Papa ist in Elternzeit und Mama arbeitet

Wenn ich heute Leute treffe, die mich nicht so gut kennen und nur wissen, dass ich ein Kind habe, wie zum Beispiel die Bekannten und Nachbarn meiner Eltern, werde ich als erstes gefragt, wie alt das Kind ist. Und als zweites kommt immer die gleiche Frage: „Arbeitest du schon wieder?“ Ich kann die Frage nicht mehr hören und finde sie grässlich, denn genau das ist der wunde Punkt bei mir. Denn ja, ich arbeite ja schon wieder. Und das seit die Tochter acht Monate alt ist, Vollzeit mit 3 Stunden Fahrtzeit zusätzlich pro Tag. Wenn ich das dann den Leuten erzähle sind sie erstmal erstaunt und fragen dann, wo denn die Tochter sei, wenn ich arbeite. Heute geht sie in den Kindergarten, aber das war natürlich nicht von Anfang an so, denn nachdem ich wieder arbeiten gegangen bin hat der Mann Elternzeit genommen und Elterngeld bezogen. Mehr als die üblichen zwei Partnermonate, insgesamt sogar ganze sechs Monate.

Bis zur Geburt der Tochter dachte ich immer, dass wir in einer Welt leben, in der die Gleichberechtigung der Geschlechter immer besser gelingt. Natürlich gibt es Dinge, die können Männer vielleicht auf Grund ihrer Physis besser (schwer heben) und andere können eben nur Frauen (Kinder gebären und säugen), aber alles andere kann geschlechterunabhängig erledigt werden.

Doch dann kam die Tochter auf die Welt und ich fand mich in einer Welt wieder, in der Mutti daheim ist und Vati arbeiten geht. Vielleicht ist das jetzt etwas übertrieben dargestellt, doch ich bin keiner anderen Mutter begegnet, die so schnell wieder arbeiten gehen musste und ich kenne bis heute keine Mutter, die so schnell wieder vollzeit arbeiten war. Nach wie vor macht „man“/Mutti das nicht, es gibt sogar ganze Gruppen von Müttern, die mich verurteilen, weil ich mein Kind so früh verlassen habe.

Doch auch der Mann war wie ein seltsames Wesen in dieser Mutti-Welt, wurde aber glücklicherweise recht gut aufgenommen. Er hat das gemacht, was ihm Spaß gemacht hat, Babyschwimmen zum Beispiel. Und das gelassen, wo er sich unwohl gefühlt hat, Kaffeeklatsch mit anderen Müttern zum Beispiel. Er ist stundenlang mit der schlafenden Tochter durch die Gegend gelaufen, immer das Handy im Anschlag um Pokemons zu fangen. Er hat die Zeit genossen und sie hat ihm sichtlich gut getan.

Doch auch für die Tochter ist es eine wertvolle Erfahrung gewesen so viel Zeit mit ihrem Papa zu verbringen. Sie hat eine unglaublich enge Bindung zu ihm und braucht ihn manchmal mehr als mich. Und vor allem macht er Dinge wieder ganz anders als ich und ich anders als er. Ich finde es sehr wertvoll für sie beides zu erfahren und mit uns beiden Zeit verbringen zu dürfen.

Auch heute ist der Mann noch in Elternzeit und arbeitet Teilzeit, denn irgendwer muss die Tochter ja schließlich zum Kindergarten bringen und dort auch wieder abholen. Es passt auch einfach so gut, selbst der Kindergarten mag ihn manchmal gar nicht gehen lassen, wenn er beim abholen einfach einen Moment dort bleibt und mit den Kindern spielt.

Werden wir es wieder so machen? Ich weiß es nicht, denn es hat alles zwei Seiten. Einerseits gönne ich es dem Mann von Herzen, denn er ist ein toller Papa und macht seine Sache großartig. Es ist eine Zeit, die so nie wieder kommt und die für beide sehr wertvoll war und ist. Doch mir fehlt diese Zeit, denn ich bin weg. Ich sehe mein Kind nur Abends ab halb sechs und dann ist sie oft schon müde und nicht mehr gut drauf. Aber auch hierfür werden wir eine Lösung finden, da bin ich mir ganz sicher.

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