Die Entdeckung der Langsamkeit – Ein erster Schritt in Richtung Slow Family Life

Es gibt immer was zu tun und ich bin ein Mensch, der kaum was liegen lassen kann. Mich einfach mal hinsetzen und nichts tun fällt mir unglaublich schwer. Der Mann zwingt mich manchmal dazu und hat auch absolut recht mich auszubremsen. Auch auf der Arbeit bin ich acht Stunden lang angeknipst. Ich habe zahlreiche Aufgaben auf dem Tisch und weiß wenn ich gehe manchmal gar nicht mehr was ich denn alles den Tag über gemacht habe und mit wem ich gesprochen habe. Und ich bin unendlich müde, denn das alles ist doch sehr anstrengend.

Aber damit ist der Tag ja noch nicht erledigt, komme ich nach der Arbeit heim möchte ich noch so viel machen, zumindest fühlt es sich so an als wollte ich es. Da liegen Berge an Wäsche, die gewaschen werden müssen. Die Küche ist unordentlich, das Wohnzimmer sowieso. Und im schlimmsten Fall kommt noch Besuch und das Gästeklo müsste geputzt werden. Außerdem ist da noch die Tochter, die mich den ganzen Tag nicht gesehen hat und Mamazeit braucht. Und die bekommt sie leider viel zu oft während ich noch etwas erledige, Wäsche aufhänge oder ein paar Dinge wegräume.

Doch die Tochter hat mir auch ganz deutlich gezeigt, dass ich mein Leben nicht weiter in diesem Tempo leben kann und das auch gar nicht möchte. In vielem ist sie langsam, einfach weil sie es noch nicht besser kann. Sie läuft noch nicht so lange und hat viel kürzere Beine als ich oder gar der Mann. Sie probiert Dinge aus und bekommt sie nicht hin, lässt sich aber auch nicht helfen. Und sie entdeckt Dinge, die in diesem Moment ganz wichtig sind und die sie mir zeigen möchte. Bedürfnisse hat sie auch noch und sie ist, meiner Meinung nach, noch nicht in einem Alter, in dem sie diese auch mal für einen kurzen Moment hinten anstellen kann.

Aber sie bremst uns auch aus, so vor einiger Zeit und rückblickend war das wunderbar. Der Mann ist ein wenig Pokemon-verrückt und läuft auch mal mitten am Tag irgendwo im Dorf hin um ein Pokemon zu erwischen. Oft rennt er da alleine hin und kommt irgendwann verschwitzt wieder. Doch an diesem Tag haben wir ihn begleitet, raus zu den Klippen. Der Mann rannte den Hinweg noch vor, galt es doch dieses ganz besondere Pokemon zu bekommen. Ich lief mit der Tochter auf dem Rücken zügig hinterher und ärgerte mich schon, dass der Spaziergang so gehetzt war.

An den Klippen angekommen packte ich die Tochter aus und lies sie die Umgebung erkunden. Meine Mama wird jetzt einen Herzkasper bekommen, wenn sie das liest, aber ich lies die Tochter sogar ein Stück auf den Klippen klettern. Sie entdeckte dort Matsch und Steinchen und war erstmal nicht mehr wegzubewegen. Kein Problem, das Pokemon war gefangen, wir hatten jetzt Zeit. Und die nahmen wir uns dann auch für den Rückweg. Die Tochter und ich pflückten Blumen, die Tochter hielt bei jedem interessanten Stein an und zeigte uns all die tollen Dinge, die da auf und neben dem Weg lagen. Für einen Weg, den wir hin noch in fünf Minuten gerannt waren, brauchten wir nun fast eine Stunde. Aber diese eine Stunde war so wertvoll.

Ich muss mich so oft bremsen, wenn ich mit der Tochter unterwegs bin, dass ich sie nicht weiterzerre, weil sie schon wieder ein Steinchen aufhebt oder irgendwas anderes entdeckt hat, was für mich erstmal richtig uninteressant erscheint. In meinem Kopf ist immer die Stimme, die mir sagt, dass ich mich doch beeilen muss, weil es noch so viel zu tun gibt. Aber ehrlich gesagt, das Chaos daheim ist auch am nächsten Tag noch da, der Moment mit der Tochter nicht.

Deswegen: Nehmt euch die Zeit und haltet inne, werdet langsam und genießt den Moment. Es lohnt sich.

Und für alle, die noch Inspirationen suchen, Nicola Schmidt und Julia Dibbern haben ein wundervolles Buch zum Thema Slow Family geschrieben.

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