Buch-Mittwoch: Dr. Hans Hartmann – Wege aus dem Mama-Burnout

Viele Mütter reißen sich auf und vergessen sich dabei ganz, kein Wunder, dass immer mehr Mutter-Kind-Kuren nachgefragt und, glücklicherweise, auch genehmigt werden. Denn nicht nur Manager oder Top-Verdiener stehen vor einem Burnout, auch Mütter betrifft es immer öfter.

Dr. Hans Hartmann ist Psychotherapeut und Leiter einer Mutter-Kind-Klinik. Er hat aus seiner jahrelangen Erfahrung in der Arbeit mit erschöpften Müttern ein Buch geschrieben, welches helfen kann Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu tanken (so der Untertitel).

Stress – Symptome und Verhalten

Um Herauszufinden wo man selbst steht, helfen die ersten beiden Kapitel sehr gut. In ihnen wird dargelegt, was Stress ist und die Leserin kann herausfinden, wie sie Stress empfindet, was Stress bei ihr auslöst und ob ein Leben als Mutter, Arbeitnehmerin, Mensch und Partnerin wirklich unvereinbar ist. Hierzu gibt es viele Reflexionsfragen, die helfen ein klareres Bild zu bekommen.

Wichtig ist aber auch der Teil über das Verhalten, in welchem die Leserin herausfinden kann, wie gut sie zu sich selbst ist und was ihr helfen kann Stress zu begrenzen oder sich selbst zu schützen. Auch in diesem Teil gibt es wieder zahlreiche Fragen, die helfen sich selbst zu reflektieren oder gar neue Ideen zu gewinnen.

Wer bin ich?

Essentiel für einen Weg raus aus der Burnout-Falle und rein in ein Leben, dass wieder Freude bereitet, ist die Erkenntnis über sich selbst. Nur wer weiß wer er ist und was er möchte, kann losgehen und neue Ziele verfolgen. Deswegen ist dieser Selbsterkenntnis ein ganzes Kapitel gewidmet.

Dieses Kapitel ist vielleicht das wichtigste des Buches, denn oft geben Mütter sich im Laufe der Zeit auf. Sie fragen nicht mehr nach ihren eigenen Bedürfnissen, nach ihren Wünschen oder gar ihren Gefühlen. Alles ist unwichtig, hauptsache den Kindern geht es gut, der Partner oder die Partnerin ist zufrieden und der Haushalt gemacht. Sich selbst neu kennenzulernen und anzunehmen was ist, ist ein großer, aber so wichtiger Schritt.

Beziehungen

Ein großes Kapitel ist den Beziehungen und ihren Mustern gewidmet. Auch hier werden wieder viele Fragen gestellt, die helfen Beziehungsmuster aufzudecken, zu verstehen und später zu wandeln.

Ein ganz wichtiger Abschnitt ist der über die Beziehung zum Partner. Denn diese geht oft als erstes verloren in der anstrengenden ersten Zeit. Aus zwei Liebenden werden schnell nur noch Eltern, die für die Kinder funktionieren, sich als Paar aber aus den Augen verloren haben. Einige Beziehungen zerbrechen daran und das ist auch in Ordnung. Doch viele Eltern haben den Wunsch, auch wieder Paar zu sein.

Wandlung, Stärke, Ziele und Wünsche

Im letzten Teil des Buches geht es darum, wie die Leserin sich selbst wiederfinden kann. Auch hier sind wieder sehr viele Reflektionsfragen in den einzelnen Abschnitten untergebracht, so dass über das Gelesene direkt nachgedacht werden kann und eventuell sogar neue Wege gefunden werden können.

Doch die Wandlung ist nicht immer einfach, auch das ist Thema des Buches und das halte ich für sehr wichtig. Denn den Entschluss zu fassen etwas zu ändern und ihn dann auch gegen Widerstände aus der Familie oder dem Umfeld durchzusetzen ist nicht einfach, besonders wenn man in einer Situation ist, in welcher sowieso Kraft Mangelware ist.

Mein Fazit

Primär richtet sich das Buch an Frauen, die sich ausgebrannt fühlen und nicht mehr weiter wissen. Doch ich halte es für jede Mutter als wertvoll, denn es zeigt auf, was passieren kann, wenn wir nicht gut auf uns acht geben. Es kann helfen präventiv zu handeln, Verhaltensweisen zu ändern und Muster gar nicht erst entstehen zu lassen.

Besonders gut gefallen haben mir die vielen Fragen, die das Buch zu einem Arbeitsbuch werden lassen, aus dem jede Frau individuell das herausziehen kann, was für sie in diesem Augenblick wichtig ist. Es müssen nicht alle Fragen beantwortet werden, um weiterzulesen. Jedoch können sie helfen im weiteren Verlauf des Buches ein klareres Bild zu bekommen.

Und noch etwas ist wichtig: In diesem Buch wird über ein Thema gesprochen, dass so oft tot geschwiegen wird, weil es in unserer Leistungsgesellschaft nicht sein darf: Mütter dürfen nicht erschöpft sein, sie sind ja „nur“ Mütter. Aufzuzeigen welche Last auf Müttern und Vätern liegt, dass Vereinbarkeit oft nicht gegeben ist, dass das Leben mit Kindern nicht immer ein Spaziergang ist und dass es vollkommen in Ordnung ist nicht mehr weiter zu wissen und nicht mehr zu können, dass ist enorm wichtig.

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