Natürliche Geburt – Entspannt ankommen

Kaum ist das Baby geboren, fängt für viele Familien der Stress erst richtig an. Gerade mit dem ersten Kind steht die ersten Tage und Wochen die Welt Kopf. Was genau braucht das kleine Wesen nun? Wann und wo muss und darf es schlafen? Will es schon wieder stillen oder stillt es zu wenig? Warum weint es? Ist etwa schon wieder etwas in der Windel oder möchte es abgehalten werden? All diese Fragen kreisen vielen Eltern regelrecht im Kopf umher. Und als wäre es nicht schon alleine schwer genug sich mit all dem auseinander zu setzen, ist da noch der Haushalt, der Hunger und die Verwandschaft, die alle das Baby willkommen heißen und anschauen wollen. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Eltern nach wenigen Wochen mit Baby total gestresst sind, selbst wenn das Kind an sich recht einfach ist.

 

Was ist wichtig?

Um diesem ganzen Stress zu entkommen kann die Frage nach dem was wichtig ist recht hilfreich sein. Ist es wichtig, dass wir weiterhin einen so sauberen Fußboden haben, dass wir davon essen können? Ist es wichtig, dass alle Verwandten in den ersten Wochen das Baby sehen und halten können? Ist es wichtig, dass wir jeden Tag eine frisch gekochte Mahlzeit auf dem Tisch haben?

Und auch andersrum gefragt: Was ist gerade jetzt wichtig und richtig für mich? Brauche ich Ruhe? Brauche ich meine eigene Mama um mich rum, als Unterstützung oder einfach nur für ein bisschen Zuspruch. Brauche ich gerade jemanden, der mir etwas zu essen kocht oder bringt? Brauche ich Ablenkung? Brauche ich Beratung?

Das sind natürlich nochmal ein Haufen Fragen mehr als die, die wir uns mit Baby sowieso schon stellen. Doch sie können helfen klar zu sehen und klar zu entscheiden, was für uns gerade jetzt wichtig ist.

 

Nein sagen

Und dann kommt der nächste Schritt, der uns unglaublich schwer fällt. Wir müssen nein sagen. Nein zu den lieben Menschen, die zu Besuch kommen wollen. Nein zu lieb gemeinten Angeboten, die uns aber mehr stressen als helfen. Manchmal müssen wir auch nein zu uns selbst sagen, wenn wir mehr wollen als gerade möglich ist.

Es ist ein schmaler Grad, auf dem wir wandern, wenn wir nein sagen. Denn wir sind ja schließlich später auf unser Dorf angewiesen und möchten es nicht schon gleich vergraulen. Wir möchten niemanden vor den Kopf stoßen. Und so ist es aus meiner Sicht unglaublich wichtig ganz offen mit den Menschen zu sprechen, die ihre Hilfe anbieten. Ihnen zu sagen was man braucht und was einem vielleicht in dieser Situation zu viel ist. Vielleicht weiß das die ein oder andere Familie auch schon vor der Geburt und kann ankündigen, dass sie es erstmal ruhig angehen lassen wollen, dass sie alleine sein wollen oder was auch immer ihnen wichtig ist.

 

All die Termine  – Was muss sein

Doch dann gibt es da noch die Termine, die sich in den ersten Wochen mit Kind anhäufen. Die U-Untersuchungen sind mittlerweile in einigen Bundesländern Pflicht, in anderen nicht, jedoch erfolgt auch dort eine Meldung an das Jugendamt, wenn sie nicht wahrgenommen werden. Hinzu kommen Besuche von der Nachsorgehebamme, die für viele Frauen eine tolle Hilfe sind. Doch auch hier gilt, wenn es nicht passt, sagt es.

Und dann sind da noch so viele andere Dinge, die gemacht werden können. Wir waren zum Beispiel mit unserer kaum zwei Wochen alten Tochter damals beim Ostheopathen, in der Hoffnung, dass die schlimme Schreierei dadurch besser werden würde. Ich war zu dem Zeitpunkt kaum in der Lage mich auf den Beinen zu halten und geholfen hat es auch nichts. Heute weiß ich, dass wir auch drei Wochen später hätten gehen können, das wäre für uns alle entspannter gewesen.

Und dann gibt es da noch den Druck durch die anderen Mütter. Die schon nach wenigen Tagen nach der Entbindung Fotos ins Internet stellen, auf denen sie entweder fröhlich lächelnd einen Kinderwagen durch die Landschaft schieben oder mit Freundinnen im Cafe sitzen und ein super entspanntes Baby auf dem Arm haben. Sie sehen frisch und erholt aus und überhaupt nicht zerstört und übernächtigt. Aber das sind Ausnahmen und meiner Meinung nach verpassen sie so viel mehr als wir, die wir daheim bleiben und uns die Zeit für uns und das Baby nehmen.

 

Kuscheln, kuscheln, kuscheln

Und was ist nun wichtig in der Anfangszeit, damit diese für alle Beteiligten möglichst entspannt ablaufen kann? Eigentlich nicht viel, hört auf euer Bauchgefühl, es wird euch sagen, was sich gerade richtig anfühlt. Kuschelt viel. Mit dem Baby, mit dem Partner und mit den Geschwistern. Nehmt euch Zeit euch kennenzulernen, euch verliebt in die Augen zu schauen und einfach nur füreinander da zu sein.

Und versucht euch den Druck rauszunehmen. Windelfrei klappt nicht, na und, kommt erstmal an und schaut dann nochmal. Das Stillen ist irgendwie komisch, bleibt dran, es lohnt sich. Die Nächte sind eine einzige Hölle, schlaft am Tag. Aber schaut, dass es sich für euch immer stimmig anfühlt.

Und stellt Regeln auf, auch wenn ihr sonst nicht so der Typ für Regeln seid. Besuch ja, aber nur wenn er Essen mitbringt zum Beispiel. Anrufe ja, aber nur wenn ich bestimmen kann wann ich rangehen möchte.

Genießt diese besondere Zeit, sie ist so kurz.

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