Schreibabys und all die anderen Babys – Zwischen Verzweiflung und Mommy Wars

Es kommt immer wieder vor, dass gerade bei Facebook verzweifelte Mütter in Müttergruppen fragen, wie sie mit ihrem Kind und ihrer Erschöpfung umgehen können und was sie vielleicht noch besser machen können. An sich finde ich es super, dass sie sich aus ihrer Komfortzone trauen und offen ihre Probleme ansprechen. Oft bekommen diese Frauen tolle Tipps und Hilfen und können ein wenig entspannter mit sich selbst und dem Kind oder den Kindern umgehen.

Doch dann gibt es da immer wieder die Fälle, wo Müttern nicht wirklich bewusst ist, dass sie ein Schreibaby oder High Need Baby haben. Und auch sie fragen dann in diesen Gruppen um Rat, was erstmal nicht verkehrt ist. Doch oft genug kommt dann zur Antwort, dass sie nur ihre Ansprüche runterschrauben müssen was zum Beispiel den Haushalt angeht oder das Kind eben mal beim Vater, der Oma oder sonst einer Bezugsperson lassen müssen. Oder dass sich ihre Unsicherheit auf die des Babys überträgt und es hilfreich ist einfach ein wenig ruhiger und entspannter zu werden. Erstmal nicht verkehrt, gerade auch mit Schreibaby oder High Need Baby. Und trotzdem machen mich diese Kommentare so wütend. Warum? Sie treiben Mütter noch mehr in die Verzweiflung.

 

Von guten und schlechten Müttern

Nicht wenige Mütter mit Schreibabys fragen sich tagtäglich, was genau sie falsch machen oder gemacht haben. Sie fragen sich, warum gerade ihr Kind so viel schreit und nicht wie die anderen Kinder ruhig auf einer Decke liegt und die Umgebung betrachtet. Sie sind übermüdet und erschöpft, die Nerven völlig am Ende, die Haare seit Tagen ungewaschen, die Wäscheberge um sich rum, oft einsam und isoliert. Und wenn sie sich raus trauen sehen sie all die glücklichen Mütter, die die ruhigen Babys haben. Bei denen alles so einfach erscheint und die einfach nur erfüllt sind von ihrem Mutterglück. Klar ist da auch die ein oder andere dabei, die anstrengende Nächte hat, die mal einen Milchstau hat oder eben einfach auch manchmal überfordert ist. Aber es wirkt so winzig gegen das, was die Schreibaby Mutter aus ihrer Sicht durchmacht.

Wie schnell fühlt sie sich als schlechte Mutter, die es einfach nicht hinbekommt? Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Sehr schnell. Und wenn sich diese Mütter dann hilfesuchend an andere wenden und gesagt bekommen, sie müssen einfach nur die Ansprüche zurückschrauben oder das Kind eben mal abgeben, schlimmer noch sie müssen vielleicht einfach mal ein Schlafprogramm durchziehen oder abstillen, dann ist das wie wenn jemand sagt: „Stell dich doch nicht so an! So ist das eben mit Babys, du bist nur ein bisschen empfindlich.“ Das tut unglaublich weh und hilft überhaupt nicht.

Ich möchte hier niemanden verurteilen oder die Mutter mit einem Schreibaby als Opfer darstellen. Mir geht es viel mehr darum die Augen zu öffnen und darauf aufmerksam zu machen, dass es manchmal eben doch nicht so einfach ist.

Verzweifelte Mütter im Krieg mit anderen

Die sogenannten „Mommy Wars“ toben fast überall. „Mein Kind kann…“ ist ganz furchtbar, aber leider auch furchtbar beliebt unter Müttern. Kinder werden verglichen und jede Mutter versucht natürlich ganz vorne dabei zu sein. Dabei vergessen viele nach links und rechts zu schauen und mal hinter die Fassade zu blicken. Hauptsache sie kommen selbst gut bei weg.

Doch es geht auch in die andere Richtung, wenn Mütter versuchen sich gegenseitig zu übertrumpfen im Leid. Schreibt eine sie ist übermüdet, weil ihr Kind alle zwei Stunden aufwacht bekommt sie nicht selten zu hören, dass sie sich glücklich schätzen kann, bei einem selbst war es viel schlimmer. Und die nächste haut dann auch nochmal in diese Kerbe und erzählt, wie viel schlimmer es bei ihr noch war. Das mag alles sein und vielleicht empfinden sie es auch so, weil nie jemand zu ihnen gesagt hat: „Ich verstehe, dass das für dich eine wirklich harte Zeit war. Du kannst stolz auf dich sein, dass du das so gut gemeistert hast.“ Sie buhlen um Anerkennung und gehen dabei über Leichen.

Doch muss das sein? Warum kommen wir alle immer zuerst und nicht diejenige, die jetzt gerade wirklich Hilfe braucht? Warum bekriegen wir uns untereinander, wenn es heute doch so oder so schon so schwer ist in der Kleinfamilie ganz allein mit Kind zu sein? Und warum schauen wir immer nur auf uns und nie mal auf die andere Mutter, schauen hinter die Fassade und fragen was sie jetzt gerade wirklich braucht?

 

Mehr Kuscheln

Liebe Mütter, nehmt euch doch beim nächsten Beitrag mal zurück und versucht es mit mehr Empathie. Ist gar nicht so leicht, ich weiß, ich kann das auch nicht immer. Aber ich versuche es. Ich versuche mich zurückzunehmen und die Situation der Frau, die die Frage stellt zu sehen. Ist ihr nicht viel mehr geholfen, wenn sie Zuspruch bekommt oder die richtige Hilfe? Muss ich immer wieder schreiben, dass es bei mir auch schlimm war? Hilft das genau der Fragestellerin?

Und dann hört in euch rein und fragt euch selbst was ihr braucht und warum ihr euch vergleicht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele Frauen dort draußen sind, die sich völlig aufgegeben haben um ihre Kinder glücklich aufwachsen zu sehen. Frauen, die am Ende ihrer Kräfte sind und sich komplett aufgeopfert haben. Frauen, die einfach mal jemanden brauchen, der ihnen sagt wie toll sie sind und dass sie wirklich ganz schön viel geschafft haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s