Betreuung – Unsere sanfte Eingewöhnung

Vielen Eltern graut es vor der Eingewöhnung der Kinder im Kindergarten. Sie sind unsicher, wie sie sich verhalten sollen und wie es überhaupt möglich sein kann eine Trennung ohne Tränen oder blöden Gefühlen auf allen Seiten zu schaffen. Manche Menschen sind auch überzeugt, dass eine Eingewöhnung nie gut ist, dass Kinder sich nicht schnell in einer neuen Umgebung mit vielen wildfremden Personen zurecht finden und dort auch nicht gerne bleiben. Da ist ein Funken Wahrheit dran, doch ich weiß, dass eine Eingewöhnung, auch mit einem recht kleinen Kind, sanft und liebevoll vonstatten gehen kann.

Voraussetzung für eine sanfte Eingewöhnung ist, dass die Einrichtung dem Kind und sich selbst die Zeit einräumt, die nötig ist. Wird strikt nach einem Konzept gehandelt oder darauf bestanden, dass ab Tag X eine Trennung versucht werden muss, kann eine Eingewöhnung tatsächlich schwierig werden. Bei uns im Kindergarten ist zum Glück gegeben, dass die Kinder die Zeit bekommen, die sie benötigen.

Unsere Vorbedingungen

Bei der Tochter hatten wir keine Wahl, was die Betreuung anging. Wir mussten beide wieder arbeiten und sie musste von irgendjemandem betreut werden. Die Stadt teilte uns schlussendlich einen Kindergarten zu und das war für uns ein echter Glückstreffer. Schon beim ersten kennenlernen erlebten wir, wie die Erzieher liebevoll mit den Kindern umgingen und Wert auf einen bedürfnisorientierten Umgang legten. Und wir erfuhren, dass nicht starr nach einem Konzept eingewöhnt wird, sondern dass das Kind bestimmt in welchem Tempo es dort ankommen mag.

Der Mann plante also zwei Monate Zeit ein und vereinbarte mit seinem Arbeitgeber einen mehrstufigen Wiedereinstieg. Und das war gut so, denn die Tochter brauchte sechs Wochen seine Unterstützung und Begleitung, die er ihr gerne gegeben hat. Aus dieser Erfahrung heraus haben wir auch beim Sohn diesmal zwei volle Monate eingeplant und dann doch nur einen gebraucht. Doch das ist uns lieber, alles war entspannt und der kleine konnte gut und sicher ankommen.

Ankommen und kennen lernen

Nun hatte der Sohn beim Kitastart einen klaren Vorteil, er kannte den Kindergarten bereits durch seine Schwester. Er war dabei, wenn ich sie Morgens brachte und auch, wenn ich sie Nachmittags abholte und oft noch einen Moment verweilte um das Spiel nicht zu unterbrechen oder mit den Betreuern ein Wort zu wechseln.

Trotzdem starteten wir auch bei ihm mit der Kennenlernphase. Anstatt Morgens die Schwester abzuliefern, blieben wir dort und nahmen am Alltag im Kindergarten teil. Wir frühstückten gemeinsam mit den Kindern und der Sohn erkundete den Gruppenraum und nach und nach auch alle weiteren Bereiche, während einer von uns in seiner Nähe auf dem Boden saß, ab und an durch ein oder mehrere Kinder belagert. So hatte der Sohn die Möglichkeit die Räumlichkeiten kennenzulernen, sich dort zu orientieren. Und auch die Kinder, die Lautstärke und all die neuen Eindrücke kennenzulernen und zu erfahren. Ging er auf die Betreuer zu gingen sie in Kontakt mit ihm, jedoch ging in dieser Phase noch keiner aktiv auf ihn zu, um ihn nicht zu überfordern.

Vertrauen fassen

Es hatte sich schon vorher abgezeichnet, dass der Sohn einen Betreuer favorisierte, welcher auch heute seine Hauptbezugsperson ist. Er konnte das ganz für sich entscheiden, ohne dass vorher festgelegt wurde wer ihn während der Eingewöhnung begleitet. Alle boten ihm Begleitung an, er konnte sich aussuchen welche er wann mochte.

Der Übergang wurde relativ fließend gestaltet. Es gab keinen Zeitpunkt ab dem festgelegt wurde, dass wir bzw. zu dem Zeitpunkt hauptsächlich der Mann uns im Hintergrund halten sollten. Viel mehr boten die Betreuer immer wieder ihre Hilfe an, wenn er sie brauchte oder machten ihm Spielangebote. Alles ohne Druck und ohne den Gedanken, dass es klappen muss. Es war völlig in Ordnung, wenn er das nicht wollte.

Trennung ab Tag 1

Tatsächlich hatten wir schon am ersten Tag eine kurze Trennung, denn ich musst nach einiger Zeit auf die Toilette. Er war in sein Spiel vertieft und fühlte sich inmitten der Kinder sehr wohl. Und so huschte ich schnell raus und setzte mich kurz darauf wieder auf den Platz, an dem ich zuvor auch gesessen hatte. So handhabten wir es die nächsten Tage ebenfalls. Manchmal passierte es auch, dass er wegkrabbelte und sich unter der Hochebene mit dem Duplo beschäftigte oder in den Flur mit Leseecke verschwand.

Wir waren also nicht plötzlich weg oder erstmal nicht erreichbar. Wir vergrößerten sozusagen den Abstand zu ihm. Oft spähten wir aus dem Nebenraum oder dem Flur in den Gruppenraum, bereit wieder für ihn da zu sein, wenn er es brauchte.

Manchmal erschrak er sich über seine Courage und begann zu weinen, wenn er uns sah. Das war für alle in Ordnung und so kuschelten wir viel und immer dann, wenn er es brauchte. Wir erzwangen keine Trennung und brachen sie immer ab, wenn wir merkten, dass es nicht passte.

Ankommen und entspannen

Keiner von uns kann genau sagen, wann wir den nächsten Schritt gingen. Es war eigentlich eher ein langsames ankommen. Wir merkten, dass der Sohn sich in der Kita wohl fühlte und das auch die Betreuer immer besser verstanden, was er brauchte. Wir vereinbarten, dass sie in unserer Anwesenheit versuchten ihn in den Schlaf zu bringen. Es klappte erstaunlich gut, fünf Minuten Fahrt mit dem Kinderwagen und der kleine Kerl war eingeschlafen.

Er hatte die Zeit, die er brauchte. Und wir waren so lange dabei, wie er es brauchte. Und irgendwann brauchte er uns eben nicht mehr. Da bekam ich eine liebe WhatsApp Nachricht, ich möge doch bitte den Mann aus der Kita abholen, der säße nun schon den ganzen Tag in der Turnhalle und langweile sich.

Und die große Schwester?

Die durfte weiter das Kind sein, dass sie schon immer in der Kita war. Sie musste nicht die Große sein, sie musste zu keinem Zeitpunkt für ihren Bruder da sein oder ihn trösten, wenn er weinte. Sie durfte die Kleine sein und jederzeit mit nach Hause kommen, wenn wir nur wenige Stunden mit dem Sohn da waren.

Sie genoss es uns in ihrem Kindergartenalltag dabei zu haben. Mit uns zu spielen und zu lesen. Uns zu zeigen was sie den ganzen Tag macht.

Frage ich sie heute, was der Bruder im Kindergarten gemacht hat, weiß sie es nicht. Das ist völlig in Ordnung, es zeigt mir auch, dass sie das macht, was sie auch schon vor dem Kitastart des kleinen Bruders gemacht hat: Puppen spielen mit der Freundin. Oder Lego bauen. Oder im Sand buddeln. Spielen und glücklich sein.

Unser vertrautes Dorf

Für uns gehört die Kita genauso wie gute Freunde oder die eigenen Eltern zu unserem Dorf. Dort arbeiten Menschen, die mit viel Herz in ihrer Arbeit aufgehen. Die mit den Kindern spielen, basteln, singen oder einfach nur Quatsch machen. Die sich auf das Experiment windelfrei einlassen und liebevoll in der Phase des trocken werdens begleiten.

Kindergarten muss nicht fremd sein, Kindergarten kann und darf ein Teil unseres Dorfes sein, das uns hilft den Alltag mit den Kindern zu schaffen. Uns hat diese Einstellung sicherlich auch sehr bei der Eingewöhnung geholfen.

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