Die 3er-Regel als Definiton für ein Schreibaby und warum sie in meinen Augen eigentlich überflüssig ist

Oft fragen sich Eltern, ob sie denn nun ein Schreibaby haben oder nicht. Viele Ärzte und auch Beratungsstellen gehen hier nach der 3er-Regel: Schreit das Kind mehr als drei Stunden am Tag an mehr als drei Tagen die Woche und das über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen: Herzlichen Glückwunsch, sie haben ein Schreibaby.

Als ich das erste Mal von dieser Definition hörte, dachte ich, dass sich da jemand einen schlechten Scherz erlaubt hatte. Drei Stunden am Tag, drei Tage die Woche, welche Erholung. Wie lange am Tag die Tochter schrie, konnte ich nicht sagen. Mein Gefühl sagte mir aber, dass es mehr als drei Stunden waren und das jeden Tag in der Woche und auch schon seit ihrer Geburt.

Doch dann sprach ich immer mehr mit anderen Müttern und erfuhr, dass für sie manchmal schon eine Stunde schreien am Abend oder immer wiederkehrendes kurzes schreien über den Tag verteilt sehr belastend sind und sie sich fragten, ob sie denn ein Schreibaby hätten. Für mich passten diese Aussagen und die Definition nicht zusammen.

Zuerst reagierte ich mit Unverständnis und Wut, nie direkt, denn ich stoße anderen Menschen ungerne vor den Kopf. Doch ich disktuierte mit dem Mann darüber, regte mich auf, wie sich diese Mütter beschweren könnten, wo sie es doch so schön und ruhig hätten. Der Mann hatte immer nur ein Argument und das ist, aus heutiger Sicht, das einzig richtige: Sie fühlen es aber so.

Und genau das ist für mich der springende Punkt, warum ich mittlerweile sage, dass die 3er-Regel nicht hilfreich ist. Wir sind alle unterschiedlich, haben ganz unterschiedliche Lebensgeschichten und können unterschliedlich lange und stark Stress ertragen. Und das Schreien eines Kindes ist Stress pur. Deswegen finde ich es sehr wichtig jede Mutter ernst zu nehmen und sie nicht damit abzuspeisen, nachzumessen wie viel das Baby schreit.

Hat eine Mutter, die ein Baby hat, das am Tag vielleicht nur zwei Stunden schreit, keine Hilfe verdient? Hat diese Mutter einfach nur Pech und ein ganz normales Kind? Ist sie einfach nur ein bisschen empfindlich? Ich sage nein, jede Mutter, die Hilfe benötigt, sollte diese auch bekommen, egal ob das Kind nun eine, zwei, drei oder wie viele Stunden auch immer am Tag schreit.

 

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