben wollten. Ich versuchte so gut es ging den Sohn abzuhalten. Hatte er nicht schon während dem stillen in die Windel gemacht hielt ich ihm danach im Wiegegriff über das Waschbecken. Irgendwie kompliziert wenn das kleine Wesen noch so zerbrechlich ist. Doch immerhin gelang es uns so ab und an etwas abzufangen. Und man sagt ja, einmal am Tag erfolgreich abhalten reicht um dem Kind zu signalisieren, dass sein Bedürfnis erkannt und wahrgenommen wird.

Als es dann so unglaublich heiß wurde und das Baby auch nicht mehr ganz so zerbrechlich wirkte, beschloss ich das volle Risiko einzugehen. Und so lag der Sohn dann fröhlich strampelnd und unten herum frei auf einer Decke im Garten. Das Töpfchen der Tochter füllte sich an diesem Tag immer mehr, denn darüber ließ sich auch das Baby gut abhalten. Einen orangenen Fleck hat die Decke davongetragen, den wird die Sonne aber mit der Zeit verblassen lassen (oder Gallseife, wie eine Freundin der Tochter empfahl, Kinder können so toll sein).

Ab dem Tag klappte es immer besser. Ich erkannte immer noch kein eindeutiges Signal, bot ihm aber immer dann, wenn er stark zappelte, die Möglichkeit an sich zu erleichtern. Oft hatten wir dabei Erfolg, was mir Mut machte dran zu bleiben. Es landete immer noch einiges in der Windel, doch das war zu dem Zeitpunkt auch völlig ok und für mich oft einfacher, denn da war ja schließlich auch noch seine Schwester, die Aufmerksamkeit forderte und diese natürlich auch bekommen soll. Außerdem hatte sie zu diesem Zeitpunkt beschlossen, dass sie ab nun auch Pipi in die Toilette machen kann und keine Windel mehr benötigt.

Und so übte ich mich eine Weile in Entspannung. Es war okay, wenn der Sohn sein großes Geschäft in die Windel machte. Es war okay, dass ich gar kein Signal erkannte und es war genauso okay, dass der Papa mit dem abhalten total überforder war und den Versuch nach wenigen Sekunden wieder abbrach.

Ich beschloss also dann die Windel wegzulassen, wenn ich auch die Zeit hatte mich darauf einzulassen. Frei nach dem Motto „wischen, waschen, lächeln“ lies ich ihn immer mehr ohne Windel. In der Zeit besuchten wir einige Menschen, die windelfrei kennen oder selbst praktiziert haben. Und so nutzte ich genau diese Besuche, denn in einer entspannten Atmosphäre kann es gleich viel besser gelingen.

Seitdem habe ich ein Baby, dass akzeptiert, wenn es eine Windel trägt, das aber viel lieber ohne ist oder die Windel abgemacht bekommen möchte um sich zu erleichtern. Das Wetter ist dafür aktuell noch optimal, denn ein richtiges  Zeichen erkenne sowohl ich als auch der Mann nicht. Interessant ist aber, dass wir beide ein Gefühl entwickelt haben, dass uns irgendwann sagt: Der Sohn muss, jetzt!

Wir haben immer noch vollgepieselte Windeln, gerade Nachts. Wir haben auch das ein oder andere Mal eine Windel mit großem Geschäft, denn nicht immer kann ich ihn abhalten oder erkenne es rechtzeitig. Gelernt habe ich aber vor allem eins: Wenn die Tochter sagt, dass ihr Bruder muss, dann sollte ich ihn ganz schnell abhalten. Sie hat so oft recht und ich habe das Gefühl, dass die zwei noch in einer ganz eigenen Sprache miteinander kommunizieren.

Und somit ist mein Fazit nach gut drei Monaten mit zweitem Kind: Windelfrei mit dem zweiten Kind kann funktionieren. Vielleicht nicht in Perfektion und auch nicht vollkommen ohne Windel. Aber es geht und es ist toll.

 

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