Weltfrauentag – Was genau feiern wir hier überhaupt

Heute ist Weltfrauentag und ich frage mich wirklich oft, was genau an diesem Tag „gefeiert“ werden soll. Ich bin entsetzt, wenn ich zum Beispiel über Facebook Werbung angezeigt bekomme, die mich an diesen Tag erinnert und mich auffordert meiner Ehefrau (ich bin wohl nicht die richtige Zielgruppe für diese Werbung) Blumen für den Weltfrauentag zu kaufen. Genauso schwachsinnig und Geldmacherei wie die Blumen zu Valentinstag oder Muttertag.

Doch was ist denn der Weltfrauentag genau und wo kommt er her? Wikipedia sagt dazu hier:

Der Internationale Frauentag, Weltfrauentag, Frauenkampftag, Internationaler Frauenkampftag oder Frauentag ist ein Welttag, der am 8. März begangen wird. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Die Vereinten Nationen erkoren ihn später als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden aus.

Wie ich finde sind die Gründe sehr wichtige, denn ich bin eine klare Befürworterin der Gleichstellung aller Geschlechter (es muss ja nicht immer nur männlich und weiblich geben). Doch geht es heute noch darum? Geht es wirklich um eine Gleichstellung? Oder geht es nur darum irgendwelche Quoten zu erfüllen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, aber nicht an die breite Masse zu denken?

Mehr Frauen in Führungspositionen ist ein großes Thema, lange Zeit wurde immer wieder um die Frauenquote gestritten. Doch bringt es wirklich etwas, Frauen nur auf Grund einer Quote zu befördern oder sie gar einem Mann vorzuziehen, weil eine Quote erfüllt werden muss? Sollten nicht alle gleich behandelt werden und derjenige die Chance auf den besseren Posten bekommen, der auch die besser Arbeit geleistet hat?

Und warum gibt es in fast allen großen Unternehmen immer wieder Seminare oder Schulungen, speziell für Frauen, die ihnen lehren, wie sie sich besser durchsetzen können, wie sie wie ein Mann denken lernen können und wie sie in dieser Männerwelt ihre Frau stehen. Ist das nicht total absurd? Ist es nicht viel wichtiger zu schauen, dass ein Arbeitsklima geschaffen wird, das die Bedürfnisse, Ansprüche und Möglichkeiten aller abdeckt? Bin ich auf Grund meines Geschlechtes nicht in der Lage mich durchzusetzen?

Und dann ist da ja noch dieses große und sperrige Thema, dass sich „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ nennt. Auch wieder ein Thema, das sich vor allem mit Frauen beschäftigt. Die Politik stellt Fragen, die sich darum drehen, wie es Frauen ermöglicht werden kann, schnell wieder in den Job einzusteigen. Es werden Krippengruppen aus dem Boden gestampft und massenweise Tagesmütter ausgebildet. Alles sicherlich nicht schlecht und die Nachfrage nach solchen Plätzen steigt, trotzdem wird hier meiner Meinung nach an einer völlig falschen Stelle angesetzt. In einer Zeit des Fachkräftemangels hat die Industrie ein großes Interesse daran, gut qualifizierte Frauen möglichst schnell zurück in den Beruf zu bekommen. Gleichzeitig kaschieren die U3-Betreuungsplätze die immer größer werdende soziale Ungerechtigkeit. Wie viele Frauen gibt es, die nicht aus Liebe zu ihrem Job wieder arbeiten möchten, sondern arbeiten müssen, weil in unserer Generation das Gehalt eines Alleinverdieners nicht reicht, um eine Familie zu versorgen.

Das Elterngeld (und ich bin froh, dass es so heißt) ist eine tolle Sache, die es heute vielen Paaren überhaupt erst ermöglicht, eine Familie zu gründen ohne sie in den finanziellen Ruin zu treiben. Doch seien wir mal ehrlich, dass Elterngeld ist vor allem da, damit Mütter daheim bleiben können. Ist ja in der Regel auch günstiger für den Staat, denn die Frau verdient im Schnitt einiges weniger als der Mann. Viele Männer wissen noch nicht einmal , dass sie mehr als zwei Monate Elterngeld beziehen können und gar drei Jahre Elternzeit nehmen dürfen. Das ist traurig und erschreckend, denn auch hier wird wieder das klassische Rollenbild gefördert und gefestigt.

Wenn wir von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen, dann müssen wir auch darüber sprechen, wie es Männern genauso möglich sein kann, für die Familie da zu sein. Männer, die in Teilzeit arbeiten oder gar so verrückt sind wie mein Mann und länger in Elternzeit bleiben und sogar länger Elterngeld beziehen, sind heute noch in den Augen vieler Versager und Schwächlinge. Der Mann hat die Familie zu ernähren, die Frau hat daheim am Herd zu stehen, den Haushalt zu versorgen und die Kinder. Wenn es nötig ist verdient sie noch ein wenig hinzu. Das ist vielleicht etwas überspitzt formuliert, so aber noch in vielen Köpfen fest verankert.

Braucht es also heute noch einen Weltfrauentag? Ja und nein, denn die Themen von damals sind glücklicherweise heute nicht unbedingt mehr Thema, zumindest nicht in unserer westlichen Welt. Frauen dürfen wählen, Frauen haben die Möglichkeit die gleichen Berufe auszuüben wie Männer und viele Frauen sind ausreichend emanzipiert. Was es aus meiner Sicht braucht ist ein Tag, an dem wir intensiv daran erinnern, dass heute immer noch ein Ungleichgewicht herscht. Doch nicht nur Frauen brauchen Zuspruch und Unterstützung. Wir alle benötigen es, damit jeder von uns das Leben leben kann, dass er für sich wählt und für das für ihn passende Lebensmodell hält.

Ein Gedanke zu “Weltfrauentag – Was genau feiern wir hier überhaupt

  1. Hey, interessanter Beitrag! Ich teile deine Meinung, dass es immernoch Ungleicheit gibt. Deswegen ist es so wichtig, dass wir Frauen unsere Stimme erheben! Ich glaube es ist in dem weiblichen Geschlecht irgendwie noch immer verankert, dass wir uns unterordnen wollen bzw müssen (wenn auch nur ganz gering) und wir deswegen solche Seminare, wie du sie erwähnst öfter besuchen. Was kein Zeichen von Schwäche ist, sondern vielleicht einfach eine Möglichkeit sich weiterzubilden. Und solche Seminare werden auch für Männer angeboten 🙂 Ich finde deinen Beitrag wirklich gut! Hab noch einen schönen Tag und liebe Grüße, Lea

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